von am 10. März 2015

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Youtube kills the TV-Star! Der Neuköllner Martin Hossbach will das Musikfernsehen neu erfinden und lädt sich Berliner Newcomer-Bands in die Kantine am Berghain ein. Eine Prise „Formel Eins“, ein bisschen „Top Of The Pops“ und fertig ist die One Hit Parade.

Text: Debbie Blume

Damals, samstags, saßen wir doch alle um viertel vor sechs vor dem Fernseher und haben Top of the Pops geguckt. Zumindest kannten und kennen wir es alle, das Gutfinden ist ja noch mal eine andere Sache. Lang ist’s her, denn: „Fernsehen gibt’s nicht mehr, frag mal alle.“ Das wusste kürzlich schon Gereon Klug und hatte wohl irgendwie Recht damit. Und wenn es Fernsehen nicht mehr gibt, gibt es Musikfernsehen erst recht nicht mehr. Ein Jammer. VIVA Zwei könnte ruhig mal jemand wiederbeleben.

Im Gegensatz dazu gibt es zum Glück immer noch genügend Musikenthusiasten, die der Welt zeigen wollen, dass da draußen mehr existiert als die Top 10 der deutschen Singlecharts. Verdammt gute Bands aus Berlin zum Beispiel.

„Formel Eins“ in der Kantine am Berghain

Die bekommen jetzt eine Plattform in der Online-Musikshow „The One-Hit Parade„, einem Format, das in „TOTP“- und „Formel Eins“-Manier Musik unterschiedlichster Genres auf die Bühne bringt, genauer gesagt auf die Bühne der Kantine am Berghain. Der Titel ist Programm und das Konzept so überzeugend wie simpel: zehn Bands, zehn Songs. Jeweils einer, versteht sich. Plus: Kurzinterviews im Anschluss an die Auftritte. Alles hübsch verpackt in einzelne YouTube-Videos.

Moderiert und sorgfältig kuratiert wird das Format von Erfinder Martin Hossbach, einem in Neukölln lebenden Tausendsassa, der neben vielen anderen Tätigkeiten als freier Musikjournalist für die Spex schreibt, das Foreign Affairs Festival im Haus der Berliner Festspiele betreut und nicht zuletzt auch Booker fürs Berghain war. Er selbst sagt über sein Projekt: „Berlin hat so viele besondere Bands mit besonderer Musik zu bieten – mit ‚The One-Hit Parade‘ können die Leute die besten von ihnen kennenlernen. Genau wie früher, als man im Wohnzimmer der Eltern „Formel Eins“ schaute und erstmals Madonna oder David Bowie sah.“

Leuchtstoffröhren und Pet Shop Boys-Jingle

Von Hossbachs ironisch-hölzernen Anmoderationen der Performances fühlt man sich in die guten, alten Hitparade-Zeiten zurückversetzt und auch der Rest der Aufmachung erinnert ein wenig daran – nicht zuletzt das Leuchtstoffröhren-Logo und der Pet Shop Boys-Jingle. Verstaubt ist die One-Hit Parade allerdings mitnichten, im Gegenteil. Vielmehr ist sie der Beweis, dass die Idee des Musikfernsehens online noch immer funktioniert.

Alle Videos der Bands, von denen übrigens viele wie Martin Hossbach selbst in Neukölln wohnen, gibt es im One-Hit Parade YouTube-Kanal zu sehen, aktuell in der zweiten Staffel unter anderem mit Fenster, Christian Naujoks, Anika und Chuckamuck. Außerdem dabei: Isolation Berlin, deren neue EP „Körper“ am 13. März auf dem wunderbaren Berliner Label „staatsakt.“ erscheint – begleitet von einer Release-Show am gleichen Tag im Ballhaus.

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