von am 4. Dezember 2013
Karl Addison

Nach nur zwei Jahren muss Karl Addison seine Galerie schließen.

Unsere Autorin besuchte den Künstler Karl Addison in dessen Galerie „Idrawalot“, die am kommenden Donnerstag, den 05.12.2013, zum letzten Mal ihre Türen öffnet.

Für Karl Addison, dem Gründer der Galerie und des Kunstverkaufsraumes „Idrawalot“, ist Zeichnen mit das Wichtigste in seinem Leben. Der 31-jährige US-Amerikaner lebt seit fast vier Jahren in Berlin. Seit 2011 führt er den Laden in der Boddinstraße 60. Derzeit ist er dort zusammen mit dem Künstler Adrian Buendia aktiv, den Karl bereits aus Seattle kennt. An Berlin fasziniert Addison, dass es eine so große Gemeinschaft von international tätigen Künstlern gibt. Dadurch wäre es leichter mit anderen Kreativen in Kontakt zu kommen und Projekte zusammen zu machen. Demgegenüber habe Seattle zwar ebenfalls eine große, dafür aber äußerst lokale Künstlerszene, die nicht das gleiche kreative Potenzial biete wie Berlin.

Zeichnen als Form der universalen Kommunikation

Buntes Chaos im "Idrawalot": Der Name ist hier Programm.

Buntes Chaos im „Idrawalot“: Der Name ist hier Programm.

Der Name „Idrawalot“ stammt ursprünglich von Addisons Webseite. Er transferierte den Namen dann, wie er im Gespräch erklärt, auf seinen Laden in Neukölln und somit in die physische Welt. Die Bezeichnung verweist symbolisch auf die vielen tausend Skizzen und fertigen Bilder im Zeichenblock des Künstlers und die Bedeutsamkeit des Zeichnens für sein Leben. Eine Form der Therapie sei das Zeichnen und Malen für ihn und eine Form der Kommunikation, die einfacher und universaler funktioniere als geschriebener Text. Beim Malen gäbe es keine verschiedenen Sprachen. Deshalb sei der Schaffensprozess für ihn ein idealer Katalysator für Gefühle.

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Die Boddinstraße ist für Addison interessant, weil hier eine sehr bunte Anwohnerschaft aus vielen verschiedenen Ländern und Kulturkreisen ansässig ist. Solch eine Durchmischung kennt er bereits aus seiner Heimat, dem Südwesten der USA. Hier wohnte er in Phoenix und Los Angeles. Dort war es vor allem die lateinamerikanische Nachbarschaft – insbesondere die mexikanische – die sein Leben beeinflusste und die Themen seiner Zeichnungen auch heute mitbestimmt. Das mexikanische Wrestling beispielsweise, das lucha libre, bei dem die Kämpfer farbenfrohe Masken tragen, zeigt sich in den Zeichnungen des Künstlers, die im „Idrawalot“ ausgestellt sind. Ebenso der mexikanische Feiertag „dia de los muertos“, der Tag der Toten. Und auch Tiere beeinflussen den passionierten Veganer. Auf seinen Zeichnungen sieht man Rehe, Fische und Wildkatzen.

Gründe für die Schließung des „Idrawalot“

Die Galerie schließt ihre Pforten, aber die Räume bleiben mit der Kunst verbunden.

Die Galerie schließt ihre Pforten, aber die Räume bleiben mit der Kunst verbunden.

Inspiration für sein Schaffen zieht Karl Addison aber auch aus der Kreativszene Berlins. Er schätzt es, dass er an einem Abend in zwei oder drei Ausstellungen gehen kann. „Es gibt überall einen Überfluss an Eindrücken“ die Berlin für ihn zur kreativsten Stadt überhaupt macht, schwärmt Addison. Diese kreative Stimulation wollte er auch im Programm seiner Galerie widerspiegeln. Jeden Monat stellte ein anderer Künstler seine Werke im „Idrawalot” aus. Nur genug zahlungsfähige Käufer gab es nicht. Addison hat seine gesamten finanziellen Mittel in die Galerie investiert. Jetzt sind nicht mehr genug Ressourcen da, um den Laden offen zu halten.

Er ist davon ausgegangen, dass sich das „Idrawalot” nach zwei Jahren ökonomisch etablieren würde. Doch das hat nicht geklappt. Von den Räumlichkeiten trennen werden sich Karl Addison und Adrian Buendia aber nicht. Sie ändern nur das Konzept. So sollen die beiden Räume, die heute als Galerie fungieren, bald eine Wohn- und Produktionsstätte für internationale Künstler im Rahmen eines „residency program“ werden. Die Künstler müssen sich bewerben und können dann einen Monat vor Ort arbeiten. In dieser Zeit wollen Addison und Buendia ihnen Orte und Menschen zeigen, die ihnen als Ressourcen für ihre Arbeit in Berlin helfen können. In der Boddinstraße 60 wird also ein Raum des kreativen Austauschs in anderer Form entstehen.

Am 05.12.2013 findet von 19 – 23.30 Uhr eine Abschiedsparty in den Räumen der Galerie „Idrawalot“ statt. Diese wird u.a. eine bis dahin geheime Ausstellung zeigen. Außerdem wird Pete Corrie live vor Ort tätowieren.

 

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