von am 15. Oktober 2016
Ausschnitt aus Agnieszka Zak-Bielowas "Merry go round VI" (Foto: Jana Völker)

Ausschnitt aus Agnieszka Zak-Bielowas „Merry go round VI“ (Foto: Jana Völker)

Im Neuköllner Leuchtturm werden zur Zeit ausgewählte Werke von renommierten polnischen Künstlerinnen gezeigt. Diese Ausstellung kommt genau zur richtigen Zeit.

Von Jana Völker

Seit etwa zehn Jahren bietet der Neuköllner Leuchtturm Platz für Kunst in allen Formen. Mit der aktuellen Ausstellung, für die Berliner Galeristin Dorota Kabiesz als Kuratorin verantwortlich ist, haben malerische und grafische Kunstwerke von zehn richtungsweisenden polnischen Künstlerinnen vorübergehend Einzug gehalten.

Barbara Gebczak, Justyna Kabala, Maria Kiesner, Berenika Kowalska, Magdalena Laskowska, Julita Malinowska, Bozka Rydlewska, Agnieszka Sandomierz, Agnieszka Zak- Bielowa und Iwona Zawadzka sind in der jüngeren und mittleren Generation der polnischen Kunstszene längst etabliert und präsentieren nun auch in Neukölln ihre farbenfrohen Werke. Es handelt sich überwiegend um Malereien, die sich einreihen in grafische Arbeiten und Kompositionen aus verschiedenen Materialien.

Ausstellungsansicht von Werken der Künstlerin Maria Kiesner (Foto: Jana Völker)

Ausstellungsansicht von Werken der Künstlerin Maria Kiesner (Foto: Jana Völker)

Alle Künstlerinnen eint die Stadt Warschau, zu der sie jeweils einen ganz individuellen Bezug haben. Ähnlich wie Berlin ist Warschau heute eine Metropole der Kunst und eine Inspiration für viele. Die Kuratorin Dorota Kabiesz ist seit vielen Jahren in der polnischen Kunstszene aktiv und vermittelt uns mit ihrer Ausstellung greifbar, dass heute „mehr und mehr der besten Plätze unter den zeitgenössischen polnischen Künstlern von Frauen besetzt werden“.

Mehr als Glitzer

Ein echter Augenfang der bunten Ausstellung ist Agnieszka Zak-Bielowas Darstellung eines Kettenkarussells. Die Künstlerin verbindet in ihrem Werk glitzernde Pailletten mit klassischer Ölmalerei und greift das Kettenkarussell auch in vielen anderen Werken wieder auf.

Agnieszka Zak-Bielows, die in Warschau lebt und arbeitet, hat ihre Werke bereits im Rahmen von über 20 Einzel- und Gruppenaustellungen präsentiert. Außerdem hat sie sich auch akademisch den Künsten gewidmet und befindet sich derzeit im dritten Jahr ihres Promotionsstudiengangs an der Akademie der Künste von Warschau.

Unfreiwillig politisch

Ohne es zu beabsichtigen trifft die Ausstellung „Warschau ist feminin“ einen politischen Nerv. Während die Werke polnischer Künstlerinnen ihren verdienten Platz in Berlin und der Welt finden, demonstrieren Frauen in Polen gegen ein allumfassendes Abtreibungsverbot. Die Aktualität der Debatte wird wie von allein durch das Renommee der Frauen in der polnischen Kunstszene und ihrer Werke unterstrichen. Außerdem feiert die Nationen Polen und Deutschland in diesem Jahr das 25-jähirge Bestehen ihres Nachbarschaftsvertrages. Genauso alt ist auch die Städtepartnerschaft zwischen Warschau und Berlin.

Kunst und Kiezkultur

Im Leuchtturm des Körnerkiez‘ erwartet einen eine ansprechende Ausstellung, die auch Kunstbanausen begeistern kann. Denn mit Szenen wie auf Julita Malinowskas ‒ durch den grauen Hintergrund herrlich verfremdeten und trotzdem noch realitätsnahen ‒ Strand-Malereien samt sonnenbadenden Urlaubern kann sich jeder identifizieren. Zudem besteht die Chance auf eine gepflegte Portion Gesprächskultur. Wer Kunst nicht nur bestaunen, sondern sich auch darüber austauschen möchte, der ist auf den gemütlichen Sitzkissen im Ausstellungsraum bestens aufgehoben.

Der Neuköllner Leuchtturm zeigt aber nicht nur Kunst, sondern ist auch gelebte Kiezkultur: Hier trift sich zum Beispiel auch regelmäßig das Team des Mentorenprogramms für Jugendliche der Bürgerstiftung Neukölln. Und ganz nebenbei wird hier Lust auf einen Galerien-Trip nach Warschau gemacht.

Die Ausstellung „Warschau ist feminin“ kann noch bis zum 22 Oktober im Neuköllner Leuchtturm besichtigt werden.

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