von am 31. Januar 2012

Es ist ein Mekka für alle Liebhaber von alten Kameras: das „ASA 90“ in der Fuldastraße. Wir sprachen mit dem Ladeninhaber Andreas über den Zauber von 35 mm, den Trend zum Retro und die Pentax ME Super.

Text: Karolin Korthase, Fotos: Max Büch

Sie sind wieder in aller Hände: die Leicas, Rolleis und Pentacons. Die alten wohlgemerkt. Denn passend zum Jutebeutel, der XXL-Brille und der Röhrenjeans, führt der Szeneberliner auf einmal auch wieder seine Uraltkamera spazieren. Und fotografiert mit ihr zuweilen auch.

Dass unsere Generation der 20 – 30-Jährigen sich spielend leicht in der digitalen Welt bewegt und sich zugleich nach der so scheinbar einfachen Welt des Analogen sehnt, ist paradox. Und schön. Ebenso wie Kassette und Schallplatte, ist auch der gute alte Film nostalgiebesetzt. Und so stehen wir staunend vor dem Schaufenster vom „ASA 90“ in der Fuldastraße und begutachten Kameras und Objektive, die Kante an Kante auf einen kundigen Käufer warten. Denn analog bedeutet nicht unbedingt einfach oder doch? „Es gibt ein paar Modelle, die hat der Kunde in fünf Minuten verstanden oder er versteht sie gar nicht“, sagt der Kamera-Fachmann und Urneuköllner Andreas.

neukoellner.net:Was bedeutet „ASA 90“?
Andreas: ASA 90 setzt sich zusammen aus dem amerikanischen ASA Standard für Filmempfindlichkeit und dem Gründungsjahr 1990. Damals hat mein Freund Manfred, der im letzten Jahr an Lungenkrebs gestorben ist, das Geschäft übernommen. Ein Fotofachgeschäft ist der Laden aber schon seit den Fünfziger Jahren.

Welche Modelle sind am gefragtesten?
Was die Nachfrage angeht, gibt es keine wirklichen Klassiker. Wir haben hier viele Kunden, die Neueinsteiger sind: Die sind mit digitaler Fotografie aufgewachsen und wollen es jetzt mal mit analoger Technik probieren. Viel gefragt wird immer nach Canon: der A1 und der AE1.

Wieviele analoge Kameras hast du zu Hause?
Nur eine. Die Pentax ME Super in schwarz. Die hab ich mir in diesem Laden gekauft und die werd ich auch ewig behalten. In der Zeit, als ich die gekauft habe, hab ich unglaublich viele Nachtaufnahmen gemacht und das macht die Pentax mit ihren endlos langen Belichtungszeiten super.

Gibt es einen Trend zu analoger Fotografie?
Na ja, analog fotografiert wurde immer. Früher nur in anderen Szenen. Zu meiner Zeit zum Beispiel unter den Neukölln-Besetzern. Aber es stimmt schon: In letzter Zeit gibt es den Trend, dass die Leute die Kamera als Accessoire über den Flohmarkt tragen. Andere wollen da schon richtig mit dem analogen Material arbeiten. Und das sind natürlich zwei Schienen: Einerseits geht es um den Retrocharakter von alten Kameras, andererseits darum, dass man mit den erschwinglichen Digitalkameras, die es auf dem Markt gibt einfach nicht die gleiche Qualität erreicht. Obwohl ich schon davon ausgehe, dass jeder, der hier eine analoge Kamera kauft, auch eine digitale zu Hause hat. Das schließt sich ja in keinem Falle aus. Dem Laden tut es natürlich gut, dass jetzt ein Klientel erreicht wird, mit dem man nicht gerechnet hat: Leute unter 25.

Hast du ein Lieblingsmodell?
Eigentlich nicht. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann wohl am ehesten die Nikon FE oder FM, wobei es mehr auf die Linse ankommt und nicht auf die Kamera. Ein gutes Foto kann man mit allen machen.

Analog versus Digital?
Würd ich nicht vergleichen. Beide haben parallel nebeneinander eine Berechtigung. Die Historie, die die Analogfotografie mitbringt, hat die Digitalfotografie vielleicht ja irgendwann auch. Obwohl ich persönlich, zum Beispiel im Kino, lieber eine zerkratzte 35mm Filmkopie sehe, als den gebeamten Matsch und auch 4:3-Formate der breitgezogenen Optik von 16:9 vorziehen würde. Das ist eben die Technik, mit der ich groß geworden bin.

Wie würdest du deinen Laden beschreiben?
Als eine Art Mischung aus Museum, Sozialstation und einem Ort, wo sich noch gekümmert wird. Wir schmeißen niemandem eine Bedienungsanleitung hin nach dem Motto „friss oder stirb“, sondern nehmen uns schon mal eine halbe Stunde Zeit. Das macht für mich auch den Charme des Ladens aus.

Macht ihr auch Reperaturen?
Eigentlich sind wir ja keine Reperaturwerkstatt, sondern ein Fotoladen. Aber wir machen hier schon viel mit Handauflegen, denn die meisten Probleme lassen sich innerhalb von fünf Minuten beheben. Größere Reperaturen mache ich sonst nur bei seltenen Modellen, weil es sonst einfach nicht zu schaffen ist.

Seit wann wohnst du in Neukölln?
Schon immer. Gerade wohne ich in der Flughafenstraße, aber eigentlich komme ich aus der Sonnenallee.

Hast du einen Lieblingsort in Neukölln?
Nicht mehr, weil sich hier alles nicht mehr unterscheidet. Zwischennutzungsgalerie, Zwischennutzungskneipe, Zwischennutzungs-was-auch-immer. Sobald du irgendwo bist und ‘ne Lampe an ist, ist es sehr ähnlich gestrickt. Die besonderen Ecken, die sich vor 10 Jahren gebildet habe, sind inzwischen keine besonderen Ecken mehr.

 

ASA90 – Der Fotoladen
Fuldastraße 55, 12043 Berlin

 

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