von am 26. Juni 2016

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Schulunterricht, wie ihn sich die Kinder wünschen. Foto: János Szombati

Bei den 48 Stunden Neukölln beteiligten sich erneut auch viele Nachwuchskünstler. Sie zeigten uns ihre Vorstellungen vom „Schlaraffenland“ und ihren Traumunterricht – und drehten eigene Filme für ihre Altersgenossen.

Auf dem Kunstfestival 48h Neukölln beteiligten sich auch wieder viele Nachwuchskünstler – „Junge Kunst NK“ fand zum dritten Mal statt und ist inzwischen ein Festival im Festival. Im ersten Obergeschoss in den Neukölln Arcaden zeigten uns Neuköllner Schülerinnen und Schüler in ihren farbenfrohen Bildern, Installationen und Fotos ihre Vorstellungen von einer Traumwelt. Ausgangspunkt dafür war das Renaissancegemälde „Schlaraffenland“ – das war auch das Motto des diejährigen Festivals – von Pieter Bruegel dem Älteren, das die Jugendlichen in den kreativsten Formen interpretieren durften.

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Das Gemälde „Schlaraffenland“ von Pieter Bruegel dem Älteren, Foto: János Szombati


Süßkram und Konsumgüter

Das Motiv der Süßigkeiten begleitet uns durch einen großen Teil der Arbeiten. Traditionelle Spielsachen wie im Schlaraffenland Pinocchios kommen hier gar nicht vor. Überraschend sind allerdings die expliziten Bezüge zu weltbekannten Marken, in den überall dudelnden selbst kreierten Werbungen: Von den Konsumpräsidenten McDonalds oder Coca Cola ist über Oreo bis hin zu Heinz Ketchup alles vertreten. Auch in anderer Hinsicht haben die PR-Agenturen zweifellos effektive Arbeit geleistet. Teure Parfümmarken spielen hier ebenso eine Rolle, wie Smartphones, Autos oder Spielkonsolen. Welche Ironie, dass die Pforten des nächsten Mediamarktes nur wenige Meter entfernt das nächste Taschengeld zu schlucken erwarten.

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Marken spielen eine wichtige Rolle. Fotos: János Szombati

In ihren „Wunschstundenplänen“ flackern dann neben einer Süßigkeiten- und Picknick-AG noch ganz andere Bedürfnisse auf. In der Traumschule gibt es Graffitiunterricht, Pokémon- und Chillkunde.

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So könnte die Pokémonkunde in den Schulen aussehen. Foto: János Szombati

So verführerisch all die Waren auch sind, werfen doch einige weitere Werke einen mächtigen moralischen Schatten. So beinhaltet die Traumwelt der Kinder neben den materiellen Wünschen auch einige grundlegende Werte: Friede, Umweltschutz und Sicherheit sind hier die Schlagwörter.

„Schütze die Umwelt“

Ein Junge schreibt, dass er sich nicht mehr mit seinem Bruder streiten möchte und die Parole eines Mädchens lautet: „Schütze die Umwelt“. Die Ideen sind simpel, ehrlich und scheinen von Herzen zu kommen. „Make love, not war“ – das Motto ist nicht neu, doch könnte es aktueller nicht sein.

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„Ich wünsche mir, dass es keinen Krieg mehr gibt.“ Foto: János Szombati


Kleine Filme auf großer Leinwand

Ein anderer Schwerpunkt des Festivals ist das „Junge Kurzfilmprogramm“, ebenfalls zum dritten Mal dabei. Eingeladen waren elf Filme, die von Kindern für Kinder sowohl geschrieben, gedreht, als auch geschnitten wurden. Die bis zu 20-minütigen Werke umfassen ganz unterschiedliche Genres. Neben Dokumentationen gibt es einen Thriller, einen Trick- und einen Science-Fiction-Film sowie eine Videocollage – und sogar ein kleiner Spielfilm war dabei. Die bunte Mischung bot sowohl kurzweilige, humorvolle, aber auch spannende und nachdenkliche Seiten. Zu sehen waren die Werke der Kleinen, wo sonst auch die der Großen laufen: auf der Leinwand im Cineplex-Kino in den Arcaden.

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