von am 29. Juni 2014

MuttersCourage_1Passend zum Festivalthema führt die Theaterschule Rixdorf das Stück „Mutters Courage“ von George Tabori auf. Regisseur Hardy Kistner macht aus dem Mehrfigurenwerk eine gefühlvoll-humoristische Zwei-Mann-Inszenierung.

Mut hat nicht jeder und schon gar nicht in jeder Situation. Doch die jüdische Mutter in George Tandoris Theaterstück „Mutters Courage“, inszeniert von Hardy Kistner von der Theaterschule Rixdorf, bringt ihn in Gegenwart eines deutschen Offiziers, als sie sich auf dem Weg nach Auschwitz befindet. Die furchtlose Frau behauptet einfach, dass sie einen Schutzpass habe und dieser es verbiete, sie zu deportieren. Die Lüge fliegt nicht auf und letztlich kommt sie bei ihrer Schwester unter, mit der sie zum Romméspiel verabredet ist.

Anke Carraro-Walter spielt erstmalig die Mutter, ohne Patzer und mit viel Glaubwürdigkeit. Man nimmt ihr die Rolle der alleinerziehenden Frau ab, die trotz ihrer Deportierung ins KZ, ihren jüdischen Humor nicht verliert und kühn, würdevoll und stets höflich die Begegnung mit den Nazis meistert.

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Anke Carraro-Walter und Sven Sprenger von der Theaterschule Rixdorf in George Taboris Theaterstück „Mutters Courage“.

Mit damenhafter Ruhe die weißen Handschuhe ausgezogen

Erzählt wird die Geschichte, die sich nur über einige Stunden hinzieht, aus der Perspektive eines personellen Erzählers (Sven Sprenger), der auch zugleich in die Rolle des Sohnes schlüpft. Eigentlich ist das Stück für mehr Figuren ausgelegt, doch Regisseur Kistner hat alles auf eine Zwei-Personen-Handlung ausgelegt. Das gelingt. Die Facetten der Charaktere können sich voll entfalten und niemand bleibt unberührt.

So läuft die die Begegnung mit den Nazis eher am Rande. Vielmehr liegen die Details der Handlung auf der Gefühls- und Gedankenebene der Hauptfigur. Wie sie etwa liebevoll ihre Handtasche mit Utensilien füllt, wie ein verzweifelter Mitdeportierter sie im überfüllten und stinken Viehwaggon vergewaltigt oder wir sie bei ihrer Schwester, endlich angekommen, mit damenhafter Ruhe, ihren schwarzen Hut absetzt und die weißen Handschuhe auszieht.

Musikalisch begleitet wird das Stück von der Sängerin Dragana Kistner und dem Pianisten Efgeny Nikiforov.

Regisseur und Leiter der Theaterschule Rixdorf Hardy Kistner im Interview mit neukoellner.net:

RIC-11, die nächste Vorstellung “Mutters Courage“ ist am Sonntag, 17 Uhr, am Richardplatz 18.

 

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