von am 9. März 2015

15159356029_8cd8be8810_kDer hitzigen Debatte um die Zukunft des Tempelhofer Feldes folgt mäßiges Interesse an der partizipativen Erstellung eines Entwicklungs- und Pflegeplans. Noch bis zum 14.3. können auf einer Online-Plattform Ideen eingebracht und diskutiert werden.

Text: Mareike Ahrens, Foto: Flickr/diversey (CC-Lizenz BY-SA 2.0)

Am 25.05.2014 setzten 738.000 Berlinerinnen und Berliner, 64,3 % der Wahlbeteiligten, mit ihrer Stimme für das Volksbegehren „100 % Tempelhofer Feld“ und gegen die Bebauungspläne des Berliner Senats ein Zeichen für mehr Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung. „Neubauten, Aufschüttungen, Abgrabungen, (Teil-)Privatisierungen, Camping, Zäune“ – laut Gesetz zum Erhalt des Tempelhofer Feldes (THF-Gesetz) sind diese Veränderungen auf der Freifläche in Zukunft verboten. Stattdessen heißt es: „Chillen und Grillen“, auch Sport- und Ballspiele, sanitäre Anlagen, mobile Parkbänke und Gastronomieeinrichtungen sind erlaubt.

Mit dem Erfolg der Initiative ist das Thema Tempelhof jedoch nicht vom Tisch. Anfang des Jahres ging die Bürgerbeteiligung in die zweite Runde. In einem Online-Forum der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt können Interessierte noch bis zum 14. März Ideen und Vorschläge für die Weiterentwicklung des Flughafenareals einbringen. Das Ziel: die gemeinschaftliche Erstellung eines Entwicklungs- und Pflegeplans, eine vom THF-Gesetz vorgesehene Maßnahme, die Pionierprojekte und kreative Formen der Flächennutzung unterstützen soll.

Mehrstufige Entscheidungsfindung

Das Verfahren gliedert sich in drei Stufen. Nach Abschluss der Ideensammlung im Online-Forum sollen in einer zweiten Phase bis Juli 2015 die Vorschläge aus dem Forum mit Offline-Ideen aus früheren Beteiligungsverfahren und Diskussionsveranstaltungen zusammengebracht und in Workshops diskutiert werden. In der letzten Phase, bis September 2015, soll schließlich ein Entwicklungs- und Pflegeplan erarbeitet werden.

Bürger und Bürgerinnen können ihre Vorschläge für verschiedene Nutzungskategorien einreichen: Erinnerung, Freizeit, Natur und Bewirtschaftung. Im Gegensatz zur mitunter hitzigen Debatte des Vorjahres halten sich Interesse und Beteiligung an der Diskussion jedoch in Grenzen und das Forum ist in der öffentlichen Debatte kaum präsent. Dennoch, so Organisator Tilman Heuser im Gespräch mit dem rbb, befänden sich unter den zur Zeit rund 150 Vorschlägen spannende Anstöße für die weitere Diskussion.

Von Kite-Schule bis Streichelzoo

So beschäftigen sich in der Kategorie Freizeit rund 60 Beiträge mit dem Ausbau der Sportmöglichkeiten, zum Beispiel durch die Einrichtung einer Kite-Schule oder eines Hindernisparcours. Naturfreunde wünschen sich mehr Raum für Obstbäume und urbane Gärten, sogar ein Streichelzoo wurde vorgeschlagen, und Geschichtsaffine planen die Aufbereitung der Geschichte des Feldes, zum Beispiel durch eine interaktive Führung per App. Für die Bewirtschaftung der Tempelhofer Freiheit werden Rohstoff-Toiletten angeregt, auch die Idee, alle Einrichtungen auf dem Feld mit erneuerbaren Energien zu versorgen, ist im Gespräch.

Doch nicht alle Vorschläge sind mit dem THF-Gesetz kompatibel – so dürfte zum Beispiel die Errichtung eines 1853 m hohen architektonisch-ökologischen Gebäudekomplexes mit dem Aufschüttungsverbot kollidieren. Hier zeigt sich eine Schwierigkeit der aktuellen Beteiligungsrunde. Eine gewisse Unsicherheit durchzieht die Forumsbeiträge: Was geht denn überhaupt? Und war nicht eigentlich entschieden, dass alles so bleibt? Während der Zwei-Kilometer-Turm recht offensichtlich nicht gesetzeskonform ist, gestaltet sich die Situation bei anderen Vorhaben schwieriger. Sportanlagen? Dürfen auf dem äußeren Wiesenring gebaut werden. Duschen und Umkleiden? Schon schwieriger. Der vielfach geforderte Badesee als Duschersatz? Nein – das Abgrabungsverbot.

Ist die schleppende Diskussion nun ein schlechtes Zeichen für die Bürgerbeteiligung? Nicht unbedingt. Einige Online-Beiträge deuten in eine andere Richtung: Mehrfach erklingt die Forderung, einfach alles so zu lassen, wie es ist. Vielleicht liegt der Reiz der Freifläche eben gerade in der Möglichkeit, Ideen ohne einen institutionellen Rahmen und einen bürokratisch anmutenden Entwicklungs- und Pflegeplan umzusetzen. Und vielleicht sieht man die aktive Bürgerbeteiligung am deutlichsten an einem sonnigen Tag direkt auf dem Tempelhofer Feld. Trotzdem kann man ja mal über Kompost-Toiletten und Kite-Schulen nachdenken. Nur der Turm, der kommt nicht.

Die Ideensammlung läuft noch bis Samstag, 14.3. unter www.tempelhofer-feld.berlin.de.

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