von am 16. September 2014
Ali Akedniz trägt zum Interview einen leichten, hellen Sommeranzug, den er in der Türkei gekauft hat. Und immer dabei: der Hut. Foto: Anna Blattner.

Ali Akedniz trägt zum Interview einen leichten, hellen Sommeranzug, den er in der Türkei gekauft hat. Und immer dabei: der Hut.

Der 85-jährige Ali Akdeniz ist vermutlich der letzte Gentleman von Neukölln. Vor allem durch seinen schick-eleganten Modestil fällt er auf.

Der gelernte Schneider ist nicht nur ein Meister seines Handwerks – 60 Anzüge hat er selbst gefertigt – sondern er hat auch ein Händchen für Frauen. Zusammen mit fünf von ihnen hat er insgesamt 18 Kinder. Seit 1969 lebt Akdeniz in Deutschland. Kommendes Jahr wird er zu seiner Frau in die Türkei zurückkehren und dort seinen Lebensabend verbringen. Doch zuvor traf ihn neukoellner.net zum Interview.

Foto: Anna Blattner

neukoellner.net: Herr Akdeniz, was ist Ihr Lieblingsoutfit? Und warum?
Definitiv der Anzug. Ich wollte schon als zwölfjähriger Junge einen Anzug tragen. Meine Generation und auch die meines Vaters trägt nur Anzüge. Das ist auch in der Türkei so. Die Leute legen viel Wert darauf. Der Anzug ist ein Teil der türkischen Kultur und erzeugt eine gewisse Vorbildfunktion, die auch ich haben möchte. Außerdem sieht ein Anzug immer hübsch aus. Und mein Schneiderberuf bringt es natürlich mit sich, dass ich immer elegant aussehe.

Ich besitze 80 Anzüge, von denen ich 60 Stück selbst geschneidert habe.

Auf den Fotos Ihres Blogs habe ich gesehen, dass Sie nie ohne Kopfbedeckung ausgehen. Sie tragen entweder Hut, Mütze oder Cappi. Warum?
Ich muss immer eine Kopfbedeckung tragen! Und diese muss auch immer zu meinem Outfit passen, sonst bin ich nicht komplett (lacht).

Neben Mützen und Hüten trage ich auch Schmuck (zeigt auf Goldringe, Uhr und Halskette), der ebenfalls zu meinen Sachen passt. Schmuck macht eben einen großen Eindruck auf Frauen!

Zu einem guten Modestil gehören für Ali auch Schmuck, Sonnenbrille und eine Herrenhandtasche.

Zu einem guten Modestil gehören für Ali auch Schmuck, Sonnenbrille und eine Herrenhandtasche.

Sie sind ja schon eine Berühmtheit in Neukölln. Wie reagieren die Leute auf der Straße, wenn sie Sie sehen? Wollen die Modetipps von Ihnen?
Mich sprechen viele Leute an und wollen meistens ein Foto mit mir zusammen machen. Oder geben mir ihre Kinder auf den Arm und fotografieren mich mit den Kleinen.

Hier und da will der ein oder andere schon einen Modetipp. Dabei ist es gar nicht schwer, gut gekleidet zu sein. Ich trage meine Anzüge immer passend zur Jahreszeit. Helle und frische Farben im Frühjahr und Sommer und dunkle Töne im Herbst und Winter. Dabei ist meine Lieblingsfarbe rot. Sie trage ich das ganze Jahr über.

Meine Kleidung suche ich mir selbst aus. Ich würde mir niemals von jemanden da reinreden lassen – nicht mal von einer Frau, dabei liebe und vergöttere ich Frauen! (lacht).

Was bedeutet für sie ein guter Modegeschmack?
Dass die Leute einen angucken. Dass man eine große Anziehungskraft auf andere Menschen ausübt. Ich bin eh der Ansicht, dass man viel mehr auf sein Äußeres achten sollte. So wirkt man nie langweilig.

Ali in Aktion.

Der einzige Farbtupfer bei diesem Outfit: die rote Gebetskette.

Was haben Sie als Jugendlicher gerne getragen?
Ich war Fußballspieler und habe deshalb gerne Trikots und Sportanzüge angezogen. Und selbst die sahen elegant an mir aus. Ich trage sie heute noch.

Es gab in meiner Jugend keine Phase, in der ich mit meinen Anziehsachen vor meinen Eltern oder der Gesellschaft rebellieren musste. Natürlich hatte ich Streit mit meinen Eltern und es gab mal schlechte Zeiten, aber so was kommt in jeder Familie vor.

Was bedeutet Ihnen Neukölln?
Ich mag es, dass hier so viele unterschiedliche Menschen leben. Mit unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Dadurch kann man viele Sachen entdecken: wie ausländisches Essen.

Allerdings können Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen auch Ärger machen. Es kann zu Problemen kommen. Aber so was ist normal.

Wo sind Ihre Lieblingsplätze in dem Bezirk?
Ich habe keine bestimmten hier in Neukölln. Ich bin überall in Berlin unterwegs. Vor allem in Hohenschönhausen, denn dort arbeite ich zusammen mit einem Bekannten in einem Schneideratelier. Als ich noch jünger war, bin ich viel am Wochenende in Discos tanzen gewesen, in der Bismarckstraße oder am Bahnhof Zoo.

Mittlerweile bin ich auch viel außerhalb Berlins unterwegs. Ich fahre dann mit meiner Familie raus aufs Land, dort haben wir einen Garten und wir pflücken Obst und essen es. Das gibt einem neue Kraft.

 

Au ja, ich spende via: PayPal | Überweisung | Bankeinzug | Flattr

 

 

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