von am 15. Juli 2015
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Foto: Thomas Stibenz

„Wenn es nicht gerade in Reykjavik ist, kommen wir zu dir und brennen die Bude ab“, sagt Liedermacher William Wormser (28). Er und zwei Musikerfreunde arbeiten an ihrem großen Traum: Das eigene Label namens Yaron, die eigenen EPs und vielleicht der große Sprung. Das Mittel zum Erfolg: Crowdfunding.

neukoellner.net: William Wormser, haben dir deine Eltern einen Künstlernamen verpasst oder warst du selbst kreativ?
William Wormser: Nein, das ist tatsächlich mein richtiger und in meiner Geburtsurkunde stehender Name. Eigentlich ja ganz cool – Alliterationen und so. Leider verstehen viele meinen Nachnamen nicht ganz richtig. Die schreiben den dann immer falsch und das ist schlecht für meine Googlebarkeit.

Wie würdest du deine Musik beschreiben? Setz‘ dir mal den Genrehut auf und beschreibe wie du zu deinen Texten findest!
Ich würde mich selbst als Liedermacher bezeichnen. Bei mir kommt einiges zusammen. Ich höre sehr gerne französische Chansons. Von denen habe auch viel gelernt. Ich habe mir auch mal das eine oder andere Pickingmuster von Bob Dylan abgeguckt.

Was sind deine Themen?
Zu den Themen meiner Songs finde ich über die unterschiedlichsten Wege. Das können manchmal ganz alberne Sachen sein. Ich habe zum Beispiel einen Song über Hippiezombies gemacht. Da saß ich bekifft mit meiner Mitbewohnerin in der Küche und wir haben darüber fantasiert, was geschehen würde, wenn Hippies Zombies wären. Das hat mich dann gechallenged ein Lied darüber zu schreiben. Sonst versuche ich aber auch über ernste Sachen zu schreiben. Was mich fasziniert ist der Dualismus von Körper und Geist. Wo fängt die Seele an? Wo hört der Körper auf? Und was ist damit gemeint? Was ist Identität? Darum geht es in vielen meiner Songs. Ich versuche auf jeden Fall immer über Themen zu singen, die man so noch nicht gehört hat und die so noch nicht besungen worden sind. Ich will auch Denkanstöße bieten.

Du willst gemeinsam mit zwei Musikerfreunden in Neukölln mittels einer Crowdfunding-Kampange ein Label aus dem Boden stampfen. Wie kann man sich das vorstellen und was habt ihr für die Zukunft geplant?
Wir sind ein Künstlerkollektiv. Die Idee zur Social Label Gründung hatten Markus Sommer, Romano Licker und ich gemeinsam. Das Label heißt Yaron Records. Es gibt allerdings noch viel mehr Menschen, die an der ganzen Sache mitwirken. Insgesamt sind wir etwa 15 Leute, die das ganze Labelding momentan ehrenamtlich und auf freundschaftlicher Basis hochziehen. Da sind sehr viele unterschiedliche Leute dabei. Vom Tontechniker, über die Bookerin, bis zu einem Schreiner, der uns eine kleine Bühne gezimmert hat, mit der wir auf Open Airs auftreten können.

Hat das Projekt bislang etwas eingebracht?
Geld verdient damit keiner so wirklich. Wir dachten uns daher, dass es toll wäre, die Menschen, die mit uns arbeiten, auch in einem gewissen Maße bezahlen zu können. Und drei EPs zu produzieren, ist natürlich nicht ganz billig, wenn man sich nicht vor den eigenen Brenner setzen will. Des Weiteren bieten wir mit unserem Youtube-Kanal „Abandoned Couch“ jungen Künstlern, die wir kennen und feiern, die Gelegenheit sich und ihre Songs zu präsentieren. Wenn wir über unsere Crowdfundingkampange bis zum ersten August 7000 Euro gespendet bekommen, dann könnten wir unsere EPs produzieren und unser Team einigermaßen entlohnen.

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Kiss me, I’m a Crowdfunder! Foto: Thomas Stibenz

Was hat Neukölln mit der ganzen Sache zu tun? Die Crowdfunding-Konkurrenz ist wahrscheinlich groß.
Crowdfunding ist eben ein gängiges Finanzierungskonzept. Kann schon sein, dass es viele gibt, die etwas Ähnliches probieren wie wir. Man könnte meinen der kreative Musikmarkt ist übersättigt, aber das sehe ich anders. Und: Es fällt mir schwer beim Thema Berliner Musikerszene von Konkurrenz zu sprechen. Wenn wir ein kleines Open Air organisieren, dann haben wir sofort ein Dutzend Leute, die richtig gut sind und ohne Gage spielen, um die Sache zu unterstützen. Die haben alle Bock und da hat jeder für den anderen Verständnis.

Und warum Neukölln?
Es ist eben der Bezirk, in dem wir alle leben und recorden. Unser Studio ist direkt am Hermannplatz. Von daher ist Neukölln schon unser Zuhause. Ich wohne seit vier Jahren hier.

Das Crowdfundingprinzip beruht auf Geben und Nehmen. Was gebt ihr denn euren Unterstützern?
Das ist ganz unterschiedlich und je nach Höhe der Spendersumme gestaffelt. Für fünf Euro kann man sich einen Song von uns Dreien zum Download auswählen, für zwölf Euro gibt’s dann meine EP. Es gibt T-Shirts, Feuerzeuge, Poster, Gesangsstunden, Gitarrenstunden, Bürokonzerte oder einen komponierten Song auf Wunsch. Wir haben versucht, so kreativ wie möglich zu sein. Wer uns 500 Euro spendet, bekommt eine ganze Yaron-Nacht. Wir fahren zu einem Ort deiner Wahl und geben ein Konzert, daneben sorgen wir für die DJs und stellen das gesamte Equipment. Wenn dieser Wahlort nicht unbedingt Reykjavik ist, dann kommen wir zu dir und brennen die Bude ab.

Bis zum 1. August 2015 läuft noch die Crowdfunding-Kampange der Yaronauten. Wer spenden möchte, kann das hier tun.

Au ja, ich spende via: PayPal | Überweisung | Bankeinzug | Flattr

 

Ein Kommentar:

  • wirbringendichganzgroßraus sagt:

    Ich verstehe nicht, das heute immer noch Geschäftsideen ausprobiert werden, die bereits vor 10 Jahren nicht mehr funktioniert haben. Ist Neukölln in einer Zeitschleife gefangen oder wohnen dort mittlerweile nur noch Leute, die sich eine gewisse Realitätsferne leisten können?

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