von am 15. Juni 2013

Ein Perspektivwechsel, der nicht immer ganz schmerzfrei verläuft, eine visueller Tonband-Teppich und eine Müllinstallation made out of Neukölln. Unterwegs in der unteren Boddinstraße.

„Bemalt mein Bild!“ steht über dem großformatigen Gemälde, mit denen das Parkdeck der Neukölln Arcaden noch einmal vor den Bauten des Klunkerkranichs in Szene gesetzt wurde – es ist die Grundlayer sozusagen. Für das Interaktionsprojekt „Layers“ hat Sabine Ammer für 48 Stunden die Rollen mit den Besuchern getauscht. Die dürfen (über-)malen – und sie schaut zu.

So sah es vorher aus, die Grundlayer sozusagen…

…und so nach 24 Stunden und vielen Layers drüber.

„Zuerst kam eine Eidechse, dann hat jemand ‚Virgin‘ daraufgeschrieben“, beschreibt sie die anfänglich zarten Malversuche der Gäste im Atelier Kunstmoment, das sie zusammen mit Marc Pampus betreibt. Später kam aber doch, was sie bereits befürchtet hatte: eine Gruppe fing an, das ganze Bild schwarz zu bemalen. „Das hat richtig wehgetan, daneben zu stehen zu müssen und nichts tun zu können.“ Dann wären aber andere Besucher eingeschritten und hätten mit weiß gegengearbeitet. Ein richtiger Konflikt sei entstanden und viel diskutiert worden.

Trotz mancher schmerzhafter Momente, überlegt Ammer schon, das Projekt mit einem weiteren Bild fortzuführen. Eine kleine Freiheit zum Einschreiten hat sie sich dann aber doch gelassen: einzelne Stellen hat sie abgeklebt, wenn sie sie besonders gelungen fand. Als Ergebnis werden die Klebestreifen wieder entfernt und so die unterschiedlichen Layers, die einzelnen Schichten, wieder im Ansatz erkennbar werden.

Layers, Atelier Kunstmoment (FLU-23), Layers, Fr 19 – 24, Sa 15 – 24, So 15 – 19

Visueller Klangteppich aus Tonband

Gleich nebenan vom Atelier Kunstmoment ist das „Architekturkommando“ Spark*s, ein Gemeischaftsbüro der drei Architekten Carsten Dankert, Gunnar Krempin und Malte Schröder. Sie tun sich zu Festivalanlässen oft mit grafischen Installationen hervor, in denen sich ihre architektonischen Wurzeln manifestieren. Zu diesen 48 Stunden haben sie in Kolaboration mit Lucrecia Lovera unter dem Titel „Mixtape“ einen visuellen Soundteppich aus Tonbandmaterial erstellt. Von der Form her vielleicht nicht wirklich neu, aber unter dem Aspekt des Materials spannend und vor allem schön anzuschauen.

Mixtape, Spark*s (FLU-24), Boddinstraße 8, Fr 20 – 24, Sa 15 – 24, So 15 – 19

Klangteppich ohne Sound: Mixtape

Auf der anderen Seite der Boddinstaße bergab geht es vorbei an der auf Street/Urban Art spezialisierten Galerie Idrawalot, die aktuell „We Saw the Future“ des brasilianischen Künstlers Danilo Omwisye (Zéh Palito) ausstellt. Ein paar Häuser weiter haben Art Connect Berlin in ihren Räumen die Gemeinschaftsausstellung „Reality Swap: The Alternative Status Quo“ über eine Open-Call in ihrer Community kuratiert. Bedingung für die Teilnehmer war, dass sie sich mit einem Medium auseinandersetzen, mit dem sie vorher noch nicht gearbeitet haben.

Auf Lumpenjagd durch Neukölln

Dabei ist unter anderem die medial gemischte Installation „Quarry“ von Sadie Weis aus Film und Material von den Straßen Neuköllns entstanden. Weis hat sich auf eine „Lumpensammler-Jagd“ durch den Bezirk begeben und die Gewohnheiten der Bewohnerschaft mithilfe ihrer Hinterlassenschaften quasi archäologisch untersucht. Mit den Kristallen, die sie darauf platziert hat, möchte die Künstlerin auf die Schönheit hinweisen, die durch Wiederverwertung der Materialien entstehen kann. Eine Schönheit, wie sie auch durch die 160 Nationen in Neukölln ensteht und in den Straßen des Bezirks täglich zu besichtigen ist.

Reality Swap: The Alternative Status Quo, Artconnect Berlin (FLU-26), Boddinstraße 62, Fr 19 – 24, Sa 14 – 24, So 14 – 19

War auf Lumpenjagd in Neukölln: Sadie Weis

 

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