von am 30. Juli 2015

WerkStadt_2Die Sommerpause der Berliner Galerien im August füllt geschickt das „Project Space Festival“. Zum zweiten Mal stellt das Veranstaltungsformat in der ganzen Innenstadt die Vielfalt von Kunst in Berlin vor: An jedem Tag des Monats bietet ein anderer Raum Programm. Darunter auch viele Orte in Neukölln, die wir euch hier vorstellen.

Agora: Metaflux Publishing
Was schweißt eine Gemeinschaft zusammen? Für den Künstler Caique Tizzi ist die Antwort ganz klar: „Das Essen.“ Die Küche ist Zentrum des Projekthauses Agora, das Tizzi und seine Kollegen als künstlerisches Labor begreifen. An Werktagen gibt es einen günstigen Mittagstisch, oft zubereitet von Künstlern mit Leidenschaft fürs Kochen. An den Wochenenden thematisieren Workshops auch Kompostierung oder Bienenhaltung in der Stadt. Das klingt schnell nach Hipster-Utopie, doch Tizzi und der Künstler Pedro Jardim, beide aus Brasilien, wollten 2011 mit Agora einen Ort schaffen, an dem politische, soziale und ökonomische Fragen verhandelt werden. Der eigenwillige Backsteinbau, der heute von einem Gemüsegarten umgeben wird, hält Angebote nicht nur für das Kunstpublikum bereit. Statt wochenlanger Ausstellungen erwarten die Besucher Performancenächte, Konzerte, Filme und Diskussionen. Zum Project Space Festival feiert der Verlag Metaflux Publishing seine Gründung. Er wird vor allem Schriften des Philosophen Vilém Flusser neu auflegen.
11.8., 18-22 Uhr, Mittelweg 50

WerkStadt: Schatten werfen Menschen (Grenzfährservice II)
Der gemeinnützige Kulturverein WerkStadt verfügt über einen Ausstellungsraum, Ateliers, ein Fotolabor, eine Holzwerkstatt, eine Schreibstube und eine Bar. Jede Menge Raum für Diskurs und Begegnungen – hier wird Kunst den Besuchern nicht einfach „vor die Nase gesetzt“, sondern zu einer Auseinandersetzung aufgerufen. Anlässlich des Festivals ist ein anderer Projektraum zu Gast: Espace Surplus, dessen Macher schon an vielen verschiedenen Orten Projekte realisiert haben und derzeit ohne feste Adresse sind. In der WerkStadt zeigen sie Arbeiten von Birgit Auf der Lauer und Caspar Pauli. Die beiden Künstler haben ein großflächiges Schattentheater zu den Themen Migration, Flucht und Schmuggel entworfen. Um 15 und 18 Uhr lesen sie außerdem aus ihren Recherchematerialien vor.
2.8., ab 14 Uhr, Emser Str. 124

NuN: Musical Chair
Nur wenige Male im Jahr ist der Projektraum NuN geöffnet. Die Besucher müssen über eine selbstgebaute Treppe durchs Fenster ins Hochparterre steigen, um in die private Wohnung der Kuratorin Marie Graftieaux und des Künstlers Pierre-Etienne Morelle zu gelangen. Eines ihrer Zimmer funktionieren sie für einen Abend lang zum Ausstellungsraum um. Zum Project Space Festival, das Graftieaux auch mitgegründet hat und leitet, ist hier die erste Berliner Einzelausstellung des Belgiers Ruben Bellinkx zu sehen. Sein Stummfilm “Musical Chair” von 2012 wird auf eine eigens dafür angefertigte Installation projiziert.
19.8., 18-22 Uhr, Isarstr. 4

Zönotéka: Dazed and Orthorexic
Der vor einem Jahr eröffnete Projektraum Zönotéka versteht sich als organisch wachsender, gemeinschaftlich betriebener Ort für Ausstellungen, aber auch für Kunstproduktion. Die bisherigen Projekte drehten sich um gesellschaftliche Mythen und die Suche nach dem guten und richtigen Leben. Die Künstlerin Dominika Trapp wird die Zönotéka in eine Rauminstallation verwandeln, die existenzielle Fragen aufwirft: Wie finden wir zu unserem natürlichen und gesunden Selbst? Lässt sich das durch die richtige Nahrung erreichen? Trapps Arbeit mit dem Titel “Dazed and Orthorexic” („benommen und orthorexisch„) veranschaulicht, wie dieses Streben nach Optimierung in Askese und strengen Ernährungsregeln münden. Ein Muss für alle Biomarkt-Fetischisten.
20.8., 18 Uhr, Hobrechtstr. 54

Centrum: Ein Abend mit Adrian Melis
Im Centrum geht es vor allem darum, Künstlern einen Raum zum Experimentieren zu geben und neue Arbeiten auszustellen. Der Kunstraum wird aktuell von Mareike Spendel und Natalie Weiland betrieben. Zum Festival wird hier der kubanische Künstler Adrian Melis sein bisheriges Werk vorstellen: Er arbeitet mit Videos, Fotografie, Klang, Licht und Objekten, woraus er gesellschaftskritische Skulpturen erstellt. Ein Thema zieht sich hindurch: der soziale und kulturelle Wert von Arbeit.
26.8., ab 17 Uhr, Reuterstr. 7

Dieser Text ist in Teilen in der aktuellen Ausgabe des Stadtmagazins Zitty erschienen.

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