Zum zweiten Mal organisierte die Initiative Città Aperta eine Kurzfilmwanderung durch Neukölln. Bei der nächtlichen Tour war vor allem Geduld gefragt.
Ein Parkplatzwächter steht ungläubig am Zaun. Abends sind es normalerweise vielleicht ein paar Jugendliche, die sich hier heimlich zum Rauchen treffen, oder Hundebesitzer, die kurz Gassi gehen. Heute strömen mehrere Dutzend Menschen in den kleinen Park, der sich zwischen Karl-Marx- und Reuterstraße zwischen kahlen Häuserfassaden versteckt. “Was passiert hier?”, fragt der ungläubige Parkplatzwächter einen herbeieilenden jungen Mann. Der schließt hastig sein Rennrad an und sagt: “Eine Filmwanderung!”
Zum zweiten Mal gab es am vergangenen Freitag Abend eine Kurzfilmwanderung durch Neukölln. Die letzte war vor einem Jahr, und dass sie nur so selten stattfindet, ist sicherlich dem organisatorischen Aufwand zuzurechnen. Die Privatinitiative Città Aperta ist auf die Unterstützung von Anwohnern angewiesen, die den mobilen Beamer mit Strom versorgen. Leider stand jedoch nur ein Gerät zur Verfügung, so dass der Umbau an den einzelnen Stationen immer noch etwa 20 Minuten in Anspruch nahm. Von der Reuterstraße ging es nach den ersten beiden Filmen in den Schillerkiez, wo ein sandiger Bolzplatz zum Kino wurde. Neben technischen Problemen sorgten ein verärgerter Nachbar für Verzögerungen und im Laufe des ersten Films kappten ein paar Kinder die Stromzufuhr. Auch an den anderen Stationen war Geduld gefragt, so dass sich die Vorführung der neun Kurzfilme an vier Hauswänden vom Einsetzen der Dämmerung bis etwa gegen Mitternacht hinstreckte.
Zum Thema “Licht und Schatten” hatte Città Aperta einen Wettbewerb ausgeschrieben und die Bandbreite der Filme zu diesem Thema war durchaus groß. Von einem Scherenschnitt-Klassiker aus den 50ern über einen australischen Stop-Motion-Film bis zu einer Dokumentation über Homosexualität in Bangladesh war alles dabei. Doch am Ende waren sich die meisten Besucher einig: Der erste Film war am besten. “Aleyna – Little Miss Neukölln” punktete als Lokalgröße, aber auch durch hohe erzählerische und technische Qualität.
“Aleyna – Little Miss Neukölln” von Stepan Altrichter & Stefan Höh (Berlin 2011)
“Peter brings shadow to life” von Joe Pease (USA 2012)
“Without any windows of his own” von Tanvir Alim (Bangladesh 2011)
“Sorry I’m late” von Tomas Mankovsky (Australien 2008)
“Das tapfere Schneiderlein” von Lotte Reiniger (England 1953/1954)
“Nowhere near here” von Pahnl (England 2010)
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