von am 26. Juli 2011

Wenn Jesse Scott die Neuköllner H&M-Filiale mit seinen großflächigen Graffitis verziehrt, dann sieht sogar die Polizei fast tatenlos zu.

Das schlechte Wetter und die viel zu niedrigen Temperaturen wären Grund genug, dass an diesem klammen Juliabend nichts passiert in der Karl-Marx-Straße, Ecke Werbellinstraße. Noch um 22.55 Uhr deutet nichts darauf hin, dass hier irgendetwas stattfindet. Nur ein gutes Dutzend versprengter Menschen, die im leichten Regen stehen und ab und zu hinauf zur Fassade der Neuköllner H&M-Filiale sehen, kündigen das Erscheinen von Jesse Scott an.

Um punkt 23 Uhr geht dann alles ganz schnell. Jesse Scott kommt mit einem Lastenfahrrad um die Ecke gebogen, parkt sein mobiles Street-Art-Projekt auf dem Bürgersteig, klappt einen Laptop auf und schaltet die Musik ein. Old-School-Hip-Hop tönt aus den Lautsprechern. Ein Projektor wird mit dem Laptop verbunden und schon malt Jesse Scott das erste Graffitti-Tag an die H&M-Fassade. Ganz legal und einfach zu entfernen, denn die großen roten Buchstaben auf dem Gebäude sehen zwar aus, als hätte jemand mit Farbe die Wand beschmiert, es handelt sich jedoch lediglich um eine Projektion.

Bereits im Jahr 2008 beginnt Jesse Scott mit Licht-Graffitis zu experimentieren. Im März diesen Jahres präsentiert er einen mobilen Projektionsapparat, den er Light Rider nennt, erstmals ganz offiziell beim Urban Art Festival Street Lab, das unter anderem im Heimathafen Neukölln stattfindet. Jetzt ist Scott soweit, dass sein „Light Rider“ in Serie gehen kann. Die Anstoßfinanzierung soll über Fundraising im Internet gestemmt werden.

Eine gute halbe Stunde tobt sich Jesse Scott und jeder, der den Light Rider einmal ausprobieren möchte, an der H&M-Fassade aus. Dann wird die Aktion von drei Mannschaftswagen der Polizei beendet. Die Beamten sind sichtlich verwirrt bis sie endlich verstehen, dass beim Blitztaggen keinerlei Schaden angerichtet wird. Aufgelöst wird die Versammlung der Street-Art-Jünger vorsichtshalber trotzdem.

 

3 Kommentare:

  • C3MY sagt:

    Hi! Schöne Aufnahmen von der Aktion und gut, dass auch der Auftritt der Polizei dokumentiert wurde! 🙂
    Noch besser wär es gewesen zu erwähnen, dass das der Light Rider nicht von einer einzelnen Person ins Leben gerufen wurde sondern von der Gruppe/dem Kollektiv Graffiti Research Lab Germany (www.graffitiresearchlab.de).
    Letzten Freitag war bereits die vierte Aktion, die wir entlang der Karl-Marx-Straße gemacht haben. Weitere werden im September folgen…
    Beste Grüße, C3MY von GLR Germany

    PS: Danke für den Hinweis auf unsere Crowdfunding Kampagne! Wir brauchen tatsächlich dringend noch Unterstützung! http://www.startnext.de/light-rider

  • Agent Scott sagt:

    hey Alex…

    thanks again. there was someone with your crew – maybe you ? – that mentioned to me at the end of the night that they had an identical bike to ours… if you know who that is, can you have them get a hold of us asap?
    Email is on our kontackt page…

    peace/war

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.