von am 12. Januar 2016
Dokumentationfotos in der Notunterkunft fuer Fluechtlinge in der ehemaligen C&A in der Karl-Marx-Strasse in Neukoelln am 8. Januar 2016. Im Foto: Hussein aus Pakistan

Hussein aus Pakistan ist einer der Geflüchteten, die im C&A-Gebäude untergebracht wurden

Raum schaffen für Geflüchtete: Neukölln hat eine neue Notunterkunft mitten auf der Karl-Marx-Straße. Im ehemaligen C&A sind seit dem 23.12.2015 rund 200 Menschen aus Afghanistan, Pakistan, Syrien und dem Irak untergebracht. 

Fotos: Emmanuele Contini

Nach Verhandlungen des Bezirks mit dem Eigentümer, der Lageso und dem Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) wurde innerhalb kürzester Zeit mit den Umbauarbeiten begonnen. Das fünfstöckige Gebäude ist nun unterteilt in eine Begegnungsebene im Erdgeschoss und drei Bewohnerebenen, die nach Fertigstellung Ende Februar bis zu 600 Menschen in Parzellen mit jeweils vier Stockbetten beherbergen können. Betrieben wird die Unterkunft vom Malteser Hilfsdienst. Die Begegnungsebene bietet Platz für eine Kleiderkammer, einen Catering-Essbereich, Sofaecken, Stuhlkreise für Workshops und Unterricht und die Zentrale der Malteser mit Festnetzanschluss, der rund um die Uhr besetzt ist. Trotzdem – als wohnlich oder gemütlich kann die Unterkunft keinesfalls bezeichnet werden.

Dokumentationfotos in der Notunterkunft fuer Fluechtlinge in der ehemaligen C&A in der Karl-Marx-Strasse in Neukoelln am 8. Januar 2016. Im Foto: Einige Fluechtlinge in einem Zimmer

Die Geflüchteten schlafen in Kabinen mit jeweils acht Betten.

Wo kommen die Menschen her?

Bei den bisherigen Bewohnern handelt es sich größtenteils um junge Männer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren, die zuvor in den Messehallen unter dem Funkturm untergebracht waren. 1000 Geflüchtete wurden von dort mit Hinblick auf die „Grüne Woche“, eine finanziell nicht unbedeutende Veranstaltung, umquartiert. 650 Personen sind jetzt im stillgelegten ICC untergebracht, 400 davon im großen Saal, in dem es kein Tageslicht gibt. Die übrigen 350 Menschen wurden auf unterschiedliche Unterbringungen verteilt, unter anderem auf das C&A-Gebäude in Neukölln.

Dokumentationfotos in der Notunterkunft fuer Fluechtlinge in der ehemaligen C&A in der Karl-Marx-Strasse in Neukoelln am 8. Januar 2016. Im Foto: Fluechtlinge beim Deutschunterricht

Improvisierter Ort zum Lernen: Geflüchtete beim Deutschunterricht im ehemaligen Kaufhaus.

Viele Hände helfen

Die Malteser stellen 40 Sozialbetreuer und werden von den vielen Freiwilligen, die sich über die Facebook-Seite des Hilfsdienstes meldeten, unterstützt. Außerdem sind ein Sicherheitsdienst sowie Catering- und Reinigungskräfte vor Ort. Zur Unterstützung der fast täglich stattfindenden Deutschkurse sind Netzwerke wie „Neukölln hilft“ und „Kreuzberg-hilft“ involviert. Da im Gebäude bis auf wenige Toiletten noch keine Sanitäranlagen installiert sind, gibt es eine Vereinbarung mit dem Stadtbad Neukölln. Zimmerweise gehen Bewohner und Betreuer gemeinsam in das Bad, um dort die Duschen zu nutzen.

In der Kleiderkammer werden Spenden gesammelt und verteilt.

In der Kleiderkammer werden Spenden gesammelt und verteilt.

Wie wird es weiter gehen?

Viele junge Männer sitzen an Steckdosen, um ihre Smartphones zu laden. So schnell wie möglich soll ein WiFi-Netz eingerichtet und größere Ladestationen bereitgestellt werden, um den Geflüchteten die Kommunikation mit ihren Familien zu erleichtern. Über ein Jobscreening sind erlernte Berufe und Fähigkeiten der Bewohner aufgelistet, um sie in den Betrieb der Unterkunft einzubinden und ab Erhalt einer Arbeitserlaubnis an andere Betriebe weiterzuvermitteln. Wie schnell ein Geflüchteter solch eine Arbeitserlaubnis erhält, ist personenabhängig. Viele warten auf Termine. Besonders wichtig ist da der Deutschunterricht: Fünf mal pro Woche findet er statt und wird von Freiwilligen, sowie Mitgliedern von „Neukölln hilft“ und „Kreuzberg hilft“ durchgeführt.

Helfen und Unterstützen: entweder über den Malteser Hilfsdienst oder „Neukölln hilft“ bzw. „Kreuzberg hilft“. Kleiderspenden können nach telefonischer Terminabsprache (030-56822037) am C&A abgegeben werden.

Am Mittwoch, 13.1.2016 findet im Heimathafen die Veranstaltung „Newcomer in Berlin“ statt, bei der sich verschiedene Initiativen vorstellen und die Hilfsmöglichkeiten für Refugees aufzeigen. 

 
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