von am 18. November 2014
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Gestatten, Fink! Guy Whittaker, Fin Greenall und Tim Thornton (von links). Foto: Tommy N. Lance

Fin Greenall hat einen langen Weg hinter sich. Der 42-Jährige Singer-Songwriter aus Bristol war bis 2007 eher nur Insidern der britischen Musikszene ein Begriff. 2014 scheint seine Band Fink den Durchbruch geschafft zu haben. Das Konzert am Samstag im Heimathafen war nur ein weiterer Beweis.

Als Produzent und Co-Writer hat Greenall schon früh mit Künstlern wie John Legend, Michael Pitt und der jungen Amy Winehouse zusammengearbeitet. Auf dem Label Ninja-Tune veröffentlichte er Anfang 2000 sein erstes Album. Doch erst mit dem dritten Longplayer, „Distance and Time“, erlangte der ehemalige Electro-DJ mit Fink hierzulande größere Aufmerksamkeit.

Seitdem ist viel passiert. Das Hier und Jetzt scheint seine Zeit zu sein. Die Zeit, in der der Mann mit der Gitarre die Ernte seiner Arbeit einfährt. 2012 spielen Fink bereits mit dem Royal Concertgebouw Orchestra in Amsterdam, was in einem bahnbrechenden Live-Album resultiert. Die aktuelle Platte „Hard Believer“ bekommt im Sommer 2014 Chartplatzierungen in halb Europa. Und die gleichnamige Tour ist schon vor dem Start quer durch alle europäischen Metropolen so gut wie ausverkauft – auch hier in Berlin, dem zweiten Wohnsitz Greenalls.

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Fink im Heimathafen: Kuschlige Atmosphäre trifft entschleunigten Sound. Foto: Ali Schmid

Die Stimme fürs Wesentliche

Für den Neuköllner Heimathafen muss sogar noch ein drittes Zusatzkonzert her, nachdem Tickets für die beiden Termine früh vergriffen sind. Dass mit dem Hype um einen Künstler auch der Druck wächst, davon spürt man an diesem Samstag in der Karl-Marx-Straße kaum etwas. Auch seine beiden, langjährigen Mitstreiter Guy Whittaker (Bass) und Tim Thornton (Schlagzeug) versprühen eher Ruhe und Gelassenheit. Alles wirkt easy und relaxed bei Fink.

Davon lebt schließlich ihre Musik. Minimalistische, treibende Rhythmen treffen auf mantrahaften Gesang, der seine Zuhörer entschleunigt, fast schon hypnotisiert. Bereits nach den ersten Tönen stellt sich ein entspannter Vibe, eine innere Ruhe ein. „Pilgrim“ ist einer der neuen Songs, die aufwendiger und steigerungsvoller arrangiert sind. Schon hier hört man, dass sich Fink weiterentwickelt haben.

„Old school shit in old school style“

Nach zwei weiteren Stücken der aktuellen Platte folgt ein Zeitsprung. Zurück zum „old school shit in old school style“, raunt Greenall ins Mikrofon. Bei „Perfect Darkness“ hört man nur seine Gitarre und Tim Thorntens Rhythmuspart am Cajón. Spätestens hier bekommen die Zuhörer im Saal das kollektive Bedürfnis nach Träumerei und Zärtlichkeit. Klänge, so rau und anschmiegsam, als würde man gerade an einem Strand-Lagerfeuer irgendwo in Cornwall sitzen und den Wellen beim Rauschen zuhören.

Danach geht es wieder zurück in die Gegenwart mit neuen Songs wie „Truth Begins“ und „Looking too Closely“. Etwas geradliniger, etwas mehr am Zeitgeist, mit Phasen, in denen Klavier und E-Gitarre die unverwechselbare Bauchstimme Greenalls untermalen. Musik, die funktioniert, die auch poppiger klingt, aber dennoch immer Fink bleibt.

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„I can see the light coming“: Fin Greenall, Foto: Ali Schmid.

Im Licht angekommen

Während das Publikum den Songs andächtig zuhört und gefangen ist von den Arrangements und der Aura des Konzerts, brandet jeweils nach Ende der Stücke größtmöglicher Jubel los. Greenall und seine Mitstreiter sind sichtlich beeindruckt von derart viel Zustimmung. Und nachdem sie das Konzert mit dem Hit „Berlin Sunrise“ vorerst beenden, kennt der Applaus keine Grenzen mehr.

Das Publikum fordert lautstark die Zugabe ein und Greenall gibt der Menge, was sie braucht: „This is the thing“. Der Song, der ihn 2007 bekannt gemacht hat. Spätestens jetzt sind alle im Saal glücklich, auch wenn so mancher Zuhörer gern noch weitere Stücke des Albums „Distance and Time“ gehört hätte.

Letztlich ist es egal. Was Fink wirklich ausmacht, mal laut, mal leise, mal hell, dann wieder dunkel, strömt an diesem Abend aus den Boxen des Neuköllner Heimathafens. „I can see the light coming over the hill“, singt Fin Greenall in „Hard Believer“. Jetzt ist er endgültig im Licht angekommen.

Das letzte der drei Fink-Konzerte im Heimathafen findet am heutigen Dienstagabend statt, Einlass ist 20 Uhr, Support: Douglas Dare.

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