von am 16. Juni 2013

Schauspieler Clément Labail © Cara Wuchold

„Bekenntnis eines Mannes, der sein ganzes Leben lang alles getan hat, um integer zu bleiben.“ Ein deutsch-französischer Theatermonolog über die geheimnisvolle Geschichte eines Mannes auf der Flucht.

Der Typ, der dem Schauspieler Clément Labail und seiner Freundin in einer Bar in Frankreich sein Herz öffnete, hat ihn berührt. „Dass er Vertrauen zu uns gefunden hat!“ Geheimnisvoll kam ihnen der Unbekannte vor und irgendwie verstört, wie auf der Flucht. Aus seinen Erzählungen glaubten sie herauszuhören, dass er irgendjemandem etwas angetan hatte, was ihm nun leid tat. Und sie spürten seine Wut, über jemanden, der zu ihm gesagt hatte: „Wenn du hier nicht zufrieden bist, geh‘ wieder zurück!.“

Anhand von Details, an die sich Clément Labail aus dem Gespräch erinnerte, schrieb er einen Theatermonolog, der jetzt bei 48 Stunden Neukölln unter dem Titel „Algier-Poitiers, so“ zu sehen ist. Angekündigt als „Bekenntnis eines Mannes, der sein ganzes Leben lang alles getan hat, um integer zu bleiben“ – und es dann, glauben wir den dunkel umwitterten, kryptischen Erzählungen des Unbekannten an der Bar, eben doch nicht schafft.

Französisch? Tief-dramatisch! Und Deutsch? Luftig-leicht!

Clément Labail hat zusammen mit Christina Gumz 2005 das Théâtre Au fil des nuages, ein deutsch-französisches Theater, in Berlin gegründet. Alle Stücke werden in beiden Sprachen auf die Bühne gebracht, aber nicht unbedingt immer deckungsgleich. „Die französische Variante ist etwas dramatischer, tiefer, die deutsche Fassung dagegen leichter“, sagt Clément Labail über den Monolog, er wollte die Länderklischees einfach mal umdrehen.

Aufgeführt wird das Ganze im Weinladen Das schwarze Glas von Winzer Stefan Bubenzer, der sich auf französische Weine aus biologischem Anbau spezialisiert hat und seine Weine von kleinen Betrieben in Frankreich bezieht. Dazu gibt es Fingerfood von Köchin Laura de la Riva, die so leckere Dinge wie eingelegte Artischocken gefüllt mit Ziegenkäse, Honig und Lavendel oder kandierte Oliven an Erdbeeren kredenzt. Wenn Stefan Bubenzer seinen Traum von einer Gourmetmeile in der Jonasstraße verwirklichen könnte, dann nähme er Laura de la Riva auf jeden Fall dazu. Wer sich „Algier-Poitiers, so“ anschaut, sollte also früher kommen oder länger bleiben, um Zeit für das ein oder andere Häppchen zu haben.

„Algier-Poitiers, so“, Theatermonolog, So 15 Uhr (frz.) und 18 Uhr (dtsch.)  im Weinladen Das schwarze Schaf, Jonasstraße 33 (KÖ-02)

 

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