Zum Dahinschmelzen

Tomoko_Sauvage

Die japanisch-französische Künstlerin Tomoko Sauvage will durch ihre Installation den Horizont der Kleinen erweitern.

Die außergwöhnliche Musik-Installation der japanisch-französischen Künstlerin Tomoko Sauvage eröffnet Kindergarten- und Schulkindern des Campus Rütli neue Klangwelten. Die Ausstellung ist bis zum 12. Dezember in der Temporären Galerie zu sehen. (mehr …)

Dienstag, 25. November 2014

Eisblöcke, umwickelt von hellen Schnüren, hängen von der Decke der „Temporären Galerie“ in der Quartiershalle Campus Rütli in der Rütlistraße 35. Langsam und geschmeidig tropft das geschmolzene Eis hinunter, aufgefangen von einer weißen Porzellanschüssel. Es macht plitsch-platsch, wenn der Tropfen mit dem Wasser in der Schüssel Eins wird. An die zehn Eisblöcke hängen von der Decke und jedes Plitsch und jedes Platsch klingt anders. Akkustich aufgefangen werden die Tropfentöne von Hydrophonen (Unterwassermikrofone), die am Rand der Porzellanschüsseln befestigt sind. Nahezu meditativ klingen die Töne, die an Glockengeläut erinnern und sich zu ganzen Tropfenklängen entwickeln.

Die Idee zu dieser außergewöhnlichen Musikinstallation hatte die japanisch-französische Musikerin Tomoko Sauvage, die drei Wochen lang mit den Kita-Kindern des Rütli-Campus und ihrer Wassertropfen-Installation zusammen arbeiten wird. „Ich freue mich sehr und bin gespannt, wie es für die Kinder sein wird“, sagt Tomoko Sauvage, die auf eine unkonventionelle Art und Weise zeigen will, dass man auch mit Wasser musizieren kann – ohne, dass es ein klassisches Musikinstrument dafür bedarf, obwohl die Künstlerin Klavier studiert hat. Die kleinen Konzerte, die sie mit den Kita-Kindern macht, finden nur im intimen Rahmen und nicht für die Öffentlichkeit statt.

„Jeder Künstler darf nur unter der Prämisse bei uns ausstellen, wenn er bereit ist, mit den Kindern des Rütli Campus zusammen zu arbeiten“, betont Kuratorin Silvia Ploner. Nichtsdestotrotz darf sich jeder andere die Ausstellung Transformation III, also bereits die dritte Transformation in der „Temporären Galerie“, zu den regulären Öffnungszeiten ansehen. Der Auftakt der Reihe war im Herbst 2013. Im Fokus jeder Ausstellung steht das Spannungsfeld zwischen Kunst und Wissenschaft.

Das Fenster zieht Neugierige an

Zusätzlich arbeitet immer ein lokaler Künstler parallel mit. In dem Fall ist es die Neuköllner Musikerin Heidrun Schramm. An ihren Workshops nehmen Schüler bis zu zwölf Jahre teil. Die Kinder kommen mit ihren Lehrern während des Musikunterrichtes in die Galerie und werden Kontaktmikrofone bauen. Die reagieren nicht über Schall, sonder nur über Kontakt. So wird aus einem Papierrascheln auf dem Tisch eine Granatexplosion.

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Plitsch-platsch: die Eistropfen werden von weißen Porzellanschüsseln aufgefangen, an denen Hydromikrofone befestigt sind, die die Geräusche einfangen.

Das Team, um die Initiatorin der Galerie Ida Schildhauer, ist darum berühmt, durch die diversen Projekte alle Altersgruppen miteinzubeziehen, den Horizont der Kinder zu erweitern und Hemmschwellen abzubauen. Letzteres geschieht meist schon von allein: Das große Fenster zur Pflügerstraße hin, lockt immer wieder neugierige Kinder, Jugendliche und Spaziergänger an.

Die Musikinstallation der Künstlerin Tomoko Sauvage ist bis zum 12. Dezember zu sehen.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 11 bis 19 Uhr.

 

 

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