von am 21. August 2016

pop-kultur-international-neukoellnEnde August bringt die Pop-Kultur ein hochkarätiges und breit gefächertes Musikspektrum abseits des Mainstreams nach Neukölln. Die Festivalmacher haben lieber international nach Perlen aus den einzelnen Szenen gefischt, statt die ganz großen Namen herzuholen. Doch auch das Rahmenprogramm des Festivals kann sich sehen lassen. Neben der Musik steht der interdisziplinäre Austausch im Vordergrund: Talks, Lesungen, Filmvorführungen, künstlerische Performances und ganz wichtig die Förderung junger Talente. Hier eine kleine Vorauswahl.

Die Liste der von Depressionen geplagten Musiker ist lang. Dementsprechend geht es am 31. August im Passage Kino mit einem ernsten, aber umso interessanterem Thema los: Tobias Bamborschke, Sänger und Texter der Band Isolation Berlin, und die Autorin und Journalistin Kathrin Weßling sprechen über „Pop & Depression„.
Pop & Depression: 31.08 / 21.40 – 22.20 /

Nicht weniger düster dürfte der Vorab-Auftritt der schottischen Band Mogwai werden sicherlicher eines der Highlights des Festival: Mit „Atomic“ vertont die Band live und als deutschlandweite Premiere die gleichnamige BBC-Dokumentation über Nuklearenergie und ihre Gefahren. Mogwai war dafür zusammen mit dem Filmteam unter anderem im japanischen Hiroshima. Aber Achtung! Für diese Preview müsst ihr ausnahmsweise den Bezirk verlassen, das Filmkonzert findet im Admiralspalast statt.
Mogwai play Atomic: 30.08. / 20.00 /

Das erste große Neukölln-Heimspiel werden Brandt Brauer Frick am ersten Festivaltag geben. Im Huxleys wird das Trio zusammen mit Beaver Sheppard auftreten und einige neue Stücke präsentieren (zum Interview). Abgerundet wird der Abend mit einem DJ-Set von Metronomy-Sänger Joseph Mount.
Brandt Brauer Frick: 31.08.16 / 20.40 – 21.40 /

Lebende Legende der Protest-Musik, Heldin des Anatolien-Rocks, Juwel des Psychedelic-Folk – die türkische Sängerin Selda Bağcan hält all diese Label aus. Denn eines ist sie immer geblieben: eine mutige Volksmusiksängerin. Und sie ist lauter als je zuvor. Auf der Pop-Kultur gibt sich Bağcan mit der israelischen Surfrock-Band Boom Pam die Ehre.
Selda Baǧcan & Boom Pam: 01.09 / 20.20 – 21.40 /

Jemenitische Folklore mit einem Schuss Zeitgeist einmal kräftig in der Soundschleuder gedreht: So kann man sich den Style und die Musik der drei Schwestern von A-WA vielleicht vorstellen. Mit ihrer eigenwilligen Interpretation der alten Volksgesänge haben A-WA den ersten arabischsprachigen Nummer-1-Hit in Israel gelandet und haben sich längst darüber hinaus einen Namen gemacht. Davor gibt es Tuateg-Rock von Imarhan und die Stimme von ESKA zu hören, die bereits mit Bobby McFerrin und Grace Jones zusammengearbeitet hat.
A-WA: 01.09. / 21.00 – 22.00 /

Mit einem Feuerzeug ging es los mit seiner Sammelleidenschaft. Nicht ganz unwichtig zu erwähnen ist natürlich dessen Vorbesitzer: Kurt Cobain. In „For Those About To Rock – Artefacts From The Scott King Collection“ können insgesamt 437 seltenen Pop-Exponate bewundert werden. Die Ausstellung wird am 1. und 2. September im Vollgutlager zu sehen sein.

Das Feuerzeug des Nirvana-Frontmannes, dass er 1989 auf einem Berlin Konzert ins Publikum warf, ist auch Ausgangspunkt für den Film „Kurt’s lighter“, der sich mit der Fetischisierung von popkulturellen Objekten auseinandersetzt. Der Film wird an beiden Tagen der Vollgutlager-Ausstellung jeweils um 14:30 Uhr gezeigt.
Artefacts From The Scott King Collection: 01.09. – 02.09. / 14.30 – 17.00 /

„Wo Punk und Gospel sich treffen“: Ein Geheimtipp sind Algiers seit ihrem gleichnamigen Debütalbum von 2015 nicht mehr wirklich. Zusammen mit dem Neuzugang und Ex-Bloc-Party-Schlagzeuger Matt Tong kommen die drei Bandgründer aus Atlanta, Georgia mit ihrer experimentellen Stilmischung nun zu viert nach Neukölln.
Algiers: 02.09. / 21.00-22.00 /

Das britische Magazin Dazed & Confused hat sie als „London’s most badass girl“ betitelt: Skinny Girl Diet sind die Schwestern Ursula und Deliah Holliday, die zusammen mit Cousine Amelia Cutler – noch ein Familien-Kollektiv – den Punk zurück in die die britische Hauptstadt gebracht haben – dreckig und feministisch. Auf der Pop-Kultur geben die Riot Grrrls nun ihr erstes Deutschland-Konzert.
Skinny Girl Diet: 01.09. / 22:00-01:00 /

Mit seinen bedingungslos ehrlichen und unprätentiös treffenden Konzertkritiken/Popanalysen ist Jens Balzer in der Musikkritiker-Szene selbst schon ein heimlicher Star. Sein aktuelles Buch widmet sich dem Phänomen „Pop“ als „Panorama der Gegenwart“. „Balzer beschreibt, was im Echoraum des Pop mit dem Subjekt im digitalen Neoliberalismus geschieht, wie es zerbricht und wieder zusammengesetzt wird, wie Musik wiederum eingebaut wird ins Subjekt, das mit den Widersprüchen seiner Bedingungen fertigwerden muss„. Das Buch dürfte gute Chancen auf das Prädikat Standardwerk haben. Im Prachtwerk wird Balzer zusammen mit der Co-Expertin Jenni Zylka die Sonnen- und Schattenseiten der Pop-Musik ergründen.
Jens Balzer & Jenni Zylka: 02.09. / 17.40-18.30 /

Die personifizierte Melange aus Pop und Neukölln, die Madonna Neuköllns, darf natürlich nicht fehlen: Simi Will zieht für das Festival mit ihrer Show ausnahmsweise vom Valentin Stüberl ins Prachtwerk. Zum Thema „Wer süchtelt, der findet – über den Zusammenhang von Sucht und Ordnung“ spricht sie mit ihren Gästen Eva Löbau, „Tatort“-Kommisarin, und Blogger Christian Brandes, bekannt als Schlecky Silberstein.
Simi Will: 02.09. / 22.30-00.00 /

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Ein Kommentar:

  • aron sagt:

    A-WA rockt. Lang vor den drei israelischen Schwestern hat aber schon Ofra Haza, ebenfalls eine jeminitisch-israelische Jüdin, auf Arabisch gesungen.

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