von am 13. März 2013

Sascha Ö. Soydan als Hayat, (c) Foto: Milan Benak

In Nicole Oders ArabQueen – oder das andere Leben versucht Mariam muslimische Tradition und den Wunsch nach Emanzipation unter einen Hut zu bringen. Zur Feier des Tages, der 100. Aufführung des Stückes im Heimathafen, starten wir eine Kooperation mit dem französischsprachigen Magazin Berlin Poche.

Text: Laurène Perrussel-Morin / Übersetzung: Florence Freitag

Mariam führt ein Doppelleben. Allerdings ist das 18-jährige Mädchen keine Doppelagentin und arbeitet weder für den CIA, noch für das FBI. Mariam ist eine junge, in Deutschland erzogene Muslimin, die den Unterschied zwischen ihrem Familienleben und den Freiheitsmomenten, die sie sich mit ihrer französischen Freundin Lena erlaubt, immer stärker spürt.

ArabQueen konzentriert sich auf den entscheidenden Tag in Mariams Leben, an dem sie einer arrangierten Heirat zustimmen soll. Wofür soll sie sich entscheiden? Emanzipation oder Unterwerfung, Integration oder Respekt der Tradition? Dem Zuschauer werden diese Zweifel ohne Umschweife vorgeführt und er sieht sich mit der Kluft zwischen den alltäglichen Freuden zweier Jugendlicher und den düsteren und gewaltsamen Reaktionen konfrontiert, die Mariam zu Hause erwarten.

Sascha Ö. Soydan als Fatme und Tanya Erartsin als Mariam, (c) Foto: Milan Benak

Die Schauspielerinnen interpretieren sehr überzeugend eine ganze Reihe von Charakteren, sowohl den Verkäufer am Hermannplatz als auch die Karten spielenden Klatschweiber. Dank Talent und Energie vergisst man trotz des schlichten und einfachen Bühnenraums bald, dass man sich hier nicht im Maxim Gorki Theater befindet. Das schwierige Thema der Integration, oftmals zu klischeehaft dargestellt, wird hier sensibel und humorvoll übermittelt.

ArabQueen ist genau das richtige Stück für den Heimathafen mitten in Neukölln und wurde bereits in mehreren deutschen Städten und auf dem deutsch-französischen Festival Perspectives vergangenen Mai aufgeführt. Nach ArabBoy und Sisters ist es der Abschluss der „Neukölln-Trilogie“, die dem Thema der Integration gewidmet ist. Die Beziehungen unter Schwestern werden hier am Beispiel von Mariam und ihrer unter dem Schleier gefangenen Schwester Fatme besonders in den Vordergrund gerückt. Fatme glaubt, sie würde all dem zustimmen, bis ihr Vater ihr aus Strafe die Haare schneidet.

Natürlich darf man bei diesem brillant gespielten und mitreißenden Stück nicht vergessen, dass es nicht repräsentativ für alle muslimischen Familien steht und eine, wenn auch auf wahren Begebenheiten beruhende, Extremsituation darstellt. Nicole Oder ließ sich von dem 2010 erschienen Roman ArabQueen oder der Geschmack von Freiheit von Güner Yasemin Balci inspirieren und inszeniert in diesem Sinne mehr ein Stück über die Suche nach Freiheit als ein Stück über Integration.

Wer seine Französischkenntnisse auffrischen möchte: hier geht’s zur französischen Version des Textes.

ArabQueen – oder das andere Leben
Mittwoch, 13. März 2013, 19:30 Uhr
Donnerstag, 14. März 2013, 19:30 Uhr
im Heimathafen Neukölln

In Zusammenarbeit mit

 

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