von am 24. Mai 2014

THF_O_1Beipackzettel zum Volksentscheid: Konträr zu den Gesetzesentwürfen und angehängter Propaganda von beiden Seiten in den letzten Wochen lässt der Stimmzettel zur Abstimmung über die Zukunft des Tempelhofer Felds am Sonntag eine Wahl mit Alternativen zu. Aber Obacht: Wer nicht aufpasst, macht sein Kreuz beim falschen Gesetzesentwurf.

Wie jeder Berliner habe ich jetzt die Wahl: Ich kann ja sagen zum „Gesetz zum Erhalt der Freifläche des Tempelhofer Feldes“ oder ja sagen zum „Gesetz zum Erhalt des Tempelhofer Feldes“. Klingt erstmal gleich, isses aber nicht.

Wahltip No 1: Nicht die Gesetzesentwürfe verwechseln!

Wer eine teilweise Bebauung sinnvoll findet, entsprechend den Plänen des Senats (hier interaktiv aufbereitet), stimmt für Variante 2. Wer dafür ist, dass alles genau so bleibt, wie es ist, schenkt sein jder Initiative 100 % Tempelhofer Feld  (Variante 1).  Oder anders: Auf dem Stimmzettel steht an oberer Stelle der Entwurf von 100%thf, darunter der Vorschlag des Senats.

Da geht mehr: 2 Stimmen, 1 Meinung

Der Stimmzettel bietet vier Stellen fürs Kreuz: Ich kann zu jedem der Entwürfe JA oder NEIN sagen – macht 4 Wahlvarianten.

Pro-Tip No. 2 für Konfuse & Party-Apotheken-Konsumenten: Wer direkt vom Feiern in die Wahlkabine geht, druckt sich seinen Musterwahlzettel vielleicht sicherheitshalber mit den Kreuzen an der richtigen Stelle aus.

Von basta bis mir-doch-egal: Die 4 Ankreuzvarianten & ihr Effekt

THF_Wahl_1

JA / NEIN: Ja zum Erhalt des Feldes und nein zum Senatsvorschlag : Vermutlich der Klassiker unter der uns geneigten Leserschaft. Heißt: Alles soll so bleiben wie es ist, ein Grundsatznein für jede Veränderung des Ist-Zustandes.

Effekt: Basta.

THF_Wahl_2

NEIN /JA: Für Wowereit-Fanboys (die gabs ja mal), Wohnungssuchende, Investoren: Wem die Initiative als ein Haufen „Hauptsache-Dagegen“-Typen missfällt, gibt oben ein nein ab und unten sein ja.

Effekt: Eine Teilbebauung am Rand des Feldes, Luxus- und Sozialwohnungen und das ganze andere PiPaPo – der Großteil der Fläche (rund 230 von insgesamt 300 Hektar) bleibt aber, entgegen der Vorstellung vieler, frei (Karte: So viel Fläche bleibt frei). 

THF_Wahl_3

NEIN / NEIN. Die Alles-doof-Variante für Protestwähler, Zeichensetzer, Trolle: Eine Abfuhr an beide Seiten.

Effekt: Bitte nochmal alle auf Los. Was sinnvolles wäre doch schön! Hat aber nur symbolischen Wert!

THF_Wahl_4Der Joker: JA / JA. Für Ja-Sager und Entscheidungsunfähige die beste Wahl.

Effekt: Möööp. Kann man auch gleich im Bett bleiben, deshalb: nicht empfehlenswert. Außer zu Europa hast du ne dezidiertere Meinung. Dann mach ruhig.

Geheimnisverrat: Warum ich mich für die Troll-Variante entschieden habe

Es ist schon erstaunlich: Im Gespräch mit Menschen aus meinem Umfeld wird schon gar nicht mehr gefragt, ob ich weiß, welchem Gesetzesentwurf ich zustimmen werde. Die erwartete Haltung wird dir stattdessen zum Abnicken vorgekaut: „Du stimmst am Sonntag doch auch für den Erhalt des Feldes, oder?“ Und jetzt bitte nicht falsch antworten. Tu ich dann aber.

