von am 21. Dezember 2011

Florian Reischauer zeigt auf seinem Foto-Blog “Pieces of Berlin” die Ecken und Kanten der Stadt und ihrer Bewohner. Für neukoellner.net hat er erneut einige Fotos und Bordsteinweisheiten aus Neukölln ausgesucht.

Zum dritten Mal präsentieren wir heute einige Bilder von Florian Reischauer, der auf seinem Blog “Pieces of Berlin” Menschen von der Straße porträtiert. Kein hipper Fashionblog, sondern ehrliche Gesichter aus der ganzen Stadt. Der erste Teil des Beitrags lässt sich hier nachlesen, der zweite hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

der walter

walter; 68; rentner und “aktenzeichen xy … ungelöst” komparse;
der ur-britzer walter lebt seit 60 jahren hier im kiez.
aber es hat schon mal mehr spaß gemacht in dieser gegend,
meint er. die geschäftsläden gehen rapide nieder,
die ärzte werden weniger und ein dramatisches soziales gefälle
ist in den letzten jahren entstanden.
dazu schmerzt es dem walter gehörig, dass alles so anonym und kalt
geworden ist. früher kannte man sich noch im haus,
jetzt macht jeder seinen kram und man ignoriert sich gegenseitig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die isabel

isabel; 29; studentin und sozialarbeiterin;
die isabel kommt aus dem ruhrpott und lebt seit 4 jahren
in berlin. was sie hier besonders mag, ist das kommen und
gehen der leute, das macht für sie die stadt so richtig dynamisch.
und eine alternative zu berlin in deutschland, ne, gibt’s nicht.
was der isabel jedoch bitter aufstößt sind die steigenden mieten.
freunde von ihr suchen grad wohnung und unter 300€ bekommt
man ja gar nix mehr! “oase berlin…wie lange noch???”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

das bärchen und der lutz

bärchen; 52; tätowiere;
lutz; 55; frührentner;
den beiden gefällt schon lange nix mehr an berlin.
alles wird schlechter, sagt der lutz, und am meisten
nerven die vielen einwanderer. “ich hab schon angst, dass ich
in 20 jahren als deutscher aus berlin rausgeschmissen werde.
aber man spricht ja nicht gern darüber,
weil dann ist man gleich rechts oder ein nazi”
um dem blöden berlin den rücken zu kehren fühlt sich
der lutz aber schon zu alt. würde er 30 jahre jünger sein
würde er vielleicht nach italien oder spanien auswandern.
wenigstens schmeckt aber der döner ja augenscheinlich noch hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die amira

amira; 20; auf jobsuche;
die gebürtige berlinerin spaziert gern im friedrichshainer
volkspark rum. mit dabei ist da auch immer ihre katze delal.
“in berlin ist für jeden was dabei, und das multikulti find ich schön!”
was die amira jedoch nicht so schön findet: dass es so viele
hartz4er und obdachlose gibt, und die stadt sich nicht darüm kümmert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

der dieter

dieter; 68; renter;
der ehemalige staplerfahrer dieter mag alles an berlin ein bißchen,
nichts aber mag er richtig gern.
er trinkt mit freude kaffee und ist zufrieden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

a piece of rixdorf

Alle Fotos ©Florian Reischauer

 

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