von am 13. März 2017
Schabatz & Rabatz

Foto: Schabatz & Rabatz

Musik ist kein Selbstzweck, sondern Mittel für geniale Feierei – nach diesem Credo bauen Jonas Posselt und Andreas Flitsch alias Schabatz & Rabatz ihre Elektro-Mixes und bringen sie auf Berliner Tanzböden, von der Rummels Bucht bis in Neuköllns Keller Club. Der Neuköllner Jonas Posselt über ein Schabatz-Rabatz-Mixtape, das beim Arbeiten genauso helfen soll wie beim Tanzbein schwingen.

Neuköllnkassette #9: Schabatz & Rabatz by neukoellner.net on hearthis.at

neukoellner.net: Was ist der rote Faden bei eurem Neukölln-Tape?
Jonas Posselt: Es gibt keinen roten Faden, den findet man in Neukölln ja auch nicht, höchstens ein Knäuel an Lebensentwürfen. Unser Mixtape hat keine dominante Linie, sondern soll so facettenreich sein wie der Bezirk. Los geht’s mit „Neukölln“ von Bowie, als Reminiszenz an den Meister der Wandlungsfähigkeit. Dann wird es techhousiger und nimmt Tempo auf in Richtung Abfahrt-Mix fürs Wochenende. Ich glaube, es gibt Neuköllner, die können unseren Mix zum Arbeiten nutzen, andere zum Reinkommen ins Wochenende. Hier findet jeder was für sich.

Stichwort „finden“. Wie kamen Schabatz & Rabatz zusammen?
Wir hätten uns fast nicht kennengelernt. Meine Wenigkeit wohnte zu der Zeit in einer Siebener-Wohngemeinschaft in der Flughafenstraße. Wir waren so eine Truppe, wo ein WG-Plenum auch mal vier Stunden dauern konnte. Andreas war der Freund einer WG-Mitbewohnerin und ich hatte zunächst wenig Interesse an einem WG-Pärchen. Im Laufe der Zeit entdeckten wir dann aber, wie viel Spaß wir daran hatten, gemeinsam feiern zu gehen und bastelten dann an ersten Sets. Das war 2011.

Dann habt ihr euch um Auftrittsmöglichkeiten in Bars und Clubs bemüht?
Nein, wir hatten mehr Lust auf entspanntes Feiern mit Freunden. Mit Gleichgesinnten sind dann die „Moorgeister“ entstanden, ein Party-Kollektiv. Da haben wir in der Vergangenheit mit so 100-400 Leuten in der Berliner Peripherie kleine kostenlose Open Airs organisiert, wo wir dann auch aufgelegt haben. Zu unserem ersten Auftritt kamen wir allerdings über eine Selbstüberschätzung meinerseits.

Okay. Bitte mehr zu dem Fauxpax…
Unsere Fähigkeiten am Mischpult waren damals noch sehr unterentwickelt. Bei einem alkoholreichen Kartenabend vor fünf Jahren behauptet ich, dass wir DJs wären. Kurze Zeit später rief einer der Teilnehmer an und fragte, ob wir nicht seine DJ-Schicht in der Walther Bar, Wrangelkiez, übernehmen könnten, er sei krank. Da konnte ich schlecht absagen und Andreas zog zum Glück mit. In der Folge waren wir regelmäßig in der Veranstaltungsreihe „Elektrischer Walther“ dabei. Im Oktober 2011 folgte ähnlich verpeilt der erste Auftritt in unserem Herzensclub, der Rummels Bucht. Damals hatten unsere Sets aber auch noch einen anderen Sound als das, was wir heute spielen. Wir sind da irgendwie reingerutscht. Mittlweile spielen wir  unregelmäßig irgendwo, nicht zuletzt mit unserem neuen Kollektiv „Grenzenlos“.

Eure Meinung zur Clubscene der Hauptstadt?
Es gibt natürlich unglaublich viel unterschiedliche Angebote, vom Sound her war der Trend jetzt längere Zeit „Ketahouse“, wobei sich das auch ständig verändert und die musikalische Entwicklung wieder härter wird. Mit diesen ultraentschleunigten, psychodelischen Klangteppichen konnten wir musikalisch nicht so viel anfangen. Wir spielen da gerne auch eine schnellere Gangart, wie auf dem Neukölln-Tape. Aber wir gehen zum Auflegen und Feiern in Clubs, weil wir wissen, da sind Leute, mit denen wir gerne Zeit verbringen. Die Musik selber muss sich den sozialen Anforderungen anpassen. Als sich Techno und House in Detroit und Chicago entwickelten, war die Szene schwul, schwarz und stand im Widerspruch zu den Normen der Gesellschaft. Heute haben wir Verhältnisse, die von weißen, heterosexuellen Männern dominiert werden. Die schieben sich gegenseitig die Bookings hin und her, denken vielfach kommerzieller und sind von politischem Widerstand weit entfernt.

Was dagegen unternehmen?
Fantasievoller werden, vom Sound, von der Ausrichtung von den Leuten. Wir halten nichts von festen Grenzen, nicht im Kopf, nicht auf der Landkarte und nicht im Sound.Weniger Berlin kann auch sinnvoll sein. Öfter raus fahren oder die „Provinz“ reinholen macht hier Sinn. Rostock und Bremen sind gut dabei, aber es gibt natürlich überall fähige Künstler, die zur Technokultur etwas beizutragen haben. Rafaele Castiglione aus Erlangen, Verschnibbt & Zugenäht aus Greifswald, Natalie Luengo aus Leipzig oder Paul Valentin aus Köln, um nur ein Paar zu nennen. Letzteren haben wir auch auf der NK-Kasette versteckt.

Alles was das Ohr begehrt: Die Soundcloudseite von Schabatz & Rabatz.

Die Neuköllnkassette #9 ist erstmals am 22. März 2016 auf neukoellner.net erschienen. Der nächste Neuköllner Gig des Duos steigt am 20. April mit dem Grenzenlos Kollektiv im Keller

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