von am 23. Februar 2016

Spektrum-2Die Wege von Künstlern und Wissenschaftlern kreuzen sich eher selten. Tun sie es doch, wird es spannend! Der Projectspace SPEKTRUM bietet ihnen dafür ein Begegnungszentrum, eine Diskussionsplattform und eine Bühne. Bei einem Besuch der zahlreichen Veranstaltungen tauchen wir ein in die Welt der dargestellten Interdisziplinarität.

Fotos: Anna Blattner

Als Lieke Ploeger, Projektmanagerin bei der Open Knowledge Stiftung, und der Medienkünstler Alfredo Ciannameo im Sommer 2014 die alte Bäckerei im Maybachkiez komplett umbauen, wächst ihr Konzept mit der Entstehung dieses Raumes heran. Sie reißen Wände ein, ziehen neue hoch, finden gusseiserne Türen über ebay-Kleinanzeigen, passend zu der Monumentalarchitektur des alten Hauses. Den ehemaligen Verkaufsraum verwandeln sie in eine Bar, an der vorbei man in den hinteren, den spektakulärsten Teil gelangt: ein fünf Meter hoher Raum mit einer Bühne und allem, was man an Sound- und Projektionsequipment braucht, um Kunst, Technologie und Wissenschaft vor einem Publikum zu verbinden.

Wissen für Alle und umsonst

Technik und Einrichtung haben sie aus eigener Tasche bezahlt. Die Raummiete finanzieren sie gerade so über die Einnahmen der Bar, doch um Geld geht es den beiden nicht: Sie wollen ein Entstehungszentrum generieren, ein Labor wenn man so will, dessen Inhalte offen für alle Interessierten zur Verfügung stehen. Hier treffen sich verschiedene Communities, wie zum Beispiel das Smell Lab, in dem mit dem Geruchssinn experimentiert wird, oder das movLab, in dem Entwickler, Forscher und Tänzer an der Digitalisierung von Bewegung arbeiten.

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Auf der Bühne präsentieren sich Experten aus den unterschiedlichsten Disziplinen.

Regelmäßig trifft sich in SPEKTRUM auch der Science Hacking Stammtisch – eine bereits bestehende Community, die es sich zum Ziel gemacht hat, wissenschaftliche Herangehensweisen an ein Problem, also das „hacking“ einer komplexen Aufgabe, einem gemischten Publikum darzulegen und so transdisziplinär anwendbar zu machen. Auf dem jährlichen Science Hack Day treffen dazu Programmierer, Designer, Künstler und Technikfreaks aufeinander.

Experimentell und hypnotisierend

Vor Kurzem zeigte die Society for Nontrival Pursuits, eine Gruppe größtenteils bestehend aus Studenten und Alumni des UdK-Studiengangs Generative Art / Computational Art, im SPEKTRUMspace experimentelle Performancekunst. Mit selbstgebauten Loopstations, programmierten Sound-Algorithmen und vollem Körpereinsatz fluten sie das Publikum mit Eindrücken, sodass es bis unter die Decke dröhnt. Auf der Projektionsfläche flimmern leuchtende Partikel, die sich zu hypnotisierenden Strudeln eindrehen. Eine Künstlerin singt weit auseinanderliegende Töne in einer Feedbackschleife, verzerrt und überlagert sie, bis zur völligen Auflösung des zuvor Gehörten. Und trotzdem, die vielseitig angewendete Technologie verbirgt hier nicht den Künstler selbst. Die Atmosphäre einer Gemeinschaft, eines Arbeitsraums ist deutlich zu spüren. So, wie sich Lieke und Alfredo das in ihrer Vision vorgestellt haben.

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Stürmende Pixel bei der Performance von der Society for Nontrival Pursuits.

Die Entwicklung geht weiter

Die Gemeinschaft wächst! Lieke und Alfredo vernetzen SPEKTRUM mit Veranstaltungen, wie zum Beispiel der Langen Nacht der Wissenschaften. Auch planen sie, sich um Fördergelder zu bewerben und in einem weiteren Hinterraum eine Werkstatt mit einem 3D-Drucker und Lasercutter einzurichten, sodass die Communities hier nicht nur diskutieren und präsentieren sondern ihre Wissenschaftskunst auch herstellen können.

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