von am 10. Dezember 2014

Landschaft2_JuliaLohmannGarciaEine begehbare Installation macht aus den Ausstellungsräumen im Saalbau einen zusammenhängende Erlebniswelt. Die Künstlerin Gaby Taplick beschäftigt sich in ihren Werken mit dem Thema Nachhaltigkeit und lädt die Besucher zum Mitmachen ein.

„Und wie essen Sie Ihren Eierkuchen?“, fragt die Kuratorin die Besucher, während sie gemeinsam auf das Signal warten. Der Geruch geschmolzener Butter kriecht einem leicht in die Nase. Nachdenkliche Blicke schweifen durch den Raum und Erinnerungen an die Kindheit werden wachgerufen. Die Klingel ertönt und die Leute nähern sich gespannt der aus Holz und Pappe gebauten Eierkuchenfabrik.

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Gespannte Blicke auf die Eierkuchenfabrik

In der Galerie im Saalbau gibt es neben Kunst jetzt auch etwas zum Naschen. Gaby Taplick erregt mit ihrer Ausstellung „In den Raum geflüstert“ viel Neugier. In drei Räumen kann man neben der Eierkuchenfabrik auch fliegende Gegenstände betrachten, durch eine kuriose Landschaft schlendern und in ein Raumschiff steigen.

Kunst zum Erforschen

Gaby-Taplick_JuliaLohmannGarcia

Gaby Taplick

Die 42-jährige Künstlerin aus Delbrück ist zierlich und scheint am Anfang etwas scheu. Allerdings versteckt sich hinter ihrer leisen Stimme der große Wunsch unsere Umgebung zu verändern. Sie möchte mit ihren haptisch erfahrbaren und oft begehbaren Objekten „der sterilen Welt etwas Warmes dazugeben“. Hier stehen keine „Nicht-Berühren“-Schilder, alles kann angefasst und erforscht werden – sie findet es toll, wenn alle angesprochen werden.

Die Gedanken und Inspirationen, die Taplick selbst während ihrer Arbeit durch den Kopf schweifen, sind unwichtig. „Es geht hier nicht, um meine Sicht und was ich darin sehe“, erklärt sie und fügt hinzu: „Wenn sich jemand mit meiner Kunst auseinandersetzt, individuell für sich etwas sieht oder eigene Bezüge herstellen kann, hat es funktioniert.“

„Alles Müll eigentlich“

Fliegende-Objekte_JuliaLohmannGarcia

Fliegende Objekte – aus Müll natürlich

Taplicks Werke entstehen aus gefundenen, von anderen weggeworfenen Materialien. „Genau! Es ist alles Müll eigentlich“, sagt sie und lacht. Sie arbeitet mit Sperrholz, Spanplatten, Furnieren, Stoffen und weiteren unspektakulären alltäglichen Elemente. Einige davon hat sie sich aus eigenen älteren Arbeiten genommen. Man kann also sagen, sie recycelt sogar ihre eigene Kunst. „Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Für mich ist es schon wichtig, dass ich nicht Holz kaufe, solange es Holz auf der Straße gibt.“

Nicht nur in Deutschland befasst sie sich mit Wiederverwertung von Abfällen. Dank eines dreimonatigen Aufenthaltsstipendiums reiste die Künstlerin dieses Jahr nach Seoul und arbeitete dort in einem Atelier, das zum Museum of Modern and Contemporary Art gehört. Sie entdeckte, wie sich an den Straßenrändern Müll von großen Styroporkisten, die man für Lagerung und Verkauf von Fisch benutzte, anhäufte. „Es waren unglaublich viele und ich habe sie nachts gesammelt und dann als Installation in einem Innenhof gestapelt.“

Zum Glück, sind in der Ausstellung im Saalbau die Eier, die Milch, das Salz und das Mehl für den Eierkuchen frisch. Diesen können Besucher jeden Samstag von 15 bis 18 Uhr kosten.

„In den Raum geflüstert“ von Gaby Taplick bis zum 11. Januar. 2015 zu sehen – die Eierkuchenfabrik ist samstags von 15 bis 18 Uhr aktiv.

Galerie im Saalbau
Karl- Marx- Straße 141
12043 Berlin
Di – So 10:00 – 20:00 Uhr

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