von am 17. Oktober 2014
Die Flüchtlingsgeschichten, die in Asyl-Monologe auf die Bühne gebracht werden, sind real. (Foto: Viktor Slota)

Die Flüchtlingsgeschichten, die in Asyl-Monologe auf die Bühne gebracht werden, sind real. (Foto: Viktor Slota)

Deutsche Flüchtlingsdramen auf der Bühne: Zur 250. Vorstellung kehren die Asyl-Monologe in den Heimathafen zurück. Und beweisen, dass Theater und Politik doch noch zusammen passen.

Von Ulrike Bauer

Erzählt werden drei Schicksale. Die Kurdin Safiye, der Togolese Ali und der Äthiopier Felleke berichten von Heimat, Fluchtursachen sowie Erfahrungen mit dem deutschen Asylsystem. Regisseur Michael Ruf von der Bühne für Menschenrechte wählt die Form des dokumentarischen Theaters, um die individuellen Geschichten in ihrer Essenz wiederzugeben. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit einem stetig wachsenden Künstlernetzwerk Menschenrechtsfragen und Diskriminierung zu thematisieren. So wurden aus langen Interviews verdichtete Monologe, die den Zuschauer durch ihre Authentizität in den Bann ziehen.

Folgenreicher Übersetzungsfehler

„Du fliehst aus einem Land und dann passiert dir sowas.“ Safiye, die als Alevitin Folter in türkischer Gefangenschaft ertragen musste, erlebt Deutschland bei ihrer Ankunft als ein zweites Gefängnis. Ihr Asylantrag wird abgelehnt, weil eine Dolmetscherin das türkische Knast-Bad mit Sauna übersetzt.

Felleke, der während des Krieges zwischen Eritrea und Äthiopien dem ziemlich sicheren Tod entfloh, formuliert es so: „Sie wollen die Flüchtlinge bewusst nerven, damit du dein Ziel verfehlst.“ Nur durch eigene Willensstärke kann er zwei Abschiebeversuche verhindern. Aggression und gezielte Manipulation seitens der Behörden sind Methoden, die auch Ali bestätigt. Als politischer Aktivist musste er wegen unmittelbarer Bedrohung durch das Regime unter Militärdiktator Eyadéma aus Togo fliehen. Die deutsche Bürokratie jedoch kann oder will diese Gründe nicht anerkennen und lehnt auch seinen Antrag ab.

Dramatik ist real

Wenn der Text eine solche Kraft hat, braucht es nur wenig mehr. Das minimalistische Spiel von Meri Koivisto, Eray Egilmez und Asad Schwarz-Msesilamba wird subtil untermalt durch Schlagzeug, Klavier und Gesang. Billie Holidays ikonischer Song gegen rassistische Lynchmorde „Strange Fruit“ zieht sich dabei bitter-schön durch den Abend.

Die Asyl-Monologe berühren den Zuschauer mit einer Dramatik, die nicht künstlich ist, sondern auf realen Lebensläufen beruht. Das Bewusstsein darüber steigt noch in der sich anschließenden Gesprächsrunde. Luise Amtsberg von B’90/Grüne und Kokou Theophil, Flüchtling und Aktivist vom Oranienplatz, beantworten die Fragen des Publikums. Neben Fassungslosigkeit und Unverständnis für das deutsche Vorgehen in Sachen Flüchtlingspolitik wird vor allem ein Anliegen in den Wortmeldungen sichtbar: Was kann ich selbst tun? Wenn in der Vergangenheit oft diskutiert wurde, ob das Theater als politischer Ort tot ist, dann tritt die Bühne für Menschenrechte an dieser Stelle einen eindrucksvollen Gegenbeweis an.

Weitere Termine der Asyl-Monologe im Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Str. 141, Eintritt: 15€, ermäßigt 10€, jeweils ab 19.30 Uhr:

Fr, 17.10. (Gespräch mit Asif Seyd, Stop Deportation Group, und Bernhard Fricke, Vorsitzender von Asyl in der Kirche)
Sa, 18.10. (Gespräch mit Yaman Khishman, Jugendliche ohne Grenzen Brandenburg, und Ivana Domazet, Flüchtlingsrat Brandenburg)
So, 19.10. (Gespräch mit Mahadi Achmed, Education No Limitation, und Joachim Rüffer, KommMit – Für Migranten und Flüchtlinge e.V. – BBZ

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