von am 30. Juni 2012

Berlin als Anfang eines neuen Lebens: Der schwedische Singer-Songwriter Waldemaar spielt im Loophole ein kleines Abschiedskonzert. Er geht zurück nach Schweden. Vorher gibt’s Geschenke.

Martin Bengtsson steht vor der Tür des Loophole. Es ist warm am Freitagabend in Neukölln und die Leute hängen lieber draußen rum. In einer halben Stunde soll das Konzert beginnen. Noch ist kaum jemand da. Er geht nach hinten und schnappt sich einen Stapel CDs. Damit läuft er nun rum und verteilt sein Album „Schizoelectric“ an die Menschen, die vor den anderen Cafés stehen und rauchen. Das klappt immer, ruft er noch, man muss den Leuten nur was schenken.

Ein Selbstmordversuch beendet die Fußballkarriere

Etwa vier Jahre ist es her, das Martin Bengtsson nach Berlin kam und in die Waldemarstraße in Kreuzberg zog. In seiner Jugend galt er als eines der größten schwedischen Fußballtalente. Doch er ertrug die künstliche Welt des Fußballs nicht. Nach einem Selbstmordversuch beendete er seine Karriere und beschloss, Musiker zu werden. Berlin schien der richtige Ort für ein neues Leben zu sein. Seine Autobiographie ist kürzlich in deutscher Übersetzung erschienen.

Anderthalb Stunden später haben doch ein paar Leute die kleine Bühne direkt neben dem Tresen gefunden. „Hallo, ich bin Waldemaar, mein richtiger Name ist Martin Bengtsson.“ Es ist heiß im Raum. Schon bald läuft ihm der Schweiß übers Gesicht. Später sagt Bengtsson, er habe Angst gehabt, ohnmächtig zu werden vor Hitze.

In ein paar Tagen zieht  er zurück nach Schweden. Vorerst, er will sich als Autor versuchen. Auch das zweite Album der Band ist bald fertig. „Joko“ soll es heißen, ein Discofeeling haben und von kaputter Liebe handeln.

Ein ständiges Reden über den Hype

Bengtssons Lieder sind autobiographisch. Er besingt seine Freunde, sein Leben, sein Leiden. Er besingt seine anderthalb Monate in den USA. „I feel so Swedish in New York.“ Sein Song „The Bohemian“ ist eine Ode an Berlin, die er im Loophole doppelt so schnell wie auf seiner ersten EP spielt. Es rauscht vorbei.

Und natürlich verzichtet er im Loophole auch nicht auf „Hell is in Hello“: „Noisekölln is dying in the noise of Neukölln, Kreuzkölln is dying in a backpack map.“ Hat er den Hype satt? Nein, sagt er, er hat es satt, dass ständig über den Hype geredet wird. Diese Stadt hat soviel Inspiration zu bieten. Natürlich bringt das auch Probleme mit sich. Aber er weiß, was ihm diese Stadt gegeben hat.

Es ist ein kurzes Konzert, hier wo er einst sein erstes Album präsentiert hat. Ihr könnt mein Buch kaufen und meine CD, ruft er ins Publikum. Kurz darauf steht Bengtsson mit der Kiste Bücher und CD’s vor der Tür und redet mit den Leuten. Hier, sagt er zu einem jungen Mann, das ist mein Buch. Verkaufen? Bengtsson macht sich gar nicht erst den Stress. Und schenkt es ihm.

Eine kleine Doku über Martin Bengtsson haben die Kollegen von 11Freunde abgedreht:

 

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