von am 23. Dezember 2013

IMG_8115Auf einem ehemaligen Neuköllner Friedhof entsteht das Kunst- und Kulturprojekt Lilienkulturgarten. Dort finden auch Künstler des alten Kunsthauses Tacheles Platz: eine neue Chance, verbunden mit mancher Widrigkeit.

Angefangen hat alles mit einem Holzboden. Nicht irgendeinem, sondern dem Theaterboden des Kunsthaus Tacheles. Denn als die Tacheles-Künstlerin Sabia Khan ihre Performance im Rahmen von 48 Stunden Neukölln im Lilienkulturgarten vorbereitete, entstand kurzerhand die Idee, den Boden aus dem vor der Räumung stehenden Tacheles hinüberzuretten. Und wo der Boden schon einmal da war, wieso nicht auch die Künstler des ehemaligen Kunsthauses in Mitte, auf den ehemaligen Standortfriedhof Lilienthalstraße nach Neukölln holen?

Diese Idee gefiel auch Lucyna Jachymiak Krolikowska, Vorsitzende des polnischen Unternehmervereins Nike e.V., der das Friedhofsgelände mittlerweile verwaltet und das zukünftige Programm gestalten wird. So kam es zum Plan, im linken Seitenflügel der zur Nazizeit erbauten Friedhofskapelle Ateliers für die Künstler einzurichten.

Von Mitte nach ganz Berlin

Für die aus Mitte vertriebenen Künstler eine neue Chance: „Wir waren auf der Suche nach einem zentralen Ort, da war dies hier eine gute Gelegenheit“, meint Elena Murasso, Mitglied des Vereins Art Pro Tacheles. Die Zeit des Tacheles sei zwar vorbei, doch die Idee freier Kunst lebe weiter. So wird der Seitenflügel nun zu einem „Mobile Art Project“, der Name unter dem die neuen Ateliers und Ausstellungsorte des Vereins Art Pro Tacheles im Exil jenseits von Mitte firmieren.

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Die neuen Orte sind dabei ziemlich verschieden: Neben dem Friedhof in Neukölln sind es ein Hotel in Friedrichshain und ein Haus draußen in Marzahn. Entsprechend unterschiedlich werden sich die Orte daher auch entwickeln, meint Sabia Khan, die seit Kurzem auch die Präsidentin von Art Pro Tacheles ist: „Hier wird im Verhältnis alles langsamer gehen, weil alles mit dem Bezirk abgesprochen werden muss“. Und auch ohne die Abstimmung mit Nike e.V., passiert zunächst nicht viel. Einerseits kann dies für die Künstler von Nutzen sein, besonders im Bereich Fördergelder: „Es hilft, dass Nike eine gute Reputation hat im Vergleich zum Tacheles. So können wir unsere Glaubwürdigkeit wiederherstellen, die zuletzt stark gelitten hat“, meint denn auch Sabia Khan.

Nicht alle Fragen geklärt

Andererseits, bemängeln die Künstlerinnen, ist durch die Abhängigkeit vom Nike e.V. und die Unfreiheit bei der Planung vieles weiter unklar. Von den geplanten Ateliers kann zurzeit zumindest noch keine Rede sein. Den einzigen Schutz, den der offene Wandelgang im Seitenflügel zurzeit bietet, ist das Dach. Im Sommer mag das reichen. Im Winter ist dort ohne Heizung, Wasser und Strom jedoch noch kein Arbeiten möglich. Wie und ob die Atelierpläne jemals umgesetzt werden, ist zumindest den Künstlerinnen nicht bekannt. Und auch andere Punkte sind längst noch nicht geklärt. So sollte der Raum nach Aussage der Künstlerinnen zunächst frei zur Verfügung gestellt werden. Plötzlich ist jedoch von Mietzahlungen die Rede. Nicht der einzige Punkt, an dem sich die Künstlerinnen zurzeit vor den Kopf gestoßen fühlen.

So macht sich mittlerweile auch etwas Frust bei den Tacheles-Künstlern breit. Denn die Art der Organisation sei „etwas entfernt von den Tacheles-Grundsätzen. Einige Künstler vom Tacheles würden diesen Ort niemals nutzen wegen der Regeln“, sagt Sabia Khan. Dennoch suche man nicht die Konfrontation mit Nike e.V.: „Ich hoffe, es gibt einen Punkt, an dem wir uns treffen können“, gibt sich denn auch Elena Murasso positiv, das Projekt doch noch zum Wohle aller weitergestalten zu können. Sich voreilig von dort zurückzuziehen, wolle man jedoch auch keinesfalls, meint Sabia Khan. Dafür sei das Potential einfach zu groß, die Geschichte des Ortes künstlerisch zu verarbeiten.

 

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