von am 4. Dezember 2017

Videostill aus „Fuck You, I’m Vegan“ von Nebulake (Foto: Nebulake)

Vegane Rapper aus Neukölln ? Gibt’s wirklich! Und ihre Reime sind gar nicht mal schlecht. Wir haben das Duo Nebulake in einem Café in der Richardstraße getroffen.

Von Patrick Helber

Paul und Sydney, zwei Jungs aus der Sonnenallee, sind überzeugte Veganer und machen seit einigen Jahren Freestyle Rap. Mit ihrem ersten und gleichzeitig provozierenden Song „Fuck You, I’m Vegan“ hat das Duo, das sich Nebulake nennt, jüngst über den Bezirk hinaus Aufmerksamkeit erregt. Insbesondere, da die Tierrechtsorganisation PETA den Videoclip auf ihrer Facebook-Seite teilte.

Die zwei Studenten, die im Video mit Protestschild bewaffnet, einem McDonald’s-Kunden am Hermannplatz den Cheeseburger aus der Hand boxen, promoten nicht nur ihren tierproduktfreien Lifestyle, sondern demonstrieren, dass die Gentrifizierung im Bezirk auch vor dem Hip Hop nicht haltmacht.

Bislang war das Aushängeschild des Sprechgesangs in Neukölln Bushidos Protegé Ali Bumaye. Ein Schwergewicht, das auf dem Cover seines ersten Albums „Fette Unterhaltung“ (2015) beim Verspeisen von frittierten Hühnerbeinen aus Eimern zu sehen ist, und im ersten Titel „12 Cheeseburger“ klarstellt, was Zuhause auf den Tisch kommt. Mit Nebulake betreten jetzt zwei schlaksige Jungs mit der Forderung „Be a healthy buddy to your body“ die Bühne. Im in Nord-Neukölln gedrehten Video zeigen Paul und Sydney, dass sie sowohl mit Worten als auch mit Karotten, Kürbissen und sonstigem Gemüse auf dem Markt am Maybachufer jonglieren können.

„Wir wollen nicht das abschreckende Bild von Veganern wiedergeben“, erzählen die beiden beim Gespräch in einem Café in der Richardstraße. Ein zweites Video zu „Fuck You, I’m Vegan“ bietet deshalb auch ein alternatives Ende. Ergänzend zur Version für PETA, verspeisen Paul und Sydney hier im Anschluss an die vegane Protestfahrt auf dem Fahrrad, Skateboard und im Schlauchboot genüsslich Käse und geben zu, auch mal für Schokolade eine Ausnahme zu machen.

Veganer selbst als schärfste Kritiker

Für einige Veganer ist ihre Realness dadurch angekratzt, Paul und Sydney sehen das aber anders: „Das sind beides Versionen, hinter denen wir stehen“, bekräftigen sie lachend. Da veganer Lifestyle häufig neben Tierrechten auch jede Menge Identitätspolitik beinhaltet, wundert es nicht, dass das Duo berichtet, dass sie im Netz am schärfsten von anderen Veganern und Veganerinnen kritisiert wurden.

In Zukunft möchten sich die beiden keinesfalls auf vegane Raps beschränken. Paul meint, „wir wollen die Welt ein bisschen schöner machen“, und so werden auch künftige Songs, die aktuell in der Mache sind, auf dem Gebiet des Conscious Rap angesiedelt sein. Das Subgenre zeichnet sich durch politische, meist gesellschaftskritische Texte aus.

Brokkoli-Schlachtruf statt „Bitch“

In ihrem ersten Song überzeugen sie (nicht nur vegane Menschen) mit kreativen Reimen und einem guten Flow. Irritation erzeugt allerdings der mehrmalige Ausruf „Bitch“. Über dessen Doppeldeutigkeit haben auch die veganen Kritiker und Kritikerinnen hinweggesehen. Um neben den Tierprodukten auch dem Sexismus beim nächsten Song eine eindeutige Absage zu erteilen, wäre ein Brokkoli-Schlachtruf angebrachter. Der wäre sicher auch in einem Showdown mit Ali Bumaye nützlich.

Ob es dazu kommt, ist allerdings fraglich. Im echten Leben haben weder Paul noch Sydney je einem Menschen einen Cheeseburger aus der Hand geschlagen. Hinzu kommt, dass sie und auch der Großteil ihrer Hörer und Hörerinnen sich kaum südlich des Rings bewegen. Ein Rap Battle in Alis Territorium, der High-Deck-Siedlung, ist somit vorerst ausgeschlossen. Peace!

 

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