von am 19. März 2014

KiehlstegAm Montag berichteten wir über den drohenden Abriss des Kiehlstegs. Dazu gab es am Samstag eine Demonstration, zu der die Initiative „Kiehlsteg erhalten!“ aufgerufen hatte. 200 Menschen beteiligten sich daran. Der Aufreger bei der ganzen Sache: Die Öffentlichkeit wurde in keiner Weise darüber informiert, dass die Sanierung der Brücke zu teuer ist und sie daher entfernt werden soll. Das sind die Ereignisse im Überblick:

Sonntag, 16.3.

Die Initiative legt ein Sanierungskonzept vor und hat dafür ein unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben. Während der Senat die Kosten für die Sanierung bei 260.000 Euro veranschlagte, liegt die Schätzung des Gutachtens bei gerade einmal 25.000-30.000 Euro.

Montag, 17.3.

Die Abrissgegner versammeln sich im Morgengrauen auf der Brücke zu einer Besetzung zu einem Picknick. 120 Stunden wollen sie Wache halten. Nach einigen Stunden eine gute Nachricht:

Dienstag 18.3.

Entgegen der Versicherung des Senats am Tag zuvor, dass der Abriss aufgeschoben wird, rücken die Baufahrzeuge am Morgen an. Die Anwohner wollen die Brücke nicht kampflos aufgeben.

Die Demonstranten sollen die Brücke verlassen. Angeblich sind auch Leute aus der Senatsverwaltung vor Ort, die die Ereignisse beobachten. Es gibt keine Stellungnahme, warum nun doch mit dem Abriss begonnen wird. Die Polizei ist vor Ort und geht nicht zimperlich mit den Brückenschützern um.

Nachdem sogar einige Demonstranten weggetragen wurden, ist die Brücke mit Gittern abgesperrt und die Baufirma kann mit der Demontage beginnen. Der Kiehlsteg wird jedoch nicht sofort komplett abgerissen.

Das Vorgehen des Senats wird von allen Seiten stark kritisiert. Dazu ein Redakteur der Berliner Zeitung:

Er schreibt dazu einen Artikel, für den er auch mit dem Senat für Stadtentwicklung spricht. Über die Haltung der Behörde kann man nur den Kopf schütteln:

Dennoch zeigt der Vorgang, wie die Behörde von Senator Michael Müller (SPD) tickt. Ob man vor der Räumung versucht habe, mit der Initiative ins Gespräch zu kommen? „Wir können den Kollegen nicht zumuten, sich mit den Bürgern auseinanderzusetzen“, lautet die Antwort von Sprecherin Petra Rohland.

„Zuhören, vom Kiehlsteg bis nach Tempelhof“, Berliner Zeitung

Am Abend beruft die Initiative rasch ein Treffen ein, um das weitere Vorgehen zu planen.

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Mittwoch, 19.3.

Am Morgen übergibt die Initiative dem Senat eine Liste mit 500 Unterschriften von Anwohnern, die sich für den Erhalt des Kiehlstegs aussprechen. Die Behörde wird aufgefordert, endlich in einen Dialog mit den Bürgern zu treten. Tom Küstner, Pressesprecher der Initiative, ist besorgt über das Vorgehen des Bauunternehmens: „Die Konstruktion der Brücke enthält Blei. Es werden nicht ausreichend Schutzmaßnahmen getroffen, um eine Kontaminierung der Umwelt zu verhindern.“ Seine Einschätzung ist, dass der Senat den Abriss jetzt so schnell wie möglich über die Bühne bringen will, damit die Bürger keine Chance haben, ihn zu verhindern. Nächste Woche ist der Kiehlsteg auch Thema in der Bezirksverordnetenversammlung. Doch Tom Küstner vermutet, dass bis dahin nicht mehr viel von der Brücke übrig sein wird. „Dann können wir nur noch versuchen, den Kiehlsteg als Denkmal zu erhalten.“ Schließlich hat er historische Bedeutung: Vor der Wende war er die einzige Verbindung zwischen den beiden Ufern des Kanals, weil die Lohmühlenbrücke durch die Mauer nicht passierbar war.

 

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