von am 29. Juni 2014

Nudismus_1Zu seiner Nacktheit stehen oder sich für sie schämen? Diesen Fragen geht die Künstlerin Samria Akhavan in ihrer Ausstellung „Gymnophobia – Angst vor der Nacktheit“ nach. Um die Ecke stellen psychischkranke junge Erwachsen aus der sozialen Einrichtung „Kunst und Keks“ ihre Bilder zur Schau, die auch zum Verkauf stehen.

Kleider und Röcke aus Luftpolsterfolie oder aus quadratischen Plexiglasplatten. Durchsichtig, ästhetisch, kurz und dennoch tragbar. Das beweist die Berliner Künstlerin Samira Akhavan mit ihrer Ausstellung „Gymnophobia – Angst vor der Nacktheit“ in der Weserstraße 50, die ein Model in ihrer „luftigen Kunstmode“ abgelichtet hat. Die Originalobjekte hängen an Nylonfäden oder an Schneiderpuppen. Einfache Materialien hat Akhavan verwendet wie grauen Stretch- oder cremefarbenen Leinenstoff, der sich zu einem Bandeau binden.

Doch die Künstlerin will keinen neuen Modetrend mit außergewöhnlichen Schnitten und Stoffen setzen, sondern geht in ihrer Ausstellung den Fragen nach: Wo fängt Nacktheit an? Wie hoch ist dann mein Schamgefühl? Muss ich mich überhaupt schämen? Bedeckt Kleidung nur? Oder deckt sie auf, wer wir sind?

Durchaus hätten mehr Exponate in dem gekachelten Raum zur Schau gestellt werden können. Auch wenn Akhavan ihre Kunst nicht für den Gebrauch geschaffen hat, möchte man das eine oder andere Kleidungsstück bei ihr in Auftrag geben, und es dann an einem sehr heißen Sommertag in der Stadt tragen.

Werkeln mit Holz, Pappe und Backteig

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Eines der insgesamt acht Bilder, die auch zum Verkauf in der sozialen Einrichtung „Kunst und Keks“ hängen.

Das Projekt „Kunst und Keks“ in der Wildenbruchstraße richtet sich dagegen an psychisch- und suchtkranke junge Erwachsene. Allerdings kann man sich diese Kunst nur in Form von Bildern an die Wand hängen. Acht Werke von Betroffen sind zu sehen, die man auch käuflich erwerben kann. „Es ist für diejenigen, die zu uns kommen, sehr wichtig, etwas zu arbeiten. Und das können sie am besten, wenn sie kreativ sind“, sagt die Leiterin Christina Koop.

Dabei fallen die Materialien unterschiedlich aus: Holz, Pappe, Papier, Kunststoff, Wolle, Stoff, Leinwand, Farbe und sogar Backteig. Neben der Werkstatt gibt es auch eine Küche, in der diverse Kekssorten gebacken und anschließend für eine geringe Summe verkauft werden. „Die Betroffenen verbinden mit dem Backen oft eine sehr schönes, gar heimeliges Gefühl. Einige erinnert es sogar an ihre Kindheit oder an die Oma“, ergänzt Koop.

Zur Zeit arbeiten 30 Leute in den sozialen Einrichtung, die von dem Erlös der verkauften Handwerksarbeiten bezahlt werden.

WILD-09, Gymnophobia – Angst vor der Nacktheit, Weserstraße 50, So 14:00 bis 19:00 Uhr.

WILD-B, Kunst und Kekse, Wildenbruchstraße 82, So 14:00-19:00 Uhr.

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