von am 24. Juni 2014
Verschleierte Frau mit Medaille

Foto: Feriel Bendjama

„Courage“ ist das Thema der diesjährigen 48 Stunden Neukölln. Das Studio Chérie hat dazu einen Fotowettbewerb ausgerufen und zeigt die Ergebnisse während des Festivals am kommenden Wochenende.

Wer schon einmal versucht hat, ein Foto von einem fremden Menschen zu machen, weiß: Fotografie erfordert Mut. Mut auf Menschen zuzugehen, etwas aus ihnen herauszulocken und ihnen in brenzligen Situationen zu folgen. Sicher, auch die Alltagsfotografie hat ihren Reiz. Aber für den Betrachter muss dieser besondere Moment eingefangen sein, der die Aufnahme magisch werden lässt.

„Mach sichtbar, was vielleicht ohne dich nie wahrgenommen worden wäre“, sagte der Filmemacher Robert Bresson einmal. Doch nicht nur im Gegenstand liegt die Herausforderung für den Fotografen. Er muss sich die Technik suchen, mit der er die besten Ergebnisse erzielt, eine Sparte besetzen und in der Lage sein, sich und seine Bilder zu vermarkten. So steht ein junger Fotograf am Anfang seiner Karriere vielen Herausforderungen gegenüber.

Ausstellung zu „48 Stunden“

Mit einem Fotowettbewerb will das Studio Chérie junge Talente ermutigen, ihr Ziel zu verfolgen und ihnen eine Plattform bieten, um ihre Arbeit öffentlich zu präsentieren. Die zehn Gewinnerbeiträge werden am kommenden Wochenende während 48 Stunden Neukölln ausgestellt. Auch das Thema „Courage“ entspricht dem Stichwort, unter dem das Festival in diesem Jahr läuft. „Das war jedoch reiner Zufall“, sagt Kristine Alksne. Die Künstlerin arbeitet als Art Director für Studio Chérie, das hauptsächlich ein Fotostudio ist, das man mieten kann. Regelmäßig finden hier aber auch Ausstellungen, Konzerte und Performances statt. Der Wettbewerb soll ab sofort jährlich stattfinden, jeweils mit einer Ausstellung während 48 Stunden Neukölln. Das Thema muss sich aber nicht zwingend mit dem des Festivals überschneiden.

Nackte Frau mit Helm

Foto: Serena Salvadori

Ob die Ausrichtung eines solchen Wettbewerbs auch von ihr persönlich Mut erforderte? „Ja“, sagt Kristine Alksne, „denn ich habe nicht damit gerechnet, dass es so viel Arbeit werden würde. Insgesamt habe ich sicher drei bis vier Monate hineingesteckt.“ Schwierig sei etwa gewesen, den neuen Wettbewerb überhaupt erst bekannt zu machen. Alksne wollte unter anderem gezielt Künstler aus der Nachbarschaft ansprechen, um zu zeigen, wie viele Fotografen rund um das Studio Chérie arbeiten. Dabei sei sie auf Sprachbarrieren gestoßen. Da die Lettin nicht Deutsch spricht, war der Kontakt nicht immer einfach.

Leichter fiel Alksne die Zusammenstellung der Jury. Zuerst fragte sie Maxime Ballesteros, ob er sich als Jurymitglied beteiligen würde. Den Modefotografen kannte Alksne bereits. Nach seiner Zusage kontaktierte sie andere, mit denen sie vorher nicht in Kontakt war. Auch sie hatten Lust auf dieses Projekt. Neben Ballesteros besteht die Jury nun aus Sven Ehrmann vom Gestalten Verlag, dem Galeristen Pierre André Podbilski, der Kuratorin und Kunstkritikerin Tina Sauerländer und dem Fotografen des ZEIT-Magazins Christoph Neumann. Die Besetzung soll allerdings jedes Jahr wechseln.

Fokus auf die Geschichten der Bilder

Foto: Giacomo Cosua

Aus allen Einsendungen trafen Alksne und ihr Team eine Vorauswahl, die sie der Jury präsentierten. „Da wurde heiß diskutiert“, erinnert sich die Lettin. Kein Wunder, schließlich haben alle deutlich unterschiedliche Hintergründe und Zugänge zur Fotografie. „Ihnen ging es weniger um die Technik, als um die Geschichte, die sich darin verbirgt.“ Schließlich konnte sich die Jury auf zehn Gewinner einigen, die sich dem Thema Courage auf verschiedene Weisen annehmen. Jeder von ihnen wird mehrere Bilder bei der Ausstellung zeigen. Dazu wird es Texte geben, die den Ansatz der Fotografien und ihre Entstehung erklären.

Außerdem startet Studio Chérie zu 48 Stunden Neukölln eine Online-Galerie, über die man Fotografien kaufen kann. Sie wird mit etwa zehn Künstlern starten. Einige von ihnen haben am Wettbewerb teilgenommen, andere bereits im Studio Chérie ausgestellt oder dort gearbeitet.

Den Wettbewerb „Courage“ kann man über Startnext finanziell unterstützen. Die Kampagne läuft nur noch heute. Unter anderem fließt das Geld in die Ausrichtung der Ausstellung und in Preise für die Gewinner.

Fotoausstellung „Courage“
mit Arbeiten von Berta Katona, Eric Mitjans, Feriel Bendjama, Franziska Hauser, Giacomo Cosua, Lourens Samuel & Nick Lapien, Li-Han Lin, Mickaël Merchand, Sandra Wolfer, Serena Salvadori und Steffi Loos
Studio Chérie
Hobrechtstr. 65/66, 4. OG
Vernissage am 27. Juni, 19 Uhr. Ausstellung geöffnet am 28. und 29. Juni, jeweils 14.00 – 02.00 Uhr.
www.studiocherie.net

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