von am 3. April 2016
Robert_Stadlober

Der Schauspieler Robert Stadlober, Foto: Stephan Pabst

Er ist kürzlich Vater geworden, gerade ist sein neuster Film „Anhedonia“ in die Kinos gekommen. Robert Stadlober ist zurzeit ein vielbeschäftigter Mann. Am 6. April macht der Schauspieler einen Zwischenstopp in Neukölln. Allerdings nicht, um den neuen Film vorzustellen, sondern um gemeinsam mit Thomas Ebermann und Berthold Brunner ein ganz besonderes Projekt auf die Bühne zu bringen. 

Anfang April wird Robert Stadlober aus den von 1935 bis 1944 geführten Tagebüchern des jüdisch-rumänischen Schriftstellers Mihail Sebastian (1907-1945) lesen. Dessen Aufzeichnungen sind sowohl ein Zeitzeugenbericht zur Geschichte der Juden in Rumänien als auch die persönliche Geschichte eines Schriftstellers in Zeiten des aufflammenden Antisemitismus. Auf einer Zugfahrt zwischen zwei Terminen hat Stadlober Zeit gefunden, uns einige Fragen zur anstehenden Lesung zu beantworten.

neukoellner.net: Am 6. April bringen Sie gemeinsam mit Thomas Ebermann die Geschichte Mihail Sebastians in Form einer szenischen Lesung auf die Bühne. Ort ist das Laidak in Neukölln. Sind Sie öfter in der Ecke?
Robert Stadlober: Durchaus. Der Tresen des Laidak ist einer, an dem ich mich gerne festhalte, wenn die Stürme des Irrsinns dieser Welt wieder heftig an mir zerren. Und vielen mir wichtigen Menschen geht es ähnlich. Daraus ergeben sich dann oft schönste Abende.

Die Lesung veranstalten Sie bereits seit einigen Jahren, warum könnte genau jetzt der richtige Zeitpunkt sein, um sich mit Sebastians Tagebüchern auseinanderzusetzen?
Der Zeitpunkt um an das einzigartige Verbrechen, welches die Shoah war, zu erinnern, ist immer der richtige. Und vor allem wenn man sich die Ausgrenzungsgelüste, den Hass und die fehlgeleitete Angst, wie sie sich in Deutschland und überall in Europa gerade wieder ihren Weg bricht, sieht, dann bleibt doch die kleine Hoffnung mit Mihail Sebastians Tagebüchern zum ungezählten Mal in Erinnerung zu rufen, wohin diese Suppe in letzter Konsequenz überkocht.

Was für ein Mensch ist Mihail Sebastian? Verbindet Sie etwas mit ihm?
Ein Bohemien wie er im Buche steht, ein Vielschreiber, Vielleser, einer, der gern die Nacht länger werden ließ als die Vernunft gebieten würde, kurz: einer der unglaublich gerne lebte. Und ich glaube das tue ich auch. Abgesehen vom vielen Schreiben.

Schreiben Sie selbst Tagebuch?
Also, ab und an fang ich an, aber ich hör auch sehr bald wieder auf. Ich bin kürzlich Vater einer Tochter geworden und ich versuche mich zu zwingen, ihr mindestens jeden dritten Abend ein paar Zeilen darüber zu schreiben, was mich und sie gerade beschäftigt. In Form einer sehr langen, sehr abstrakten und bescheuerten Ballade.

Die Tagebücher sind unter dem Titel „Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt“ erschienen – finden Sie diesen Titel passend oder hätten Sie einen anderen Titel gewählt?
Ich glaube der Titel trifft den Inhalt ganz gut.

Welches Gefühl haben die Tagebücher bei Ihnen hinterlassen?
Entsetzen, Trauer und eine unbändige Lust zu leben. Und den Drang, alles dafür zu tun, dass niemandem die Möglichkeit genommen wird, das Leben so zu gestalten, wie es ihr oder ihm beliebt.

6. April, 18.00 Uhr in der Schankwirtschaft Laidak, Boddinstraße 42, 12053 Berlin:
Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt – Robert Stadlober liest die Tagebücher 1935-1944 von Mihail Sebastian. Mit einer Einführung von Thomas Ebermann. Eintritt 7 €, Kartenvorverkauf im Laidak. Zusatztermin: 18. April.

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