von am 13. März 2012

Fliegende Teppiche und eine „Chill-Hütte“ – Ideen zur Verschönerung des Albert-Schweitzer-Platzes gibt es reichlich. Doch die Arbeit mit den Neuköllner Behörden lässt manches Mitglied der Arbeitsgemeinschaft frustriert zurück.

Über der Häuserschlucht hängen dichte, graue Wolken. Es nieselt. Abgeplatzter Putz und freiliegende Pflastersteine säumen den geteerten Rettungsweg. Dunkler Efeu und Pappeln sprießen aus der Erde, die von wuchernden Tretminen tierischer Herkunft flankiert werden. Erst kurz vor den schweren Holztüren erkennt der Besucher durch die Äste der hochgewachsenen Bäume: Hier hat eine Schule ihr Zuhause. Willkommen am Albert-Schweitzer-Platz im Winter 2012!

Dass dieser trist-dunkle Platz vor der gleichnamigen Schule eine grundlegende architektonische Umgestaltung bekommt, dafür kämpft Eva Hertzsch mit ihrem Künstlerteam. „Seit August 2011 sind wir schwer am Arbeiten, aber das Projekt ist als laufender Prozess zu verstehen“, sagt Hertzsch. Vergangenen Donnerstag traf sich die Ideenwerkstatt in der Aula der Alber-Schweitzer-Schule und erörterte in Arbeitsgruppen mit Beteiligung von Schülern, Anwohnern und Künstlern die Zukunft jenes grauen Vorplatzes an der Karl-Marx-Straße.

Heller, offener, grüner – ein Aufenthaltsort für alle

Es soll bunter werden, heller, offener, Hecken und Gestrüpp sollen verschwinden – ein Platz als Aufenthaltsort für alle. Aber, wie so oft, der Wille allein reicht nicht. Zuletzt zeigte sich das Projekt als ein schwieriges Unterfangen. „Manchmal macht sich schon Frustration breit“, sagt Eva Hertzsch während der Präsentation der Ideen von Schülern für die Begrünung des Platzes.

Denn da wären zunächst einmal die Ämter, mit denen sich die „12 Veränderer“ – wie sich die Arbeitsgruppe selbst nennt – auseinandersetzen muss. Geht es um die Eigentumsverhältnisse, so muss sich mit zig Institutionen arrangiert werden: das Tiefbauamt, das Grünflächenamt, das Ordnungsamt, das Bezirksamt, dazu kommen Anwohner und Quartiersmanagement. Jeder mit eigenen Wünschen und Budgets – ein bürokratischer Albtraum. „Anstatt sich mit den Vorschlägen auseinanderzusetzen, hören wir oft nur, was nicht geht“, meint Hertzsch.

Hürdenlauf mit dem Grünflachenamt

Die Arbeitsgruppe macht trotzdem weiter. Hilfe bekommen die 12 Veränderer von Künstlern und zahlreichen Schülern der Albert-Schweitzer-Schule, die natürlich auch ein Interesse an der Verschönerung „ihres Platzes“ haben. Es geht um Aktivierung, Gestaltung und natürlich um Begrünung. Aus London stieß extra der Landschaftsarchitekt Mark Lewanski (muf London) zur Ideenwerkstatt, um mit den Schülern an ihren Ideen zu arbeiten. Die entstandenen Vorschläge reichen von bewachsenen, „fliegenden“ Teppichen über bunte Blumenbeete bis hin zu einer „Chill-Hütte“, die als eine Art Rondell in der Mitte des Platzes gebaut werden soll.

Solch kreative Einfälle würden aber schnell von den verantwortlichen Ämtern zu Nichte gemacht. Nachhaltigkeit, Kosten, Pflege lauten die Gegenargumente. Speziell bei der Diskussion mit dem Grünflächenamt spricht Hertzsch von einem „Hürdenlauf“. Auch bei den Schülern, die sich mit selbst kreierten Modellen gehörig ins Zeug gelegt haben, macht sich Frustration breit. Zwei Damen vom Bezirksamt, die von den Veranstaltern geladen wurden, sprechen dennoch Mut zu: „Verlieren sie nicht die Hoffnung, kämpfen sie weiter.“ Es klingt ein bisschen nach Durchhalteparole.

Platzende Ideenblasen in den Mühlen der Bürokratie?

Am Wichtigsten scheinen Hertzsch & Co. aber die Sensibilisierung der Bevölkerung und Anwohner. Für die Ideenwerkstatt stellte das Künstler- und Architekturkollektiv Plastique Fantastique überdimensionale Luftballons am Albert-Schweitzer-Platz auf. Die Arbeitsgruppen der Schüler versammelten sich in diesen bunten „Blasen“, um die Workshops unter den Augen der Passanten durchzuführen: „Die Leute sollen sehen, hier tut sich was, es soll Interesse geweckt werden“, begründet Hertzsch diese öffentlichen Projekträume.

Und die meisten Jugendlichen sind froh um die Möglichkeit der Mitbestimmung: „Man gab uns die Chance, etwas zu verändern, unsere Ideen einzubringen. Das ist zunächst etwas Positives“, sagt eine Schülerin der 7. Klasse. Man kann dem Projekt nur wünschen, dass die Ideen in den Mühlen der Neuköllner Bürokratie nicht wie Seifenblasen zerplatzen.

Die nächste Aktion am Albert-Schweitzer-Platz wird es im Juni während des Kunstfestivals 48h Neukölln geben. Wer sich weiterführend über die Verschönerung und Aktionen rund um den Platz informieren möchte, kann das hier.

 

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