von am 28. Juni 2014
Blue Whale, Foto: Julia Lohmann Garcia

Blue Whale, Foto: Julia Lohmann Garcia

Die New Yorker Malerin Catherine Traykovski hat mit Kindern aus dem Reuterkiez einen Workshop veranstaltet. Seit Freitag sind die entstandenen Kunstwerke  im Campus Rütli ausgestellt. Ein Gespräch über nachhaltige Meereskunst, beruhigende Meditation und den kindlichen Umgang mit Wissenschaft.

Text: Julia Lohmann Garcia

Ein Holzschiff mit einem großen Segel wird von einer Meerjungfrau begleitet und ein Wal taucht in die Tiefe mit seinem Säugling. Wir schwimmen zwischen bunten und lustigen Fischen, während die Pflanzen im Meeresboden zur musikalischen Komposition, Oceanophony(2002), von Bruce Adolphes tanzen.

Weit entfernt vom Ozean befindet sich die Temporäre Galerie in der Quartiershalle auf dem Campus Rütli in Neukölln. Hier wurde Anfang Juni der zweite Teil der Ausstellungsreihe „Transformation“ eröffnet. Die Serie entstand im September 2013 und beschäftigt sich mit Bildender Kunst und Wissenschaft.

Meditation unterm Stoff-Wal

TRANSFORMATION II hat zwei Künstler-Paare aus verschiedenen Kontinenten und unterschiedlichen Generationen zusammengebracht, um deren Werke zum Thema Recycling zu exponieren. Außerdem haben die Künstler für Kinder und Jugendlichen aus dem Jugendclub Manege und der Gemeinschaftsschule aus dem Campus Rütli Workshops durchgeführt. Die daraus entstandenen Objekte sind seit Freitag in die Ausstellung integriert, die nun auch für eine breitere Öffentlichkeit ihre Tore öffnet.

Catherine Traykovski , Foto: Julia Lohmann Garcia

Catherine Traykovski, Foto: Julia Lohmann Garcia

„Die Kinder waren anfangs ziemlich aufgeregt. Dan und ich haben mit ihnen deswegen eine Art ‚Meditation‘ unternommen. Wir haben sie unter den großen Stoff-Wal gesetzt und Meeresgeräusche mit unserem Mund nachgemacht, um sie zu entspannen und auf den Workshop einzustimmen. Anschließend habe ich ihnen Blocks und Pastellfarben gegeben“, erzählt Catherine Traykovski über ihren Workshop, den sie mit ihrem besten Freund, Dan Welden, für die Kinder im Reuterkiez gestaltet hat.

Projekte mit Kindern aus der Bronx

Die New Yorkerin ist sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Sie freut sich, dass es den jungen Teilnehmern Spaß gemacht hat, über das Verhältnis von Kunst und Umwelt nachzudenken. Es ist nicht das erste Mal, dass sie so ein Projekt mit Kindern unternimmt. Traykovski arbeitet seit zwei Jahren mit Kindern aus bildungsfernen Familien in der New Yorker Bronx, unter anderem organisiert und begleitet sie Ausflüge ins Naturkundemuseum. „Kinder müssen manchmal raus aus den Klassenräumen. Ich möchte ihnen die Ozeane, Tiere und Pflanzen näherbringen. Viele sind nie selbst geschwommen oder haben nicht die Gelegenheit ins Museum zu gehen und etwas über Wissenschaft zu lernen“, sagt sie.

Die 75-jährige Künstlerin malte schon immer Naturmotive und spezialisierte sich später auf das Meer. Sie besucht oft Aquarien und ozeanographische Forschungsinstitute, um sich mit Meeresbiologen zu unterhalten und sie über die Fauna in der Tiefe zu befragen. Für die auf dem Campus Rütli ausgestellte Serie „Bioluminescence: Saving the Ocean Deep“ bat Traykovski eine Taucherin, ihr Fotos von Tauchgängen zu schicken, um sich von ihren Bildern inspirieren zu lassen. Anschließend hat sie Quallen, Seepferdchen, Delphine und Papageifische gemalt und diese mit dem von Dan Welden entwickelten Solarplate-Verfahren gedruckt. Für dieses Druckverfahren werden keine chemischen Säuren oder Lösungsmittel benötigt, sondern lediglich Sonnenlicht und Leitungswasser. Somit kann sich der Künstler schützen und gleichzeitig umweltfreundliche Werke erschaffen.

„Alles, was ich mache, ist grün“

Traykovski legt hohen Wert auf das Wiederverwerten von Abfallprodukten in der Kunst. Die Naturschutzorganisation WWF behauptet, dass rund 80 Prozent der Ozeanverschmutzungen durch Aktivitäten an Land verursacht werden. Die Malerin beunruhigen die riesigen Müllteppiche auf der Wasseroberfläche der Meere, die aus Plastikmüll entstehen und vom Weltraum aus zu sehen sind. Sie malt daher mit selbstgemachten Pinseln und druckt auf Evolon®AP, ein aus recycelten Plastikflaschen hergestelltes, textiles Kunstpapier.

„Alles, was ich mache, ist grün. Es entsteht kein Abfall und die Reste hebe ich auf und benutzt sie für Collagen“, erklärt sie und fügt hinzu: „Deswegen ist es mir so wichtig mit Kindern zu arbeiten. Die Erwachsenen und die ältere Leute, wie ich, können ihnen zeigen wie man mit unserer Umwelt umgeht. Ihnen gehört die Zukunft und ich habe ein gutes Gefühl, dass es besser werden wird“, meint Traykovski.  Von ihrer positiven Energie können sich die Besucher noch bis zum 3. Juli überzeugen.

REU-N, TRANSFORMATION II, Birgit Auf der Lauer & Caspar Pauli, Catherine Traykovski, Temporäre Galerie in der Quartiershalle Campus Rütli, Rütlistraße 35, Sa 11:00-19:00, So 11:00-19:00, außerhalb des Festivals bis zum 3. Juli 2014, Montag-Freitag, 11:00-19:00 Uhr

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