von am 1. April 2016

wochenschau_13-16_bigImmer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlungen fürs Wochenende.

Suggerieren von Stärke ist in der Politik immer ein Stelldichein. Also auch, als der Bezirk Neukölln diese Woche sein Konzept gegen Jugendkriminalität vorstellte. Dabei waren: Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sowie Jungendstadtrat Falko Liecke, Kontrahent bei den anstehenden Bürgermeisterwahlen, nebst Innensenator Frank Henkel (beide CDU). Die Ideen, mit denen der Bezirk die Jugendkriminalität eindämmen will, sind altbekannt. Es sind jene von Neuköllns ehemaliger Jugendrichterin Kirsten Heisig und ihrem „Neuköllner Modell“: Junge Intensivtäter schnell aburteilen und damit abschrecken, ist dessen Leitidee. Was Heisig 2010 gegen die Bürokratie ins Laufen brachte, soll nun der Bürokratie-Moloch selbst erledigen. Drei Bezirksmitarbeiter sollen Polizei, Jugendämter & Co. so „koordinieren“, dass alle flüssig zusammenarbeiten, um straffällige Jugendliche zügig vor den Kadi zu bringen. Ob das gut funktioniert, ist fraglich; kaum etwas ist zäher zu Überwinden wie die Beharrungskräfte bürokratischer Strukturen. Das von der Politik mit Schlagwörtern wie „effektives Vernetzen“ und „klare Kante“ gefeierte Konzept, könnte bald versanden, so wie bereits vor fast acht Jahren.

700 Millionen bis eine Milliarde Euronen. Das sind die bisherigen Schätzungen für die Kosten des Projekts „U7 zum BER“ der SPD Neukölln. Mehr dazu in einem Beitrag des Tagesspiegels.

Fritz the cat Syndrom nennen wir es hier.

Die ersten Neuköllner. Da schau an: „Wir wissen jetzt, dass hier vor 5000 Jahren eine größere Gruppe von 20 bis 30 Menschen gelebt und Ackerbau und Viehzucht betrieben hat“. Mehr zur Archäologie-Wundertüte Neukölln in diesem Beitrag der Morgenpost.

Ein innerer Reichsparteitag war es für Leute mit konservativ bis rechter Gesinnung, als die Wagenburg „Schwarzer Kanal“ in Neukölln sich weigerte, Unterkünften für Refugees Platz abzutreten; das zeigten die Reaktionen auf Twitter & Co. Ein Beitrag auf N24 widmet sich ausführlich den Argumenten der links-alternativen Bewohner für ihren Standpunkt sowie jenen der Gegenseite.

Spray your Minds.

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Raus I. Schwingt euch ins Wochenende mit ner Runde Kegeln. Die „Schiefe Bahn“ am Karl-Marx-Platz feiert am Freitag, dem 1. April, ihr zweijähriges Bestehen.

Raus II. Gönn dir dein Kellergedeck am Samstag, dem 2. April. Unter anderem mit Just Emma:

Raus III. Am Sonntag, dem 3. April,  gibt es ab 19.30 Uhr Queer-Dance aus Syrien im „Silver Future“. Los geht’s um 19.30 Uhr.

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3 Kommentare:

  • Bla sagt:

    Puh… Reichsparteitag. Lust an der Provokation oder einfach nur dumm. Ich weiß es nicht.

    Das Konzept zu den Intensivtätern solltet ihr euch jedenfalls mal besorgen. Dann klappt es auch mit der Berichzerstattung. Ist nämlich falsch, was ihr da schreibt. Es geht laut Konzept wohl nicht darum, abzustrafen oder hinter Gitter zu bringen (das läuft sowieso), sondern um die Arbeit mit den Familien und allen Institutionen.

    Meine Güte, das steht da alles im Konzept drin. Warum nutzt ihr das nicht mal für sauberen und preisverdächtigen Journalismus?

  • Björn Müller sagt:

    Zum Ersten: Provokativ immer und verdammt treffend, siehe beispielsweise #neukoelln Twitter Timeline dazu.

    Zum Zweiten: Leitidee bzw. Kern des Konzepts ist das zügige Sanktionieren von jugendlichen Intensivtätern, siehe zum Beispiel Konzept Seite 9 „(…) Es geht um die Steuerung zeitnaher behördlicher Sanktionsmaßnahmen“. Gerade das schnelle Bestrafen der Jugendlichen ist ein wesentliches Element des Konzepts, hofft man doch hierdurch, effektive rote Linien hochzuziehen. Das muss nicht gleich der Knast sein; schreiben wir auch nicht. Unter diesem „Law & Order Branding“ verkauft die Politik auch ihr Maßnahmenpaket und muss sich folglich daran messen lassen.

    Apropos: Bitte in Zukunft wieder den gewohnten bla-Stil, das erste Adjektiv und der Restduktus geht in Richtung unserer roten Linie.

    Björn / NK-Net Redaktion

  • bla sagt:

    Lieber Björn, danke dir für die Antwort. Rote Linien verstehe ich – die müssen sein. Vergleiche mit „Reichsparteitag“ gehört für mich auch dazu. Soviel dazu, woran man sich messen lassen muss. Ich nehme für mich auch in Anspruch, „dumm“ mit einem impliziten Fragezeichen versehen zu haben. Sollte das nicht so angekommen sein, bitte ich um Verzeihung.

    Richtig ist sicherlich: Sanktionsmaßnahmen sind ein wichtiger Teil dieses neuen Konzeptes. Wer aber meint, das war es schon, hat es nicht verstanden. Naja, zumindest nicht so wie ich.

    Mein Eindruck ist, dass gerade die Sozialarbeit mit den Tätern und Familien im Vordergrund steht. Sonst wäre es tatsächlich nichts Neues. Und ich finde auch, dass dieser sozialpädagogische Ansatz mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Er verspricht nämlich mehr Erfolg als das bloße Aburteilen am Fließband.

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