von am 8. Januar 2016

wochenschau_1-16-2Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlungen fürs Wochenende.

Unser Glückskeksspruch 2016:
Abstand ist gut, die Neuköllner-Einarm-Technik ist besser

Trittbrettfahren ist der Politiker liebstes Tool zur Profilierung. Ein Thema, wo anders hochgejazzt, wird sich schnell zu eigen gemacht. Das geht einfach und fordert keine Sacharbeit. Dasselbe hat sich wohl Falko Liecke gedacht, als er im Blog der Huffington-Post zum aktuellen Hot-Topic „Seximusdebatte Köln“ einen Beitrag veröffentlichte. Der Spitzenkandidat der CDU-Neukölln für die diesjährigen Bürgermeisterwahlen hätte es lieber sein gelassen.

Herausgekommen ist ein schwülstiges Agro-Pamphlet gegen so genannte Ablehner „unserer Werte“. Das sind natürlich die üblichen Neukölln-Testimonials: der arabische Brutalo-Patriarch und sein Harem aus dumm gehaltenen Gebärmaschinen. Lieckes Machwerk ist im Feinsten Pegidadeutsch gehalten. Eine Kostprobe: „Nicht selten ist zu diesem Zeitpunkt unter der Vollverschleierung schon das nächste Kind unterwegs“. Am Schluss kommt der übliche „Hart durchgreifen“-Erguss –  substanzielle Ideen zur Bekämpfung des Sexismus in unserer Gesellschaft? Keine. Unser Tipp an Falko Liecke und CDU: Fangt doch mal im Kleinen an und bringt erstmal eurem Nachwuchs bei, was Respekt vor Frauen bedeutet. Offensichtlich besteht hier noch immenser Nachholbedarf, siehe unten:

Es tut so weh. Das Gezänk um Flüchtlingsunterkünfte auf dem Tempelhofer Feld aktivierte Ende 2015 bei den Berliner Parteien mehr politisches Engagement als die Refugee-Problematik an sich. Das Ergebnis: Eine Abstimmung über eine Änderung des Tempehofgesetzes für Bauten auf dem T-Feld kommt nicht vor Mitte Februar ins Landesparlament. Statt einer umfangreichen Notbebauung und Wärmezelten, will der Senat laut taz jetzt nur noch zwei kleiner Außenflächen rechts und links neben dem Flughafengebäude für Refugee-Unterkünfte (Details dazu hat die Berliner Zeitung). Um die Stimmungslage des Volkes zu dieser Mini-Lösung auszuloten, soll es Ende Januar noch eine Bürgerversammlung geben. Mit 100% Tempelhofer Feld, denen wohl auch dieser Kompromiss zu weit geht, wird der Senat sogar gesondert sprechen. Ursprünglich wollte der Senat eine Gesetzesänderung für die Maximallösung bis zum 10. Dezember 2015 haben. Das Kompromisschen, was sich hier andeutet, bezeichnet der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz laut taz als „Sternstunde des Parlaments“. Seine Sicht der Dinge: Fraktionsübergreifend hätten sich die Abgeordneten vom Senat nicht zum Abnickverein degradieren lassen, sondern das Thema kompromissfähig diskutiert. Schön zu sehen, wie handlungsfähig Politik sein kann, wenn es um die eigenen politischen Pfründe und Erfolge geht. Derweilen stümpert die unfähige Berliner Verwaltung in Sachen Flüchtlingsunterbringung weiter vor sich her, frieren die Flüchtlinge in der Kälte. Eine echte „Sternstunde des Parlaments“ wäre es, würde das Abgeordnetenhaus in geschlossener Aktion hier effektive Soformaßnahmen und Reformen gegen Senat und Verwaltung durchsetzen.

Aufreger der Woche laut Klickzahlen-und-Kommentar-Empirie: unser Beitrag „Vom Ende eines Trendbezirks“. Wer jetzt rockt sind Köln-Kalk und Hamburg-Wilhelmsburg, nicht mehr Neukölln. Wir sind erleichtert, aber lest selbst.

Natürliches Verhalten

Emser Ecke Hermann. Hier wähnte sich Spiegel TV am Hotspot der Neuköllner Sylvester-Festivitäten und machte einen „So-feiern-also-die-Barbaren“-Beitrag daraus.

Hinhören wer mag: Chefredakteurin Regina heute um 11.10 Uhr auf Flux FM zur Gentrifizierung in Neukölln.

Raus I. Ein Mittagsssen im Vatikan gefällig? Dann am Freitag, dem 8. Januar, zur Premiere des neuesten „SuKultur“-Buches (die Automatenheftchen in Berliner U-Bahnhöfen in Reclam-Tarn-Look) im Ori, Friedelstraße 8 ab 20 Uhr.

Raus II.  Yoga dir einen in „Shivas Cave“ von Dharma Yoga – am Samstag, dem 9. Januar ist Eröffnung von 12 Uhr bis Open End – mit kostenlosen Kursen, Essen und Mucke – unter anderem ist Zola an den Turntables, ab 20 Uhr.

Raus III. Wer Lust auf drei Tage wach hat: Cocktail d’Amore XXL in der Griessmühle – geht los am Freitag, dem 7. Januar und endet Montag, 11. Januar. Unter anderem mit dem feinen Sound von Mozghan’s:

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3 Kommentare:

  • Bla sagt:

    Nun mag man ja von den Vorkommnissen in Köln und dem Integrationseifer einiger Einwohner*innen in Neukölln halten was man möchte. Euer Kommentar zu dem Beitrag des Stadtrates ist aber einigermaßen mittelmäßig. Ist das noch Journalismus, oder schon Meinungsbukkake?

    Journalisten setzen sich sachlich mit Beiträgen auseinander, das kann ich hier leider nicht erkennen. Wenn ich so etwas lesen mag, kann ich mir auch den AntiFa Twitter Account reinziehen. Schade drum.

  • Björn Müller sagt:

    Hi Bla,

    keine Sorge. Unsere Kritik ist belegt mit Textverweis nebst Bildmaterial; am Ende sogar garniert mit einer konstruktiven Empfehlung – du hast es hier also mit Journalismus zu tun. Die Meinungsäußerung mittels dieser Gruppensexpraktik müsstest du bitte erläutern; wir kriegen das nicht zusammen. Lass es dir gut gehen – Björn / Redaktion neukoellner.net

  • Bla sagt:

    Eine Quellenangabe als Gipfel der journalistischen Sorgpfaltspflicht und Sachlichkeit? Rly?

    „Pegidadeutsch“, „schwülstig“, „Agro-Pamphlet“, garniert mit einer unfassbaren Relativierung massenhafter sexualisierter Gewalt gegen Frauen durch die Gleichsetzung von Werbekampagnen. Man mag von halbnackten Frauen oder Männern in der Werbung halten was man will – aus eurem Beitrag spricht weder Objektivität noch Sachlichkeit, sondern politische Agitation. Wie gesagt, die AntiFa lässt grüßen.

    Nunja, ich habe vielleicht ein zu wenig hippes Bild von Journalismus. Ihr macht das schon so, wie ihr denkt.

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