von am 1. Januar 2013

*(„Auf so was Bürgerliches wie Titel kann ich verzichten.”) Ein Gedicht zum Jahresbeginn von Philipp Lorenz. Frohes Neues!

8 De-Mark pro Quadratmeter

Leicht war das Leben rund ums Feld
Als Jüngling im letzten Jahrtausend
Mit dem Donnern des ersten Flugzeugs
Das morgens über die Dächer karjohlte
Sprang man aus dem Bett
Dann hieß es: Arbeiten und Lernen
Reis und Nudeln schmeckten köstlich
Ebenso die bald dreißig, bald vierzig Zichten
(Selbstgedrehte zumeist)
Und kam man abends heim, hieß es:
„Jetzt wird gefeiert!“

* * *

Die Jahre geh’n
Das Alter kommt
Nur subjektiv verfrüht
Die Haare grau
Die Stimmung mau
Der Körper langsam müd’.

9 Euro 50 pro Quadratmeter

„Darf ich hier noch zu Hause sein?“
Frage ich schüchtern die
denen die Häuser gehören.
(Die Wohnhäuser,
Die Kauf- und Bankhäuser,
Die Rundfunk und Verlagshäuser,
Die Rathäuser nicht zuletzt).

Sie antworten:
„Gern darfst du hier zu Hause sein,
wenn du dich an die Regeln hältst:
1. Werd ständig härter, schneller
und gescheiter,
Kurz: Änd’re dich in einem fort,
damit du herausstichst,
Doch bleibe dabei stets du selbst,
Kurz: Bleibe immer gleich,
damit wir dich erkennen.
2. Sei fromm und achte Recht und Ordnung,
Wir wollen schließlich keinen Ärger,
Doch sei zugleich für uns zu jeder Tat,
Und sei es eine Schandtat,
Stets bereit.
3. Schaff‘ für uns vierzig, fünfzig,
sechzig Stunden,
Dann bist du frei und kannst tun,
was du willst.
Doch schlag nie zu sehr über die Stränge.
Wir brauchen dich erholt am
nächsten Morgen.“

* * *

Ich kam vor Jahr’n
Soll ich jetzt gehn?
Ich bliebe gern
Doch scheint es mir
Als zahlte man für dieses Recht
Mit mehr als nur mit Geld
Ich grüble, weiß nicht ein noch aus
Ich bin hier immerhin zu Haus!
Zu Hause hier am Feld.

— von Philipp Lorenz

 

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