von am 1. Juli 2013

„Alle meine Nachbarn sind wie Romanfiguren.“ Abbas Khider © Jacob Steden

Ein Spaziergang mit dem Neuköllner Schriftsteller Abbas Khider, bei dem er vom Glück erzählt, nicht ständig in Ausweiskontrollen zu geraten, von Cafés, in denen „die Deutschen“ sitzen, von rassistischem Sexismus und von Fußballspielen in Saudi-Arabien.

„Ich habe niemals gedacht, dass ich in Deutschland so spazieren gehen und mich frei fühlen kann. In anderen deutschen Städten hatte ich das nie gehabt. Das ist für mich wirklich, sagen wir mal so, es ist Luxus.“ Das sagt der Schriftsteller Abbas Khider. Geboren 1973 in Bagdad, floh er nach zwei Jahren Gefängnis unter Saddam Hussein als 20-Jähriger zunächst  ins arabische Ausland und dann weiter nach Europa. In Ansbach in Bayern wurde er jedoch festgenommen, weil er keine Ausweispapiere hatte. So beantragte er Asyl – und hat heute die deutsche Staatsbürgerschaft.

Dazwischen liegen gewaltige Anstrengungen und viele Geschehnisse, die auch in seinen Büchern auftauchen: Um die Flucht geht es in „Der falsche Inder“ (2008), um Gefängnis und Folter in „Die Orangen des Präsidenten“ (2011). Sein aktueller Roman „Brief in die Auberginenrepublik“, der im Februar erschienen ist, handelt von einem geheimen Postsystem für Exilanten.

Endlich am richtigen Ort

Seit 2009 ist Abbas Khider angekommen in Neukölln. Hier ist er heimisch geworden in Deutschland, fühlt sich nicht mehr als Fremder, endlich am richtigen Ort. Ich treffe ihn im „Laidak“ am Boddinplatz, er ist gerne hier. Er kommt in schwarzem Kapuzenpulli und weißer Leinenhose zum Interview – und stützt sich auf einen Wanderstock. Darauf genagelt kleine Wandertrophäen aus „Hirschegg“ und vom „Wörthersee“, Erinnerungen an eine Welt weit weg von Berlin. Der Stock hilft gegen seine Rückenschmerzen, und auf dem gemeinsamen Spaziergang zum Maybachufer wird das Klacken auf dem Asphalt vehementer je wichtiger ihm ist, was er sagt.

„Der beste Ort, den ich bis jetzt gefunden habe, ist hier“, meint Abbas Khider über seinen Wohnbezirk Neukölln. Und erzählt vom Glück, nicht ständig in Ausweiskontrollen zu geraten, von Cafés, in denen „die Deutschen“ sitzen, von rassistischem Sexismus und von Fußballspielen in Saudi-Arabien.

 

 

Soundschnipsel aus den Yoyogi.gong-Aufnahmen von Marec, Lizenz: CC BY 3.0

 

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