von am 16. Juni 2013

Es hätte richtig spannend werden können, hätte auch nur ein Mensch Interesse daran gehabt, bei „Tanz die Programmatik“ mitzumachen. Aber das Ganze wahr wohl eh eine Schnapsidee.

Die Menschen scheinen die kleine Installation vor dem „arm und sexy“ in der Reuterstraße gar nicht zu bemerken. Sie stehen rum, unterhalten sich bei Bier und Kippchen. Sie laufen vorbei. Ein paar Meter weiter, auf der Straße, wird die lange Tafel für das große Spaghettiessen aufgebaut.

„Tanz die Programmatik“ heißt die partizipative Performance, die seit 16 Uhr stattfindet. Das Problem ist, dass keiner mitmachen will. Wenn man überhaupt davon weiß.

Das Prinzip: Man nimmt sich einen der ausgelegtenTexte, ein Parteiprogramm oder andere kulturpolitische Verlautbarungen, liest ihn sich durch. Währenddessen empfindet man was. Diese Empfindungen gibt man dann tanzend wider.

Keine Lust

Claudia, die Besitzerin des Trödelladens, wusste schon, dass da keiner mitmachen würde. Lust darauf, die Menschen als Marktschreierin zum Mitmachen zu bewegen habe sie am Sonntagnachmittag aber auch keine. So steht ein einsamer Stuhl herum, ein traurig beblümter Altar, die Zettel bleiben ungelesen. Der kleine, mit Klebeband markierte Performance-Bereich ist verwaist.

Hat sie es wenigstens selber mal ausprobiert, wie das funktionieren könnte mit dem Programmtanzen? „Ich hab mir das Ganze ausgedacht, das muss ja wohl reichen“, sagt sie schroff. Spaß gemacht hat es ihr trotzdem ein bisschen. „Das schönste an der Sache war, als ich mir die ganzen Programme durchgelesen habe.“

Ein Programmpunkt, der weder die Macherin noch das Publikum interessiert und der nur darauf abzielt, dass Leute sich zum Affen machen: Sollte die Verkleinerung der 48 Stunden nicht genau solche Beiträge vermeiden?

arm und sexy (REU-24), Reuterstraße 62

Die Fotos dieses Artikels wurden mit der Olympus OM-D E-M5 erstellt, mit freundlicher Unterstützung von

 

Ein Kommentar:

  • Claudia sagt:

    Ich bedanke mich herzlichst bei all den Menschen, die während der 48 Stunden Neukölln bei kultur propaganda vorbeigeschaut, sich für das kulturpolitische Bewegungskaraoke „Tanz die Programmatik“ interessiert, die kulturpolitischen Programme mit Interesse gelesen und getanzt haben. Bis nächstes Jahr!

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