von am 6. August 2013

Der Kündigungsbrief an die polnische Putzfrau Anka wurde deutschlandweit bekannt. Ein deutsches Ehepaar feuerte sie aufgrund putz-ethischer Bedenken. Nun hat Ramon Schack, der den Brief publizierte, ein Buch über Neukölln veröffentlicht. Die Putzfrau Anka kommt darin vor, ebenso eine ungesunde Besessenheit mit Heinz Buschkowsky.

Der aus dem dörflichen Norddeutschland stammende und, wie er auf mehreren Seiten betont, London-erfahrene Journalist Ramon Schack hat ein Buch veröffentlicht, das sich in seinem Titel auf das Buch „Neukölln ist überall“ von Heinz Buschkowsky bezieht. Es heißt „Neukölln ist nirgendwo“. Beide Titel sind gleichermaßen bescheuert, wobei man Buschkowsky zugute halten muss, dass er zuerst da war. Wie bei Buschkowsky hebt Ramon Schack sich selbst aufs Cover, wenn auch mit ein bisschen Karl-Marx-Straßen-Ambiente im Hintergrund.

Vor Veröffentlichung  hat das Buch bereits Furore gemacht, als ein Kündigungsbrief publiziert wurde, den ein deutsches Ehepaar seiner polnischen Putzfrau geschrieben hatte, die gerade von Schack begleitet wurde (auch uns war es nicht zu peinlich, darüber zu berichten). Das war eine gelungene PR-Aktion.

Und wie fanden Sie Buschkowskys Buch?

Ramon Schack gibt in dem Buch seine Sicht auf Neukölln wieder. Ähnlich einem Tagebuch, mit ein bisschen mehr Aufwand. Einen Großteil des Buches lässt er Neuköllner zu Wort kommen, die ihre Meinung zum Bezirk und dann jeweils am Ende des Protokolls etwas zu Heinz Buschkowskys Buch „Neukölln ist überall“ sagen. Letzteres vermutlich eine Voraussetzung, um als Gesprächspartner anerkannt zu werden. Das ist recht unspektakulär, spiegelt aber immerhin eine gewisse Vielfalt wieder, wo die Menschen Vorzüge und Nachteile des Bezirks erkennen. Am Anfang des Buches und immer mal wieder zwischendurch erzählt der Autor selbst über seine Erfahrungen, die sich aus einem Monat im Jahr 2003 und etwa drei Jahren, seit er wieder hergezogen ist, zusammensetzen.

Bemerkenswert ist dabei, mit welcher Arroganz Schack den Bewohnern Neuköllns gegenübertritt. Besonders hat er es auf die älteren, verarmten Neuköllner abgesehen, die in den Eckkneipen die Tristesse des Alltags wegsaufen oder sich in ihren miefigen Wohnungen vor der Außenwelt verbarrikadieren – „das ausgemusterte Lumpenproletariat“, um es mit Schacks Worten zu sagen, der ihnen alberne, unkontrollierte rassistische Bemerkungen und einen Hang zur Nostalgie zuschreibt. Sie tun einem leid, im Beisein dieses Autors, der auf den meisten Seiten wiederum seine Weltgewandtheit und sich selbst feiert.

Alles internationale und multikulturelle findet er hingegen betont gut. Das ist natürlich erfreulich, aber gleichzeitig auch wieder langweilig und irrelevant. Denn wenn der einzige Punkt bei der Betrachtung der Multikulturalität Neuköllns der ist, zu sagen, dass hier viele Ausländer leben und dass man dem tendenziell positiv gegenübersteht, braucht man kein Buch zu schreiben. Vielleicht will sich Schack von den angeblich rassistischen Positionen absetzen, die Buschkowsky gerne vorgeworfen werden.

Buschkowsky ist Scheiße

Denn, ach ja, Buschkowsky. Nicht umsonst lautet der Untertitel des Buches „Nachrichten aus Buschkowskys Bezirk“, obwohl nichts vorkommt, was auch nur ansatzweise einer Nachricht gleichkäme. Der Bezirksbürgermeister hat bei Schack einen Nerv getroffen. Neben dem fröhlichen Blabla auf den vorherigen Seiten wird das Buch gegen Ende hin zu einem furiosen und vor allem sinnfreien Angriff auf Buschkowsky, der ohne größere Argumente nur eine Botschaft hat: Buschkowsky ist Scheiße.

Ist das Buch meist recht beliebig und in seinen vorherigen Kapiteln recht knapp gehalten, wird es plötzlich sehr detailliert, wenn er auf die Zerwürfnisse zwischen Gilles Duhem vom Verein Morus 14 und Buschkowsky eingeht. Er beschreibt die Gründe für die schriftlich geführte Auseinandersetzung und kritisiert den Bürgermeister für seine distanzierte Haltung zu dem hochgelobten Verein, der sich für die Bildung von Kindern und Jugendlichen im Rollbergviertel einsetzt. Das mag alles stimmen und wirft kein feines Licht auf den Mann im Rathaus. Aber warum Schack einen offenen Brief Duhems an Buschkowsky von Januar 2007 nachdruckt, der sehr partielle, stadtpolitische Querelen widerspiegelt und kaum als Generalabrechnung mit Buschkowsky als Politiker oder Person gelesen werden kann, ist doch etwas fragwürdig.

Buschkowsky und die Asozialen

Heinz Buschkowsky ist in seinem Buch weitaus weniger als Schack auf die neuen Entwicklungen in Nord-Neukölln eingegangen. Vielleicht hätte es das Ausführen seiner Thesen kompliziert. Aber Schack stellt gar nicht erst Thesen auf. Er positioniert sich nicht mal richtig, obwohl es durchklingt, dass er Neukölln noch ein bisschen dufter finden würde, wenn erstens Buschkowsky weg wäre und zweitens diese Asozialen mit ihren Bierfahnen und rassistischen Sprüchen vertrieben würden, die er mal distanziert-amüsiert bei ihren Kleinkriegen betrachtet, mal herablassend niederschreibt.

Vielleicht kann das Buch in ein paar Jahren spannend werden, wenn man es dann als zeitlich eng begrenzte, äußerst tendenziöse Momentaufnahme eines Stadtviertels im Wandel liest. Als pointierte aktuelle Betrachtung oder gar Teil einer politischen Debatte um die Richtung, in die sich Neukölln bewegen wird, taugt kein einziges Wort dieses Buches. Dafür ist es zu faserig, zu inkonsequent und vor allem zu erkenntnisarm.

 

2 Kommentare:

  • Joh sagt:

    Für mich als Buschkowsky Fan war es trotzdem mal ganz nett zu lesen. Weiterhin alles Guten und Gruß nach Berlin,

    Joh

  • Sabine sagt:

    Da war wohl jemand neidisch, offensichtlich.
    Ich fand das Buch vom Schack sehr erfrischend und lesenswert.

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