von am 9. September 2011

Eine neue Kneipe und ein Ausstellungsraum beleben die Emser Straße.

Ein paar fröhliche ältere Herren sitzen mit ihrem Bier auf Plastikstühlen vor der Eckkneipe „Manu’s Inn“. Einige Meter weiter trinken ihre türkischen Kollegen Schwarztee mit viel Zucker vor dem „Café Saray“. So sitzen sie hier jeden Abend beisammen, bei gutem Wetter wie heute draußen, sonst im grellen Neonlicht ihrer Stammkneipen. Biegt man von der Hermannstraße in die Emser Straße ein, findet man sich in einer ruhigen Ecke Neuköllns wieder, nah an der Ringbahn, wo Wohnungen meist noch günstig zu haben sind.

Andy Kania Fotografien

Keine Berührungsängste: Fotografien von Andy Kania.

Doch an diesem Freitag Abend stört eine Menschentraube den gleichmütigen Lauf der Dinge, den diese Straße normalerweise kennt. Vor der Hausnummer 122/123 stehen sie, etwa 30, 40 Menschen, die sich angeregt in kleinen Gruppen unterhalten. Hin und wieder verschwindet einer im Treppenhaus. Links im Erdgeschoss eröffnet der Ausstellungsraum „Der Grieche“ mit einer Fotoserie des Fotografen Andy Kania. Seine Bilder hängen in einer kleinen Wohnung, die zu einem ehemaligen griechischen Restaurant gehört. Hier hauste der Wirt der „Taverna Lefkos Pirgos“. Die Wände des wenige Quadratmeter großen Raumes sind immer noch himmelblau, wie das Blau in der griechischen Flagge. Darauf hat Andy Kanias seine Fotografien geklebt, verschiedene Formate in einer freien Anordnung.

„No God No Masters“ heißt die Ausstellung. Kania zeigt darin Porträts gescheiterter Existenzen und Bilder aus ihrer alltäglichen Umgebung. Man sieht Männer, die an Bartresen hängen oder zusammen gerollt auf Parkbänken schlafen, deren Gesichter durch Alkohol und Drogen entstellt sind. In ihren leeren Blicken lässt sich Verzweiflung und Schmerz ablesen. Aufgequollene Frauen mit schlechten Zähnen versuchen zu lächeln, doch erscheinen genauso trostlos. Und der Betrachter ertappt sich zwischen Mitgefühl und Voyeurismus.

Immer Ärger mit den Nachbarn

Helmut Kohl Bar

Früher Taverna Lefkos Pirgos, heute Helmut Kohl

Den Ausstellungsraum „Der Grieche“ gibt es, weil es „Helmut Kohl“ gibt. Nein, nicht DEN Helmut Kohl, der mochte schließlich lieber Saumagen als Gyros. „Helmut Kohl“ ist eine neue Bar, die in die Gasträume des griechischen Restaurants gezogen ist und eine Woche vor „Der Grieche“ Eröffnung feierte. Die Macher von „Der Grieche“, zwei Künstler und ein Architekt, sind befreundet mit Michel Braun, dem Besitzer von „Helmut Kohl“. Für seine neue Bar haben sie Regale und den Bartresen gebaut und sind so auf das unegnutzte Hinterzimmer aufmerksam geworden. Statt griechischer Sirtaki-Romantik empfängt einen bei „Helmut“ nun ein eher funktionales Interieur in Brauntönen mit viel Holz und liebevollen Feldblumensträußen auf den Tischen.

Helmut Kohl Bar

Im "Helmut".

Michel Braun erzählt, dass es immer sehr spät voll wird in seiner Kneipe und er dann oft Ärger mit den Anwohnern hat. Den bekam auch schon „Der Grieche“ zu spüren, wie Christoph Höhne berichtet. In den Ausstellungsraum kommt man nur durch das Treppenhaus, was den Nachbarn nicht gefällt. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder wir machen einen Durchbruch und gliedern den Raum an die Bar an, oder wir versöhnen uns mit dem Vermieter und den Bewohnern“, sagt Christoph Höhne. Geplant war eigentlich, die Ausstellung immer am Wochenende abends zu öffnen. Vorerst wollen sie es nun aber bei einzelnen Vernissagen belassen, die nächste soll am 15.10. stattfinden mit Bildern des Malers Fabian Fobbe.

Helmut Kohl
Emser Straße 122/123
täglich außer Montag 19 – ca. 03 Uhr geöffnet
http://helmut-kohl-bar.de/

Der Grieche
Vernissagen ab 19 Uhr
http://grieche.eu/

 

3 Kommentare:

  • Flow sagt:

    Wer behauptet denn da so frei, es hätte immer Ärger mit den Nachbarn gegeben zu Zeiten der Taverne? Ich bin einer dieser bösen, bösen Anwohner und muss sagen, dass ich nie Probleme mit den Vorbesitzern hatte. Es gab keine nächtlichen Ruhestörungen und die Gäste haben(im Gegensatz zu den aktuellen Gästen der Bar „Helmut Kohl“) nicht gegen die Hauswand uriniert oder sich wie die absoluten Vollpfosten auf der Straße benommen…Ich betrachte diese Bar als absoluten Fail und als bestes Beispiel für die Gentrifizierung und den negativen Beigeschmack, den diese auf der Zunge hinterlässt.

  • […] bei Helmut Kohl: Der Grieche präsentiert Murder Inc. Diesen Griechen hatten wir hier übrigens bereits zu Gast. […]

  • Gyom Diop sagt:

    Hallo!

    Ich bin ein franzosich kunstler, und ich will gern ein installtion machen in die kleine galerie von „helmut kohl“. Ich mag das raum, wie kleine ist, ohne fenster etc.
    Ich heisse mein kunst, trottle kunst. Wie ein trottle ich brauche kein ziel zu erkliren. Das kuke ein bissen wie Dada.
    Wenn du suchst mein blog, die grosse bilder ist ein mecanik machine aus holz. Man kuke in ein kaleidoscop photomatonbilde. Unter die kaleidoscop gibt ein rad man kan bewegen, so zu andere bilder kuken.
    Das instalation ist gebaut mit ein altern holz tur, die kaleidoscop is wie ein turspion. Die rad ist von ein alt nehemachine. Das kuk wie etwas antik… Ich habe noch kein bilder gemacht aber man kann die photomaton in mein blog kuken.

    Ich wolte das presentiert, am „helmut kohl“, und machen ein deko in das klein raum fur mein photomachine.
    Magt ihr mein projekt? Kannen wir treffen? Wann man kan ein austellung organiziert?
    Ich habe auch andere projekt, aber sofort ich habe viel lost fur mein photomachin zu shauen.

    Grusse, Gyom.

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