von am 19. Juni 2012

Schluss. Aus. Ende. Der Zug hat seine Endstation Paradies erreicht und damit ist die 14. Auflage von 48 Stunden Neukölln Geschichte. Zeit, mit Festivalleiter Martin Steffens ein Fazit zu ziehen.

Bunt, laut, vielfältig: Das Programm von 48h Neukölln war aufs Neue so umfang- und facettenreich, wie der Bezirk selbst und dürfte den Kreativhunger seiner Besucher fürs Erste gestillt haben.

Festivalleiter Martin Steffens zeigte sich bereits am Sonntagnachmittag sehr zufrieden mit der 14. Auflage des größten Berliner Kunst- und Kulturfestivals. „Ich habe viele wundervolle Projekte gesehen. Das Festival ist mittlerweile extrem international. Vieles passiert spontan.“ Dazu sei die Stimmung immer friedlich gewesen. „Es war zu keiner Zeit aggressiv, bei den gut besuchten Sachen war es vielleicht für manchen Nachbarn nicht ganz so schön.“

Lärmdebatte: „Der Druck ist groß“

Denn die Lärmdebatte blieb natürlich auch der Festivalleitung nicht verborgen. Einige Anwohner beschwerten sich per Mail über die „48h Lärm„. Einige griffen sogar zu Wassereimern, um so manche Menschentraube vor dem eigenen Haus eigenhändig aufzulösen. „Der Druck ist groß“, erklärte Steffens. Und natürlich könne man den Lärm kaum verhindern, denn die 48h seien schließlich ein Fest, bei dem die Leute von Station zu Station um die Häuser ziehen. Steffens versprach aber: „Wir werden uns für die Zukunft etwas einfallen lassen.“

Abseits der Debatte überlagerten die angenehmen Höhepunkte das Festival. Für Martin Steffens waren das unter anderem das „Büro für Kratie“ in der Ida Nowhere, wo sich die Besucher mit allerhand kreativ-bürokratischem Filz herumschlagen durften, und die Skulpturenausstellung le trac im CUBE. Weitere gefühlte Höhepunkte der 48 Stunden: Robotic Dementia in der Boddinstraße, die Fotoausstellung Israel in 7 Tagen in der Emser Straße und der Auszug des letzten Böhmen – eine riesige Pappfigur, die über das Wochenende durch die Neuköllner Straßen zog. Dazu beantwortete das Orakel von Neukölln in einem Hinterhof in der Karl-Marx-Straße jede auch noch so schwierige Frage seiner Pilger. Bunt und musikalisch ging es  rund um den Platz der Stadt Hof zu und die Licht- und Klanginstallation im Locht 43 entließ seine Besucher fasziniert in die Nacht.

Zuhause e.V. beim Ordnungsamt angeschwärzt

Ein weiterer potentieller Höhepunkte fiel leider aus. Zuhause e.V. musste sein reichhaltiges Programm kurzfristig absagen, da das Projekt durch eine anonyme E-mail beim Ordnungsamt angeschwärzt wegen angeblicher Mängel beim Brandschutz und anderen Unzulänglichkeiten. Mit der Begründung, dass eine gründliche Inspektion nun in der Kürze der Zeit nicht mehr möglich sei, wurde das Gelände an der Neckarstraße kurzerhand für Besucher nicht freigegeben. „Das ist sehr tragisch“, meinte Festivalleiter Martin Steffens, „vor allem wenn man bedenkt, wieviel Arbeit vorab da reingesteckt wurde.“ Die zuhause-Veranstaltung „Fuck Paradise“ wurde dagegen am Samstag in die Richardstraße verlegt.

Ein kleines Manko war auch die digitale Umsetzung des neu entwickelten Leitsystems (z.B. REU-12) für die Veranstaltungsorte. Das System an sich hat zwar wunderbar funktioniert und sicherlich mehr Übersicht für die Besucher geschaffen, nur hätte man, wie im Programmheft, auch auf der offiziellen Internetseite des Festivals damit arbeiten müssen – dort war das Kürzelsystem nicht vorhanden. Steffens versprach Besserung im kommenden Jahr.

Freude an Kunst und Kultur stand im Vordergrund

Insgesamt darf man aber festhalten, dass vor allem die Freude an Kunst und Kultur das Festival auch in diesem Jahr geprägt hat. In diesem Sinne hoffen wir, dass der Bezirk sich des einzigartigen Wertes diese Festivals bewusst ist, es dementsprechend zu schätzen weiß und die „48 Stunden“ Neukölln noch lange erhalten bleiben – eine bessere Basis, um den kulturellen Schatz Neuköllns in seiner Schönheit und Vielfalt zu präsentieren, kann man sich kaum vorstellen.

Müde und zufrieden bedanken wir uns bei unserem Gastgeber, dem Café Myxa, für die gute Zeit und die nette Beherbergung, bei unseren Lesern und Kommentatoren für ihr Interesse und nicht zuletzt bei 48 Stunden Neukölln und dem Kulturnetzwerk für die gute Zusammenarbeit! Wir freuen uns auf das nächste Festival!

Hier noch ein paar ausgesuchte Fotos zu den 48h 2012 und ein kleinerfeiner Abschiedsgesang in Videoform:

 

7 Kommentare:

  • Winnie sagt:

    “Der Druck ist groß”, erklärte Steffens. Und natürlich könne man den Lärm kaum verhindern, denn die 48h seien schließlich ein Fest, bei dem die Leute von Station zu Station um die Häuser ziehen. Steffens versprach aber: “Wir werden uns für die Zukunft etwas einfallen lassen.”

    Der Lärm hat überhaupt nichts damit zu tun, daß die Leute von Station zu Station um die Häuser ziehen, sondern daß die sogenannten „Galerien“ bis 6 Uhr morgens ohne Lärmschutz bei offenen Fenstern lautstarke Partymusik laufen lassen und die ganze Nachbarschaft beschallen.
    Dazu kommt, daß es z.B. auf dem Emser Platz eine Open Air Bühne gab, obwohl es in der Ankündigung hieß, Open Air Bühnen gäbe es dieses Jahr nicht.

    Aber die Idee mit dem Wassereimer ist gut!

  • Vielen lieben Dank für die Ermöglichung eines wunderschönen, glücklichen Wochenende mit vielen unbekannten, netten Menschen.

  • Es wird im nächsten Jahr auf jeden Fall eine bessere Koordination zwischen Internetseiten und dem Leitsystem geben – VERSPROCHEN!
    Gino – knust-mediendesign.de

  • […] mit 48 Stunden Neukölln: Im Rahmen des Kulturfestivals haben wir insgesamt 28 Artikel und ein Fazit veröffentlicht und möchten uns noch einmal ganz herzlich beim Café Myxa für die […]

  • […] wenn wir das Fazit zu den 48h Neukölln längst gezogen haben, kommt hier nochmal ein kleiner musikalischer […]

  • […] Neukölln.  Im Rahmen des Kulturfestivals haben wir insgesamt 29 Artikel veröffentlicht. Hier könnt Ihr nochmal unser Fazit, das wir zusammen mit Festivalleiter Martin Steffens gezogen haben, nachlesen. Wir freuen uns schon […]

  • […] Ein spannendes Wochenende liegt vor uns, nicht nur weil wir vom neukoellner wieder als Medienpartner über die Neuköllner Hochkultur berichten […]

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