von am 11. März 2015

John Barry am Bass

Seit er sechzehn ist, spielt John Clifford Barry den Blues. Später jammte der Neuköllner aus Britannien mit Mick Taylor und Ian McLagan als Bassist von Nikki Sudden. Der Blues blieb dabei Barrys große Liebe. Die packt er nun in eine Finest-Selection auf unsere Neuköllnkassette #4.

neukoellner.net: John, was macht dein Mixtape aus?
John Clifford Barry: Ich will die Geschichte meiner Liebe zur schwarzen Musik erzählen. Deswegen fängt die Liste auch mit einem echten alten Blues an: „Stack ,O‘ Lee Blues“ von Mississippi John Hurt. Der Song war auf einer meiner ersten Platten namens „The Story of The Blues“. Die Stimmen der Sänger zogen mich in ihren Bann. Sie klangen wie aus einer anderen Welt. Da war ich vierzehn und sofort in den Blues verliebt.

Du bist in Norwich in England groß geworden und hast den dortigen Blues-Boom der 1960er Jahre miterlebt…
…leider nein. Da ich Jahrgang 56 bin, war ich noch zu jung. Schade, denn Alexis Korner, den heute wahrscheinlich keiner mehr kennt, Jeff Beck oder Eric Clapton gründeten damals die ersten Bluesbands in England – alles Faszinierende Musiker.

Wie beeinflusst dieser frühe Blues die weiteren Bands deiner Tracklist?
Dieser Blues-Sound war sehr prägend. Rockbands wie Free und The Faces waren anfänglich reine Blues-Bands. Das hat sich sehr stark im Gesang verankert. Rod Stewart, der Frontman der Faces, sang zu Beginn seiner Karriere den Blues. Er versuchte wie ein Schwarzer zu klingen, indem er die Blues-Sänger imitierte, was ihm nicht gelang. Ganz im Gegensatz zu dem ebenfalls auf meiner Liste platzierten Frankie Miller aus Glasgow. Ein kleiner Schotte, der fast genauso wie Otis Redding klingt. Unfassbar, dass er das hinbekommen hat!

Deine Auswahl bietet aber nicht nur Blues, sondern auch Funk…
…unbedingt, denn die Geschichte des Blues ging natürlich weiter. Funk und die spätere Disco Musik stammen alle vom Blues ab.

Was hat sich deiner Meinung nach in der Musik geändert, im Vergleich zu früher?
Ich will nicht wie ein alter Mann klingen, aber damals war die Musik handgemacht. Popmusik ist heute meist mit dem Computer produziert. Darüber wird dann der Gesang gelegt. Früher spielten die Künstler den Song komplett mit Instrumenten ein. Als Fan konnte man sich darüber unterhalten, wer sein Lieblingsschlagzeuger ist oder wer auf einem Lied  die Mandoline spielte. Das ist heute nicht komplett verschwunden, aber man kann sich nicht in eine Kneipe setzen und fragen: „Weißt du wer den Song einprogrammiert hat?“ – Es ist einfach nicht das Gleiche.

Wie lange machst du schon Musik?
Mit sechzehn kaufte ich mir meine erste Gitarre. Darauf lernte ich zuerst Blues. Zu dieser Zeit habe ich auch angefangen eigene Stücke zu schreiben. Mit einem Kumpel trat ich dann in Pubs oder Folk Nights auf.

Auf dem Mixtape hört man dich unter anderem als Bassist bei Transfigured Night und der Sunny Jim Band. Aber du singst auch den Song Secret of My Failure, welcher aus deiner Feder stammt. Wovon handelt der?
„Secret of My Failure“ ist eine Hommage an die Faces. Als Teenie kaufte ich ihre Single „Stay with me“ und hörte diese ständig. Mein Vater meinte dann: „Wenn du dieses Lied noch einmal in meinem Haus spielst, schmeiß ich dich raus!“ Da dachte ich: wow! Dieses kleine Stück Kunststoff hat so eine Macht, so eine Wirkung! Das war meine Entscheidung, Musiker zu werden. Jahre später gab es dann ein Erlebnis, wo ich mir sagte – Jetzt bist du am Ziel angekommen.

Jetzt sind wir neugierig. Was passierte damals?
Ich jammte bei einer Session mit Ian McLagan, dem Keyboarder der Faces. Zu Beginn spielten wir ein kleines Stück, um zu schauen, wie es läuft. Am Ende des Liedes legte ich einen kleinen Basslauf hin und er drehte sich um und fragte: „John? Soll ich das nachspielen?“ Da erinnerte ich mich an meinen Vater. Das war schließlich der gleiche Typ, wie auf der Platte, die ich damals nach Hause brachte. Da saß ich nun und jammte mit ihm zusammen. Leider ist Ian im letzten Jahr gestorben.

Sind aus der Session mit Ian McLagan deine Stücke entstanden?
Nein. Damals nahm ich mit Nikki Sudden „Treasure Island“ auf. Nikki lud ein paar Gäste ein, unter anderem Ian und Mick Taylor von den Stones.

Auf „Treasure Island“ spielst du Bass?
Ja, ich war sieben Jahre lang, bis zu seinem Tod, Nikki Suddens Bassist.

Ebenfalls auf deiner Playlist sind die Rolling Stones mit „Casino Boogie“. Hat das einen besonderen Grund?
Mit den Stones verbindet mich die Liebe zur schwarzen Musik. Sie coverten Motown Songs, nahmen Soulstücke auf und spielten mit schwarzen Musikern. Mein Vater bezeichnete die Stones damals als Tiere und wollte damit nicht zum Ausdruck bringen, dass sie tierisch gut waren. Er sagte: „Die Stones sind ein vorübergehender Trend. In ein paar Jahren gibt es die nicht mehr.“ Aber er ist schon längst tot und die Stones gibt es immer noch.

Apropos: John Clifford Barry ist nicht nur Neuköllner Musiker, sondern auch malender Künstler – unser Beitrag dazu.

Tracklist:

1. Mississippi John Hurt: Stack O Lee Blues
2. Rolling Stones: Casino Boogie
3. Free: Come Together in the Morning
4. Nikki Sudden & the Last Bandits: Kitchen Blues (feat. Mick Taylor)*
5. John Martyn: May You Never
6. The Meters: It Ain ́t No Use
7. The Faces: Miss Judy ́s Farm
8. Flathead: Secret Of My Failure**
9. Gladys Knight: For Once In My Life
10. Jeff Beck: `Cos We Parted As Lovers
11. Transfigured Night: Voice Of Burden*
12. Sunny Jim Band: Sharpeville***
13.Frankie Miller: Take Good Care Of Yourself
14.Motown Lovers: I Feel Good (James Brown Cover)*
15.Gladys Knight & The Pips: No One Can Love You More

* John am Bass
** John am Bass / Gesang / Lyrics
*** John am Bass/ Lyrics

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