von am 5. November 2012

Leichtfüßig wie ein entspannter Spaziergang von einer Eckkneipe zur nächsten: Uli Hannemanns Liebeserklärung an Neukölln.

Neukölln ist in aller Munde, und in Bewegung. Bekannt und berüchtigt für Gewalt, Sozialprobleme und Ausländer sowie neuerdings ein junges Beispiel der Gentrifizierung Berlins. Yuppies treffen auf Sozialschwache. Stoff genug für weitere Geschichten aus dem eklatanten und klischeebehafteten Neukölln. Uli Hannemann, der 1965 geborene Lesebühnenstar, lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Berlin-Neukölln. Er schreibt für die taz und ist Mitglied der Berliner Lesebühne LSD – Liebe statt Drogen und der Reformbühne Heim und Welt.

Das pure Neuköllner Leben

In seinem neuesten Werk, „Neukölln mon amour“, nimmt er den Leser mit auf einen ungewöhnlichen Stadtspaziergang durch den Neuköllner Alltag mit all seinen Absurditäten. Mit 40 grotesk-komischen Anekdoten bringt er einem das Liebenswerte, Dreckige und Einfache sowie das Hippe dieses vielberüchtigten Stadtteils näher. Ob der Einkauf im Supermarkt, Pisser in den Hauseingängen, oder Einbrecher, die sich als Schlosser tarnen – überall begegnet einem das pure Neuköllner Leben.

Begleiten wir Ulli Hannemann auf seinen Wegen durch den Kiez, wird jede alltägliche Begebenheit zu einem absurden Ereignis und manchmal zu einem Horrorszenario. Manchmal übertreibt er aber auch einfach nur. Man erfährt einiges über Familien und Dealer in der Hasenheide, die gefährlichen Kinder zu Halloween, lehrreiche U-Bahnfahrten, das Haifischbecken im Stadtbad oder wie sich altbekannte Eckkneipen plötzlich in Filmkulissen verwandeln. In Zeiten des aktuellen Gentrifizierungsdilemmas sind die ehrlichen und einfachen Einblicke in ein normales Großstadtleben herrlich bodenständig und erfrischend.

Hundehaufen, Eckkneipen, Rüpel

Hier begegnet einem noch etwas vo dem ursprünglich-dreckigen Berlin, vom Leben einfacher Arbeiter, Sozialverdrängter oder eher schnöder Menschen. Noch gibt es die Flecken in Neukölln, die an das rauhe und ehrliche Berlin erinnern, was diese Stadt eigentlich so liebenswert macht. Noch gibt es zahlreiche Hundehaufen, Eckkneipen, Rüpel und nicht immer hübsch gekleidete Menschen auf der Straße zwischen den Hippen und Zugezogenen.

„Ick hab ja nüscht je‘en Fremde, aber die meisten Fremden sin ehmt nich von hier!“ prostet einem Kalle vom Eck versöhnlich zu. Hannemanns Streifzüge sind leichtfüßig wie ein entspannter Spaziergang von einer Neuköllner Eckkneipe zur nächsten, voller komischer Szenarien. So schwingt man sich behende von einer amüsanten Geschichte zur nächsten. Seine ironischen und gesellschaftskritischen Betrachtungen sind oft von einer philosophisch-melancholischen Grundstimmung getragen, aber bleiben mit viel Humor immer am Boden Neuköllner Tatsachen kleben.

Ulli Hannemann, „Neukölln, mon amour. Anekdoten vom Boden der Tatsachen“, Ullstein Verlag, 8,99 Euro.

Eine Online-Leseprobe gibt es hier. Eine Leseprobe offline gibt es heute am 5. November. um 20:30 in der Yuma Bar, Reuterstraße 63.

 

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