von am 11. März 2016

wochenschau_10-16_bigImmer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlungen fürs Wochenende.

Aus dem Leben eines Immobilien-Hotspots, Kapitel 2531: Die deutsch-österreichische BUWOG-Group hat sich ein 56.000 qm großes Areal am Mariendorfer Weg gesichert. Mehr als 560 freifinanzierte Miet- und Eigentumswohnungen sind geplant. Investitionsvolumen: 183 Millionen Euro.

„Wir freuen uns auf eine weitere Quartiersentwicklung im angesagten Trendbezirk Neukölln. Ziel ist es, mit einem vielfältigen Wohnungsmix eine breite urbane Zielgruppe anzusprechen.“

Wie „breit“ diese Zielgruppe tatsächlich wird, ist noch unklar (Hasenheide ist zum Glück nicht weit!). Zumindest zahlungskräftig sollte sie sein. Ach, und so soll das urbane Glück für die „breite“ Zielgruppe dann aussehen:

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Modell für die Bebauung am Mariendorfer Weg. (Quelle: screenshot kowii.de)

Neukölln, wir haben ein Problem(viertel): Die B.Z. hat (ausnahmsweise?) recherchiert und ein neues Problemviertel in Neukölln ausgemacht: Nördlich der Sonnenallee im sogenannten Schulenburg-Viertel. Dort gibt es hohe Arbeitslosigkeit, hohe Kriminalitätsrate, viele Migranten, viele radikale Salafisten und keine Jugendangebote. Vize-Bürgermeister Falko Liecke (CDU) ist alarmiert, will das Quartiersmanagement ausweiten und Gelder für Förderprogramme einsammeln, um Nachbarschaftsfeste und Bildungsinitiativen anzuschieben. Liecke geht also auf die Menschen zu.

Mal was Neues. Denn im Januar hatte der selbsternannte Bürgermeister in spe im Berliner Kurier und in der Huffington Post noch allzu forsche AfD-Töne in Bezug auf kriminelle Ausländer angeschlagen:

„In diesem Sinne ist es auch richtig, kriminelle Asylbewerber und Ausländer auszuweisen. Die Hürden für eine Ausweisung müssen gesenkt und Abschiebungen konsequent durchgeführt werden. Das muss schnellstmöglich passieren (…)“

Die Wähler sind verwirrt: Was denn jetzt, Liecke? Nachbarschaftsfeste, Sozialprogramme und Integration oder doch lieber konsequente Ausweisungen und Abschiebungen? Bis zur Wahl sollte die Entscheidung gefallen sein.

Sauberwoman: Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hat der illegalen Müllentsorgung auf Neuköllns Straßen den Kampf angesagt. Ihre neue Kampagne soll’s richten. Auf schoen-wie-wir.de können Neuköllner Bilder posten, wie sie den Dreck wegmachen und damit ihren Kiez verschönern. Spitzenidee! Der Bezirk bekommt Sauberkeit, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Es lebe das zivilgesellschaftliche Engagement! Aber nicht alles ist erwünscht. Merke: Baumscheiben, die den Reuterkiez schöner machen, werden vom Bezirk radikal entfernt. Und: Noch lässt die Partizipation etwas zu wünschen übrig…

Weihnachtsdekoration 2015 trifft auf Weihnachtsgeschenk 1995 #neukölln #berlin #streetart

Ein von Mathias Hilner (@hillilope) gepostetes Foto am

Die Jugendrichterin und ihr Platz: Am heutigen Freitag wird ein Platz an der Kreuzung Emser Straße, Kirchhof- und Siegfriedstraße nach der Jugendrichterin Kirsten Heisig benannt. Heisig, die sich 2010 das Leben nahm, steht für das „Neuköllner Modell“, das der schnelleren Bestrafung bei Taten dient, die mit maximal vier Wochen Arrest geahndet werden. Ihr Platz wird alle Intensivtäter daran erinnern.

And the Grimme goes to… Weltrecorder! Ein Team junger Regisseure und Producer, die aus Neukölln kommen und Konzepte und Formate für Web und TV entwickeln. Den Grimmepreis gab’s für die Beteiligung an der rbb-Arte-Produktion Streetphilosophy. Glückwunsch!

