von am 28. Juni 2014

LampedusaEine Installation in der Galerie Kulturpropaganda beschäftigt sich mit einer 200 Jahre alten Seenot – und gibt den Flüchtlingen von heute eine Stimme.

Seit 48 Stunden hatten wir nichts zu uns genommen; und beständig mit dem stürmischen Meere gekämpft; wie sie konnten wir uns kaum auf den Beinen erhalten und nur der Mut gab uns noch einige Tatkraft“.

Dramatische Schilderungen, die Überlebende nach der Fahrt auf einem seeuntüchtigen Floß vor der Küste Mauretaniens 1816 gaben. Geschehnisse, die fast 200 Jahre zurückliegen, bei den meisten Lesern jedoch allzu aktuelle Assoziationen hervorrufen. Zu sehr erinnern sie an das Schicksal afrikanischer Flüchtlinge bei ihrem Versuch, über das Mittelmeer Europa zu erreichen.

Diese gefühlte Nähe ist es, die die Künstlerin Claudia Simon für ihre Installation „Les Radeaux de Lampeduse“ nutzt. Denn während vom historischen Ereignis detaillierte Berichte vorhanden sind, bleiben die Schicksale von Flüchtlingen in unserer Zeit meist unbekannt, viele überleben die Schifffahrt nicht. Und jene, die im gelobten Europa ankommen, landen zumeist in isolierten Auffanglagern. So füllt der historische Text das moderne Schweigen.

Auch bildlich werden die Schicksale verknüpft. Simon hat das Gemälde „Le Radeau de la Méduse“ von Theodore Géricault, das die Geschehnisse von 1816 zeigt,  und ein Foto afrikanischer Flüchtlinge in Lampedusa als Grundlage für zwei Gemälde genutzt.

Schatten im Meer

Die Bilder sind stark verfremdet und hauptsächlich in Beige- und Grautönen gehalten und gewinnen gerade dadurch an Deutungsmöglichkeiten. Durch die Farben und Muster wirkt es fast wie Camouflage, sinnbildlich für die heimliche, illegale Überfahrt. Gleichzeitig wirken die schemenhaften Figuren eher wie entrückte Schatten denn als wirklich greifbare Personen.

Die Installation hinterlässt einen ergreifenden Eindruck. Der ergibt sich aber nicht eben leicht. Dafür sorgt nicht zuletzt die Lage der Installation in einem dicht möblierten Raum der Galerie Kultur Propaganda. Wer sich jedoch Zeit nimmt und sich darauf einlässt, kann das Leiden jener hören, die wir allzu gern verdrängen.

REU-25 , So. 29.06., 12-19:00 Uhr, Kulturpropaganda, Reuterstr. 62

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