von am 8. April 2014
Der Comic-Zeichner Till Thomas

Der Comic-Zeichner Till Thomas (Foto: Anett Löffler)

Der Künstler Till Thomas ist Teil einer regen Comic-Szene in Neukölln. Mit „Rezzo und Elisabeth“ ist nun sein Buchdebüt erschienen. Eine Irrfahrt auf der Suche nach Liebe und Glück.

Bestand hat die Liebe zu den kleinen gemalten Geschichten für Till Thomas bereits seitdem er denken kann. Er hat sich schon Comics angeschaut, bevor er den Text verstehen und selbst schreiben konnte. Auch angefangen welche zu malen, hat er schon früh. Anfänglich hat ihm seine Mutter weitergeholfen: Dann hat sie Texte zu den Geschichten formuliert, die ihr Sohn ihr zu den Bildern erzählt hatte.

Klassiker wie „Prinz Eisenherz“ sowie „Tim und Struppi“ sind Comictitel mit denen der der Künstler aufgewachsen ist. Sie stammen aus der Sammlung seines Vaters, die er damals regelmäßig durchstöberte. Mit 14, 15 Jahren kamen französische Avantgarde-Comics wie von Moebius, Fantasy-Geschichten für erwachsene Leser, als Lesestoff dazu. Später entdeckte Till Thomas Amerikanischen Underground für sich, insbesondere Daniel Clowes und Julie Doucet.

Bessere Vertriebswege erschließen

Geboren und aufgewachsen ist Thomas im Umkreis von Werther in Westfalen. Später zog er mit seiner Mutter nach Bremen. Sein Studium der Illustration absolvierte er an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg bei der Künstlerin und Zeichnerin Anke Feuchtenberger. Damals als Medium noch vernachlässigt, könne man heute schon ganze Comickurse belegen, freut er sich.

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Seit dreieinhalb Jahren lebt Till Thomas nun bereits in Neukölln und ist Teil einer Mikroszene. Hier hat er mit einer kleinen, internationalen Gruppe von Selbstverlegern The Treasure Fleet gegründet. Ein Zusammenschluss von Comic-Selbstverlegern, der mittlerweile auf acht unabhängige Zeichner angewachsen ist, und beispielsweise das Fanzine „Zirp“ vertreibt. Mittels dieser „Verlagsflotte“, wie Thomas sie nennt, möchten sie bessere Vertriebswege für Comics erschließen. Regelmäßig sind sie auf Buchmessen und Festivals zu Gast.

So kam auch der Kontakt zu dem Verleger Johann Ullrich vom avant-Verlag zustande, bei dem kürzlich Till Thomas‘ Debüt „Rezzo und Elisabeth“ erschienen ist. Über sechs Jahre hat er an den Zeichnungen gearbeitet. „Andere sind dabei viel schneller. Vielleicht bin ich zu tüftelig, zu perfektionistisch“, fragt er sich.

Tiere mit menschlichen Problemen

Herausgekommen ist ein als Abenteuergeschichte erzähltes Beziehungsdrama. Die Protagonisten Rezzo und Elisabeth scheinen festgefahren in ihrer Beziehung. Rezzo sitzt ständig vor dem Fernseher, leidet unter Antriebslosigkeit und mysteriösen Erschöpfungszuständen. Elisabeth verdient als Bibliothekarin das Geld. Doch eines Tages fasst sie den Entschluss zu gehen – ohne Rezzo vorzuwarnen. Als dieser mitbekommt, dass er allein zurückgelassen wurde, macht er sich auf die Suche nach seiner Frau. Der Reiseweg birgt allerlei Gefahren und Hürden, denen er sich stellen muss.

Der Clou: Sein Protagonist, der selbst mitleidige Rezzo, ist ein Hund. „Hätte ich daraus einen Menschen gemacht, wäre der absolut nicht der Sympathieträger geworden, der er jetzt ist – als niedlicher Hund“. Auch weitere Figuren der Erzählung hat Thomas mit Tieren besetzt, wie den Schriftsteller Raoul, ein Löwe mit Schreibblockade, und Auslöser für Elisabeths Flucht.

Die Geschichte ist autobiografisch gefärbt, aber surreal verfremdet. Till Thomas setzt dabei auf klassische Comic-Stilmittel wie Überzeichnung, Vereinfachung und Stilisierung. Und klassisch ist auch der Stoff, den er verhandelt, denn was die Protagonisten auf ihren Wegen verbindet, ist die Suche nach Glück und Liebe.

 

Am Do, den 17. April, wird „Rezzo und Elisabeht“ ab 20 Uhr als multimediale Lesung von und mit Till Thomas im neurotitan sowie am Sa, den 24. Mai bei der Langen Buchnacht in der Kreuzberger Oranienstraße vorgestellt. 

 

 

 

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