Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Links der Woche widmen wir uns diese Woche ausnahmsweise nur dem Thema Gentrifizierung in Neukölln: 

Wie entwickelt sich Neukölln? Oder anders gefragt: Ist das schon Gentrifizierung oder steigen nur die Mieten?

Damit beschäftigt sich eine Studie des Forschungsinstituts TOPOS im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die Montag Abend in der Rütli-Schule präsentiert wurde. Die Ergebnisse stimmen missmutig: Man stellt zwar fest, dass die Mieten in Nord-Neukölln vor allem bei Neuvermietungen stark ansteigen, aber von Gentrifizierung möchte man trotzdem nicht  sprechen, weil die Zuziehenden nicht signifikant reicher sind als die Wegziehenden. Was danach bleibt, ist Wortklauberei und die Feststellung, dass gegen die steigenden Mieten wenig bis nichts unternommen werden kann.

Das dem so nicht ist und durchaus Möglichkeiten zur Begrenzung der Mietsteigerungen bestehen, thematisierten wir in einem Interview mit Kandidaten der Grünen vor der Wahl (Stichwort Milieuschutz). Ausführlich berichteten von der Veranstaltung die taz und der how to get your ex backierung-in-nordneukoelln/6323268.html” target=”_blank”>Tagesspiegel.

Und was hängt sonst so alles mit dem Begriff Gentrifizierung zusammen?

Gentrifizierung in Berlin ist Alltag, schreibt zum Beispiel Susanne Englmayer und berichtet über satte Mieterhöhungen nach Modernisierungsarbeiten in ihrem Haus.

Die Veränderung des Stadtbilds wird ebenfalls oft in Verbindung mit dem Wort Gentrifizierung genannt. Besonders interessant für den Schillerkiez sind die Pläne für das Tempelhofer Feld. Die Gruppe 100% Tempelhofer Feld möchte jegliche Bebauung verhindern und strebt dafür ein Volksbegehren an (wir berichteten). Ihre nächste Sitzung kann man am Mittwoch, dem 21. März, im Cafe Engels besuchen.

Der Gentrifizierungs-Begriff schwebt in vielen Debatten in Neukölln mit und nur, weil er im Rahmen der engen wissenschaftlichen Definition in Neukölln derzeit fast nicht messbar ist, so bleiben doch die Probleme und Herausforderungen, die damit tagtäglich assoziiert werden. Die Augen schließen und behaupten, die Lage in Nordneukölln wäre nicht so problematisch, hilft da keinem.

Wer sich regelmäßig mit dem Thema beschäftigen möchte, dem empfehlen wir den Gentrification Blog. Und wer noch nicht genug hat und verstehen möchte, was für ein großes Geschäft in der Neuvermietung unserer Wohnungen liegt, der sieht sich bitte folgendes Video an.

 

4 Kommentare:

  • Christoph sagt:

    Wenn wohnen zur Ware wird, dann läuft etwas verkehrt… Diese Form der Geldanlage ist genauso verwerflich wie mit Nahrungsmitteln zu spekulieren.

  • [...] die Wochenschau vergangene Woche monothematisch daher kam, steigt die Themenvielfalt die Woche wieder an. Einen passenden Nachtrag [...]

  • [...] Im März berichteten wir über eine Studie des Forschungsinstituts TOPOS im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung über Gentrifizierung in Neukölln (gibts hier als pdf). Kernaussage: In Neukölln ist bisher trotz steigender Mieten noch keine Gentrifizierung im wissenschaftlichen Sinn zu erkennen. Dieser Studie hat sich nun auch der Blog NK44, der sich vor allem mit dem Thema Gentrifizierung im Schillerkiez beschäftigt, angenommen. In dem Beitrag Pioniere im Schillerkiez wird kritisiert, dass die Studie einen falschen Eindruck vermittle, da die Mieten gerade im Schillerkiez besonders stark ansteigen. Viele Bewohner, die auf Hartz4 angewiesen sind, würden deshalb bald Probleme bekommen, wenn der maximale Beitrag zu den Kosten der Unterkunft (KdU) nicht mehr für ihre Miete ausreicht. Den betroffenen Bewohnern bliebe dann nur noch die Option, aus ihrem Regelsatz die Differenz zu begleichen oder sich eine neue Wohnung zu suchen. [...]

  • [...] weiteres großes Thema in diesem Jahr war die Diskussion um Gentrifizierung: Eine wissenschaftliche Studie im Auftrag der Senatsverwaltung sah Neukölln noch wenig gefährdet, im Schillerkiez führte [...]