Die Reaktion ist immer dieselbe: Große Augen, die mich verständnislos anstarren. „Was, du?“ und „Wie kannst du nur? Das Feld ist einmalig!“ Ich stimme trotzdem mit nein – für beide Vorschläge. Weil mir die Kommunikation der Initiativen-Leute zu oft negativ aufgefallen ist und mich fragen ließ: Um was geht es euch eigentlich? Wollt ihr wirklich dieses schöne Stück Brache retten? Ich finde, damit macht man es sich zu einfach. Ja, das Feld ist wundervoll. Aber: Es ist auch ziemlich groß. Der Schrei nach dem „Feld für alle“ ist kurzsichtig und ignorant und oft schien es mir, als fechten die Initiativen-Leute und ihre Anhänger einen Wir-gegen-die-da-oben-im-Senat-Kampf aus. Das löst aber keine Probleme. Zum Beispiel den Fakt, dass der viel zu enge Schillerkiez seit der Feldöffnung einem massiven Gentrifizierungsdruck ausgesetzt ist. Dass den Schulen und Kindern dort Sportplätze fehlen – und bezahlbarer Wohnraum.

Das Problem: Der Masterplan des Senats schafft keine Abhilfe für die drängenden Probleme und nutzt die Chance der neuen Möglichkeiten durch die riesige Freifläche nicht sinnvoll aus. Zu befürchten sind ein neues Planungs- und Finanzierungschaos und am Ende profitieren die Wohlhabenden, die Investoren, die Falschen. Ich mag keinen Wall, ich mag keine milliardenschwere Prestige-Bibliothek.

Wahlempfehlung: Nein / Nein. Neukölln braucht Wohnungen, Sportanlagen und nachhaltige Investitionen, die den hier Lebenden nutzen. Das geht nur im Dialog. Mit echter Teilhabe daran, was mit dem Feld passieren soll. Deshalb kann ich nur zweimal mit nein stimmen. Weil der Initiativen-Entwurf für die nächsten Jahre alles verhindert und ein Stillstandgebot doof ist. Denn erstmal dem Senat eine Absage erteilen und dann überlegen, was wir sinnvolles machen wollen (wie es z.B. das Promovideo der Piraten nahelegt ) – genau diese Möglichkeit ist bei dem Gesetzesentwurf der Initiative verbaut.

Mein Aufruf deshalb: eine Abfuhr an beide Seiten. Und dann nochmal auf Anfang: Lasst uns gemeinsam überlegen, wie wir unser liebgewonnenes Feld sinnvoll nutzen können, ohne es zu zerstören.

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4 Kommentare:

  • Robert Niedermeier sagt:

    Groß-Projekte, wie der vom Senat geplante, vergraben Millionen, die besser in die Infrastruktur und vor allem in dezentrale und von daher viel günstiger zu habenden Wohnungsbau-Projekte gesteckt werden sollten. http://reiserobby.de/volksentscheid-tempelhofer-feld-freiheit-statt-finanzdebakel/

  • Manticore sagt:

    Das Problem bei der Nein/Nein-Variante ist, dass sie nicht verhindert, das der Senat seine Baupläne einfach trotzdem umsetzt, mit der Begründung, dass die 100% THF-Initiative ja keine Mehrheit gefunden hätte.

    Sportanlagen sind außerdem, soweit sie nicht überbaut sind im 100%-THF-Vorschlage meines Wissens nach im Randbereich zugelassen.

  • Peter G. sagt:

    Netter Text, schlechter Stil.
    Besser: „nichts “ statt „nix“, „ist es“ statt „isses“, „Nr. 1“ statt „No. 1“? Wirkt seriöser.

    Zudem ist es schlicht falsch, dass es nur vier Möglichkeiten der Wahl gibt. Man hat ja noch die Möglichkeit einer ungültigen Wahl (sprich ein- bis zweimal kein Kreuz setzen).

    Der Ausdruck „Möööp“ geht gar nicht.

    Ach und seit wann rufen Journalisten zu etwas auf (letzter Absatz)? Das ist Beeinflussung.

  • Nikolaus sagt:

    Ich schwöre nicht drauf, würde aber empfehlen den Artikel nach zu recherchieren: An sich braucht der Senat gar kein Gesetz für die Bebauung. Der Masterplan ist schon beschlossen, d.h. nein/nein führt zum Masterplan, nur dass die Innenfläche nicht geschützt ist und später bebaut werden kann.
    Enthaltung macht übrigens auch einen ziemlichen Unterschied, denn beide brauchen das Quorum und gestern war CL, Wetter gut, Sonntag etc…

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