von am 25. März 2014
Foto: Verena Schneider

Foto: Verena Schneider

15 Bürger Neuköllns haben die Schnauze voll von steigenden Mieten und haben sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen. Ihr Traum: die Verdrängung Alteingesessener stoppen.

Gegen Zugezogene in Neukölln haben Willi Laumann (61) und Andreas Berg (54) nichts. Das betonen die zwei Mitglieder des „Bündnis für bezahlbare Mieten in Neukölln“ mehrfach im Gespräch. „Allerdings sollen die Leute, die schon länger hier wohnen auch bleiben können!“, sagt Berg, der das Bündnis 2012 gegründet hat. Sie kooperieren mit den Fraktionen aus Linke, Grünen und Piraten, gehen in die Ausschüsse und geben Informationsveranstaltungen bei denen sich alles um faire und bezahlbare Mieten im Bezirk dreht.

Foto: Verena Schneider

Willi Laumann (Foto: Verena Schneider)

„Wir machen auch Performances, weil die Redebeiträge auf Dauer zu langweilig werden“, sagt Berg. Um etwas Schwung in das trockene und komplizierte Thema „Mieten“ zu bekommen, treten die 15 Mitglieder auch schon mal als Häuserballett auf und halten dabei Sprechblasen mit ihre Wünschen und Vorstellungen hoch. Vom Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky und dem Stadtbaurat sind sie allerdings  noch nicht erhört worden. Dort sagte man ihnen, dass es für den geforderten Milieuschutz – also die Bevölkerungszusammensetzung zu erhalten -,  „keine Handlungsmöglichkeiten gibt“.

Die Forderung: eine bundesweite Mietpreisbremse

Vor allem die teureren Neuvermietungen sind dem Bündnis ein Dorn im Auge. In der Resolution fordert es: „ … die rechtlichen Rahmenbedingungen gegen die Verdrängung vieler BewohnerInnen aus unseren Wohnquartieren zu schaffen und deren Umsetzung schnellstens zu realisieren.“ Darunter versteht das Bündnis mehr Sozialwohnungen zu schaffen und die Luxusmodernisierungen vor allem im Norden des Bezirks durch Milieuschutz zu verhindern. Oder auch das Vorkaufrecht bei Wohnungen und Häusern zu Gunsten Dritter (beispielsweise landeseigene Wohnungsbaugesellschaften) zu gewährleisten.

Eine bundesweite Mietpreisbremse würde Laumann und Berg erst recht freuen. „Für uns st das ein flächendeckendes Instrument“, sagen beide im Chor. Dann würde es vielleicht eine Internetanzeige eines hiesigen Anbieters nicht mehr gegben: 48,91 Quadratmeter große Wohnung in der Pannierstraße, Neuvermietung nach Sanierung, für 656 Euro (warm) zu vermieten. „Und das ist nur ein Beispiel von vielen“, sagt Laumann und legt den Ausdruck der Anzeige auf den Tisch.

Au ja, ich spende via: PayPal | Überweisung | Bankeinzug | Flattr

Gegen ein komfortables Wohnen haben die zwei Mitglieder nichts. „Es ist schon wichtig, dass es eine Wärmedämmung an de Fenstern gibt, sowie eine Zentralheizung. Aber eine Fußbodenheizung ist unnötig“, sagt Berg. Seiner Ansicht nach werde durch die Aufwertung der Wohnungen und des Bezirks eine Verdrängung in Gang gesetzt. Menschen, die weniger verdienen, müssen letztlich gehen und lassen sich dann in Stadtteilen wie Marzahn nieder. „Dadurch werden die Probleme in andere Teile der Stadt verschoben“, glaubt Berg.

Andreas Berg (Foto: Verena Schneider)

Andreas Berg (Foto: Verena Schneider)

Nach Angaben des Mietenbündnisses liegen die Preise bei Neuvermietungen bei etwa 30 bis 40 Prozent über dem Mietspiegel. „Ich sehe es ja bei meinen Nachbarn. Die zahlen für 50 Quadratmeter 10,50 Euro netto kalt pro Quadratmeter. Ich zahle genau die Hälfte. Meine Wohnung ist genauso groß und hat die gleiche Ausstattung wie deren vier Wände“, erklärt Berg.

Der Markt bestimmt den Mietpreis

Der bevorstehende Bau am Rollbergkiez durch die Firma Casada ist an dem Bündnis nicht vorbei gegangen. „An sich kann man nichts gegen die Bebauung einer Brachfläche haben“, sagt Laumann. Allerdings moniert er an dem Projekt, dass es sich bei den großen und modern gestalteten Wohnungen nur um Eigentum handelt. „Das bedeutet doch wieder, dass sich nicht die breite Masse diese Wohnungen leisten kann“, ergänzt Laumann. Dass nur aufgrund der neuen Häuser auf dem Kindl-Gelände die Mieten ringsherum steigen, halten die beiden Männer für unwahrscheinlich. „Die Mieten würden auch so in die Höhe gehen, dafür braucht es nicht die Immobilienfirma Ziegert“, sagt Berg. Die seien schließlich vom Markt abhängig.

 

Die nächste Infoveranstaltung zum Thema „Bezahlbare Mieten“ findet am Donnerstag, 27. März, 19.30 Uhr im Bezirksamt Neukölln, Karl-Marx-Straße 83, Raum 203, Wetzlar-Zimmer statt. Veranstalter ist der Berliner Mieterverein.

 

3 Kommentare:

  • KMS sagt:

    Die CAM versucht es in der Karl-Marx-Straße wieder.

    Bei mir, und auch bei meinen alteingesessenen Nachbarn, ist die Tage eine Mieterhöhung ins Haus geflattert. Die letzte war im Mai 2012. Damals waren es die maximal möglichen 20%. Davor gab es man staune seit 2001 bei mir keine einzige Erhöhung der Nettokaltmiete. Und das obwohl die Hausverwaltungen alle paar Jahre gewechselt hatten. Jetzt will die CAM (bislang mit Abstand die schlechteste Hausverwaltung, Öl mitten im Winter alle -> ne Woche keine Heizung, Licht im Treppenhaus ständig defekt, Hof wird nicht mehr regelmäßig gekehrt, usw…) um weitere 12% zum Angleich an den Mietspiegel erhöhen. Da die letzte Mieterhöhung mit 20% aber keine drei Jahre her ist, glaube ich müssen sie sich wohl noch ein Jahr gedulden. Werde das aber unbedingt noch vom Anwalt bzw. Mieterschutz prüfen lassen… Tipps an wen man sich wenden sollte?

  • Sven sagt:

    Hallo KMS,

    wende dich doch an den Berliner Mieterverein. Da wird man recht güntig Mitglied und bekommt dann sehr schnell Termine für Beratungen zu solchen Themen.

    VG,

    Sven

  • […] in Sachen Milieuschutz nicht so recht zu trauen ist, gibts jetzt ein Wiki, das die Forderungen des Bündnis für Bezahlbare Mieten auflistet und den politischen Fortschritt (oder Stillstand) dokumentiert. Dass es weiterhin […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.