von am 14. Juni 2013

Schwarz-weißer Kater © Timo Hoheisel

Bilder von süßen Katzen sind allgegenwärtig. Der Fotograf Timo Hoheisel dreht die Blickrichtung nun um und lässt die beliebten Samtpfoten im Café im Körnerpark auf die Menschen herunterschauen.

In der Ausstellung Cave Felem im Café im Körnerpark blicken die Katzen auf den Menschen herunter. Majestätisch hängen die überdimensionalen Portraitaufnahmen ernster Fellgesichter über vergoldeten Spiegeln und hellgrauen Stoffsesseln.

Ein schwarzer Kater mit schneeweißem Latz hat die Augen halb geöffnet, die Zungenspitze schaut nachdenklich aus dem Maul hervor. Die Augen des Tieres scheinen dem Betrachter durch den Raum zu folgen, so wie alte Gemäldeportraits in einem Spukschloss.

Und tatsächlich, als der Fotograf Timo Hoheisel durch die Tür des Tierheims kam, wo die Fotos entstanden sind, starrten ihn 120 aufgerissene Augenpaare an. Doch es war vielmehr Timo Hoheisel, der den Katzen einen Schrecken einjagte, weil die Wildkatzen nicht an Menschen gewöhnt sind. Hoheisel, Jahrgang 1980, wollte Katzen ablichten, die den Rest ihres Lebens im Tierheim verbringen werden. Die 60 Tiere gelten alle als unvermittelbar, einige sind entstellt oder verkrüppelt. „So wollte ich sie aber nicht zeigen, sie sollten ihre Würde behalten“ sagt der Fotograf, der in Niedersachsen zu Hause ist und beim Festival in Neukölln ausstellt, um sein Werk zu präsentieren.

Der Fotograf Timo Hoheisel © Timo Hoheisel

Hoheisel wollte die Tiere wie Menschen portraitieren, ein schwieriges Unterfangen: Die Katzen empfanden den Fotografen als Eindringling, der nur aufgrund seiner Körpergröße überhaupt akzeptiert wurde. Ein kleines Fenster und eine Neonröhre waren die einzigen Lichtquellen. Wenn Hoheisel mit seiner Kamera zwei Schritte nach vorne machte, flüchteten einige Tiere instinktartig. Fauchendes Chaos brach aus, eine der Katzen stolperte in einen Wassernapf. Timo überlegte, das Projekt abzubrechen, doch der Raum war warm und so setzte er sich mit seiner Kamera auf den Boden und wartete. Zwei Stunden später hatten sich die Katzen beruhigt.

Entstanden sind sehr ausdrucksstarke Katzenportraits, die beängstigend menschliche Züge tragen. Wem das doch zu gruselig ist, der muss nur einen Raum weiter gehen. Der Betreiber des Cafés im Körnerpark, Uwe Feindt, ist selbst Hobbyfotograf und hat als Erweiterung der Ausstellung eigene Fotos im Nebenraum aufgehangen. Thema: „Hunde in aller Welt“.

Café im Körnerpark (KÖ-06), Schierker Str. 8, Fr 19 – 20, Sa 10 – 20, So 10 – 19

 

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