And the Berliner Frauenpreis goes to… Gabriele Heinemann! Die Neuköllnerin hat den Preis für ihr Engagement als Leiterin eines Mädchentreffs bekommen. Sie ist Migbegründerin des Vereins „MaDonna Mädchenkult.Ur e.V.“ Auch hier: Glückwunsch!

Raus I: Im Sameheads am Richardplatz gibt es heute Shameless/Limitless mit feinstem Electro aus Kanada von Project Pablo und Bluntman Deejay aka House Of Doors. Beginn: 23 Uhr.

Raus II: Bis zum 14. März läuft noch die Berlin Feminist Filmweek. Spielorte sind u.a. auch das SchwuZ und das Alaska in der Reuterstraße.

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5 Kommentare:

  • Bla sagt:

    Wo genau ist der Widerspruch zwischen „Gelder für Förderprogramme einsammeln, um Nachbarschaftsfeste und Bildungsinitiativen anzuschieben“ und „kriminelle Asylbewerber und Ausländer auszuweisen“?

    Hier Gegensätze zu konstruieren wirkt sehr gewollt. Manchmal ist komisch.

  • Fabian Friedmann sagt:

    Hallo bla,

    ein gewisser Gegensatz in der politischen Ausrichtung ist hier sicherlich vorhanden. Liecke hat im Januar reflexartig nach den Vorkommnissen in der Kölner Silverstnacht darauf gepocht, kriminielle Ausländer, Asylbewerber und Migranten des Landes zu verweisen. Nun wirbt er in seinem Wahlkreis für Integrationsprojekte für jene Bevölkerungsgruppen, um an die Fördermittel für das Quartier zu kommen. Ein wenig opportunistisch ist das schon, findest du nicht? Gut, vielleicht ist es aber auch das „Zuckerbrot und Peitsche“-Modell eines Neuköllner Vize-Bürgermeisters. Die Zukunft wird es zeigen.

  • Bla sagt:

    Hallo Fabian,
    ich sehe das nicht so. Man kann ja das eine tun, ohne das andere zu lassen. Der Stadtrat fordert meines Wissens auch keine Integrationsprogramme für ausländische Straftäter, die ausgewiesen werden sollen. Es geht um Integration von Migranten im allgemeinen. Es sind eben nicht alle kriminell, will ich damit sagen.

    Ich finde es richtig, dass kriminelle Ausländer den geltenden Gesetzen gemäß ausgewiesen und – ganz wichtig – auch abgeschoben werden. Das heißt doch aber nicht, dass man die große Mehrheit der gesetzestreuen Migranten nicht bei der Integration unterstützen kann.

    Hier einen Gegensatz aufzumachen, erscheint mir etwas kurzsichtig.

  • Fabian Friedmann sagt:

    Einen straffällig gewordenen jungen Migranten oder Asylbewerber nicht integrieren zu wollen, sondern gleich nach dem ersten Vergehen abzuschieben und ihn ggf. von seiner Familie, seinem sozialen Umfeld gänzlich zu trennen, ist aber mit Verlaub auch etwas zu kurzfristig gedacht. Vielleicht magst du mir jetzt Sozialromantik unterstellen, aber hier wird einzig das Problem verlagert und nicht gelöst.

  • Bla sagt:

    Lieber Fabian Friedmann, hier hilft ein Blick ins Gesetz. Auch nach der Verschärfung des Ausweisungsrechtes geht es mitnichten um den Jugendlichen, der eine Packung Kaugummi klaut.

    Andersrum ist die Frage aber durchaus berechtigt: Warum jemanden integrieren, der seinen Unwillen durch eine erhebliche Straftat bereits bekundet hat? Integration geht nicht von oben verordnet, sondern da müssen beide Seiten mitmachen. Wer in ein fremdes Land geht und dort Straftaten begeht, den kann man schon einmal fragen, ob Integration denn wirklich das ist, was er will.

    Richtig ist: Die Mehrheit der Migranten und Flüchtlinge sind nicht kriminell. Und für diese Menschen Integration zu befördern ist nicht falsch, nur weil es ein CDU Mensch fordert. Genauso wenig wie es falsch ist, für die kriminelle Minderheit, die gesetztlich vorgehesehen Sanktionen einzufordern. Den Eindruck gewinnt man aber leider manchmal, wenn man sich hier auf dieser preisverdächtigen Seite rumtreibt.

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